10 Prozent-Hürde ist gefallen: Privatkonkurs wird trotzdem nicht leicht gemacht
ROHRBACH-BERG. Der Wegfall der Mindestquote ist die wesentliche Änderung der Privatkonkurs-Reform, die mit 1. November in Kraft tritt. Damit können auch Menschen, die nur eine geringe oder keinerlei Zahlung leisten können, von ihrer Restschuld befreit werden. Dennoch ist das keine Einladung zum Schulden machen.

„Ein Privatkonkurs ist kein Honiglecken und mit der Reform wird er nicht leichter gemacht“, weiß Maria Grabner, Leiterin der Schuldnerhilfe in Rohrbach. Sie freut sich aber, dass jetzt die 10 Prozent-Hürde gefallen ist. „Das hilft vor allem jenen, die nichts zurückzahlen und keine Regulierung erreichen können. Sie bekommen trotzdem eine Chance auf einen Neubeginn ohne Schulden“, erklärt die Juristin das Ganze anhand eines fiktiven Beispiels: Eine Mindestpensionistin zahlt während der Abschöpfungsverfahrens sieben Jahre lang 30 Euro monatlich, weil mehr einfach nicht möglich sind. Trotz aller Bemühen schafft sie aber nur eine Quote von fünf Prozent. „Alle Schulden sind somit wieder da - ebenso die Gläubiger, die ihr nachrennen, der Exekutor, der sie regelmäßig besucht oder die Mahnungsschreiben. Nach der Insolvenzrechtsänderung dauert das Abschöpfungsverfahren nur mehr fünf Jahre. Sie zahlt jedes Monat die möglichen 30 Euro und wird dann von der Restschuld befreit.“
Leben am Existenzminimum
In diesen fünf Jahren müssen sich die Schuldner weiterhin anstrengen und ihren Gläubigern einen akzeptablen Zahlungsplan anbieten. Bis zum Existenzminimum wird gepfändet. „Eine totale Vermögensverwertung bleibt Voraussetzung im Konkursverfahren“, betont Maria Grabner. Sie ist überzeugt, dass die neue Regelung auch für die Gläubiger positiv ist, denn „schuldenfreie Leute haben Wert für die Gesellschaft.“
Gesetzliche Möglichkeiten nutzen
Die erfahrene Schuldnerberaterin glaubt allerdings nicht, dass die Zahlen mit der Reform massiv ansteigen werden. „Nach wie vor wird ein Konkurs als Schande gesehen, als Gesichtsverlust - bei uns viel mehr, als im städtischen Bereich. Ich würde mir wünschen, dass die Leute den Mut haben, diese gesetzliche Möglichkeit zu nutzen.“ Grabner wünscht sich außerdem, dass Schuldner nicht in eine Schublade gesteckt werden. „Jeder Konkurs ist einzigartig und meist stecken viele Gründe dahinter. Aber noch niemand hat jemand bewusst Schulden gemacht.“
Teures Leben
Sie merkt aber schon, dass etwa Alleinerzieherinnen nach einer Scheidung oder Trennung, Mindestpensionsbezieher oder Langzeitarbeitslose besonders gefährdet sind. Zumal das Leben immer teurer wird. „Bei den Mietpreisen oder Energiekosten ist die Steigerung extrem, das passt nicht zur Einkommens-Steigerung. Oft reichen dann Kleinigkeiten für ein komplettes finanzielles Chaos.“


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