Mündliche Matura verpflichtend, aber: „Streiken ist nicht der richtige Weg“
BEZIRK ROHRBACH. Corona-bedingt können die Schüler heuer wieder mit Erleichterungen bei den Maturaprüfungen rechnen, die mündliche Prüfung soll aber verpflichtend stattfinden. Während mancherorts dagegen gestreikt wird, hält man in den Rohrbacher Schulen von solchen Maßnahmen nicht viel.

Bildungsminister Martin Polaschek hat vor wenigen Tagen die Regeln für die Matura 2022 angekündigt – und prompt reagierten Maturierende darauf mit Streiks. Vor allem die mündliche Matura, die im Gegensatz zu den vergangenen zwei Jahren heuer wieder verpflichtend ist, regt auf. „Wir sind jener Jahrgang, der schon seit zwei Jahren von den Corona-Einschränkungen betroffen ist. Deshalb ist es unfair, dass wir trotz der gleichen Bedingungen keine Erleichterungen bekommen. Das verstehen wir alle nicht“, spricht Lara Peschke für alle Maturantinnen und Maturanten der Rohrbacher HLW. Aber sie fügt gleich hinzu: „Streiken ist nicht der richtige Weg. Dann fehlt uns ja wieder Zeit in der Schule und wir waren ohnehin schon genug daheim.“
Offene Briefe bringen nichts
Aus Erfahrung weiß sie leider auch, dass offene Briefe oder Gespräche mit den Verantwortlichen im Ministerium nichts bringen. Denn schon im Vorjahr hat sie sich als Schülervertreterin für eine freiwillige Koch- und Serviceprüfung eingesetzt – vergeblich. „Die Hoffnung auf weitere Verbesserungen geben wir aber nicht auf“, sagt die HLW-Schülerin. Kritik übt sie auch, weil bei der Matura in den AHS (Allgemein bildende höhere Schulen) mehr Erleichterungen angekündigt wurden als für die BMHS (Berufsbildende mittlere und höhere Schulen). Sie nennt als Beispiel die Verlängerung der Abgabetermine für Vorwissenschaftliche Arbeiten (VWA), nicht aber für Diplomarbeiten. Sie und ihre Mitschüler in den Maturaklassen hoffen jetzt auf Präsenzunterricht im nächsten Semester, um die Schularbeiten durchbringen, den Stoff wiederholen und Defizite aufholen zu können. „An unserer Schule hat das Distance Learning gut funktioniert und wir haben auch den gesamten Stoff durchgebracht – aber ob es so sitzt, ist eine andere Frage.“
Praxis und Erklärungen fehlen
Ähnlich sieht es Konstantin Huber, Klassensprecher der 8b am Rohrbacher Gymnasium: „Viele Erklärungen im Präsenzunterricht fielen weg; vor allem bei den Sprachen, wo es ums Reden und Interpretieren geht, fehlt uns die Praxis. Wir sind ein Jahrgang, bei dem zwischendurch viel verloren gegangen ist.“ Er spricht damit auch den Lerneffekt durch die Schularbeiten an, von denen es in den vergangenen zwei Jahren viel weniger gegeben hat. „Diese Noten fließen aber in die Abschlussnote ein, da darf also nichts schiefgehen.“ Aber trotz der Corona-Nachwirkungen hätten grundsätzlich „ziemlich alle das Gefühl, dass sie die Matura gut hinter sich bringen“, sagt Konstantin Huber.
Mehr Mitspracherecht
Die angekündigten Schritte für die Matura seien auf jeden Fall wichtig. „Gut ist, dass die Themenbereiche eingeschränkt werden, ansonsten würde die Stimmung ganz anders aussehen“, ist er überzeugt. „Jedoch gebe es noch Verbesserungspotenzial, etwa mehr Mitspracherechte für uns Schüler bei den Themenpools.“ Demos oder Streiks kommen aber auch für die Rohrbacher Gymnasiasten nicht in Frage.


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