Wenn ein Ast zum Notfall wird
BEZIRK ROHRBACH. Mit jeder Menge Arbeit wurden die Feuerwehren des Bezirkes wegen der großen Schneemengen im Jänner eingedeckt. Umso ärgerlicher ist es dann, wenn die freiwilligen Helfer auch noch wegen Lappalien ausrücken müssen.

Nicht bei jedem Feuerwehreinsatz geht es um Leben und Tod, das ist klar. Und nicht jedes Problem stellt Menschen vor dieselben Herausforderungen. Während mancher Mühlviertler im Winter sowieso mit der Motorsäge im Kofferraum durch die Gegend fährt und Hindernisse auf den Straßen gegebenenfalls selbst aus dem Weg räumen kann, bleibt anderen in so einem Fall keine andere Wahl, die Feuerwehr zu rufen.
Wenn aus einem Baum ein Ast wird
Aber Baum ist nicht gleich Baum, wie auch die Feuerwehr St. Stefan jüngst erfahren musste. Mehr als 20 Florianis ließen abends für einen technischen Einsatz „Baum über Straße“ alles stehen und liegen, nur um dann festzustellen, dass es sich lediglich um einen längeren Ast handelte (siehe Foto). Einige Kameraden entfernten ihn bei der Anfahrt zum Feuerwehrhaus mit ein paar Handgriffen, sodass der Rest der gerade ausrückenden Feuerwehrleute wieder umkehren konnte. Was bei den Florianis hängen bleibt, ist Ärger über den leichtfertigen Umgang mit der Freiwilligkeit.
„Wir bitten die Autofahrer darum, die Situationen richtig einzuschätzen und sich ein genaues Bild der Lage zu machen“, ruft die FF St. Stefan auf ihrer facebook-Homepage auf, mit dem Nachsatz: „Im Zweifel gilt jedoch: Lieber einmal zu oft als zu wenig alarmiert.“
Gefahrenstelle absichern
Die Feuerwehren bitten bei einer Alarmierung darum, bis zum Eintreffen der Feuerwehr an der Gefahrenstelle zu warten und wenn möglich den Gefahrenbereich abzusichern. So ist sichergestellt, dass der nachfolgende Verkehr nicht von der Gefahrensituation überrascht wird. Außerdem können die Einsatzkräfte damit sichergehen, auch an der richtigen Gefahrenstelle angekommen zu sein.
Eigenverantwortung gefragt
Feuerwehr-Bezirkskommandant Josef Bröderbauer ersucht die Bevölkerung um mehr Reflexion bei der Alarmierung: „Die Feuerwehr hat natürlich die Aufgabe, bei Gefahr in Verzug zur Stelle zu sein. Es liegt aber durchaus in der Eigenverantwortung eines jeden Einzelnen, sich zuerst die Frage zu stellen, ob der Einsatz der Feuerwehr denn überhaupt sein muss. Es ist so selbstverständlich geworden, dass man die Feuerwehr auch wegen Kleinigkeiten ruft und das muss sich wieder ändern. Natürlich muss man differenzieren, wer Hilfe sucht. Wenn es vielleicht eine ältere Dame ist, ist sie zu manchem körperlich vielleicht nicht mehr in der Lage und ruft gerechtfertigt die Feuerwehr. Dafür sind wir dann auch gerne zur Stelle.“ Selbsthilfe solle aber wieder selbstverständlicher werden, appelliert der Bezirkskommandant.


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