Ein Heiratsvermittler der ganz besonderen Art
ROHRBACH-BERG. Am Berg steht er oben, ein wenig abseits vom Weg, sodass man ihn leicht übersieht, wenn man ihn nicht extra sucht: Der „Schickanus“. Die Statue, zu der einst ledige Mädchen pilgerten, damit der heilige Ivo – diesen stellt sie nämlich dar – ihnen einen Mann schicken möge, ist ein echtes Rohrbach-Berger Original – und das seit fast 300 Jahren.

Schickanus (oder früher Schickenus) wird der Heilige Ivo im Volksmund deshalb genannt, weil die Frauen dem Heiligen die Füße küssten und die flehentliche Bitte „So schick“ uns an“ (einen Mann) an ihn richteten. Schon der berühmte Mundartdichter Norbert Hanrieder beschrieb die Figur in seinem Gedicht „Reowá“, in dem Petrus die Berger Kirche und eben den Schickanus besucht. Darin heißt es:
Er wunart si nu for a´Weil,
Da kemán Leut, á ganzi Zeil,
Bluatjunge Dirndl, Paar in Paar,
Und alti Jungfern ár á Schar.
Und Petrus sagt: „Das kenn i scha,
die betn alli um án Mann.
Und toant en Schickenus varehrn,
der muaß ja zerst nu heili wern!“
Am alten Pilgerpfad
Der heutige Standort mitten in der Wiese lässt sich so erklären, dass dort der alte Pilgerweg von Rohrbach her kommend vorbeiführte. Leider ist heute dem heiligen Ivo der Blick auf sein schönes Rohrbach verwehrt. Zu hoch sind die Bäume auf dem Berg schon geworden. Die einst vielbeachtete und -besuchte Statue wird sich heutzutage freuen, wenn sich einige wenige extra auf den Weg zu ihr machen. Ledige Frauen gibt es zwar heute genauso wie damals, für den Schickanus als Heiratsvermittler ist die Zeit leider abgelaufen.


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