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NEUSTIFT/UKRAINE. 24. Februar 2022: Eine russische Rakete schlägt am Flughafen von Iwano-Frankivsk ein. Seitdem läuft bei Galyna Trautendorfer der Fernseher quasi rund um die Uhr, das Handy steht nicht mehr still.

Galyna Trautendorfer stammt aus der Ukraine und wohnt in Neustift. (Foto: Trautendorfer)
Galyna Trautendorfer stammt aus der Ukraine und wohnt in Neustift. (Foto: Trautendorfer)

„Seit Beginn des Krieges verfolge ich das Geschehen. Am Abend schreibe ich meinen Freunden in der Ukraine, dass Gott sie die Nacht über beschützen soll, am Morgen gilt der erste Blick wieder den Nachrichten meiner Freunde“, erzählt Trautendorfer.

Jähes Ende des Aufschwungs

Seit 2007 lebt Trautendorfer in Kramesau in der Gemeinde Neustift; wo die Liebe hinfällt. Ursprünglich kommt sie aus Iwano-Frankivsk in der Ukraine. Die Stadt zählt rund 220.000 Einwohner und liegt in der West­ukraine. Nach Lemberg sind es mit dem Auto rund zweieinhalb Stunden. „Die Stadt hat sich in den letzten Jahren unter dem neuen Bürgermeister gut entwickelt. Es haben sich viele Firmen angesiedelt, die Wohnsiedlungen nach europäischen Standards gebaut haben. Natürlich gibt es gleichzeitig noch die alten So­wjet-Bauten, aber man hat einen Aufschwung bemerkt.“ Mit dem Angriff Russlands auf die Ukrai­ne wird dieser jäh gestoppt.

Verwandte und Freunde berichten aus der Ukraine

Trautendorfer hat noch gute Kontakte in ihre alte Heimat. Einerseits Verwandtschaft, andererseits haben viele Freundschaften die räumliche Trennung überlebt: Handy, Facetime & Co. sei Dank. Und so schaffen es die Bilder und Berichte direkt aus der Ukraine nach Neustift. „Was derzeit in den Medien läuft, sind keine Fakes, das passiert wirklich. Iwano-Frankivsk liegt zwar weit im Westen und ist somit relativ sicher, aber mit dem russischen Angriff auf unseren Flughafen hat man gesehen, wie schnell es gehen kann. Es gibt jeden Tag Sirenenalarm, um 22 Uhr müssen alle Lichter abgeschaltet werden. „Wir leben von Sirene zu Sirene“, berichten mir meine Leute. Es ist ein Leben in Angst, es ist ein Leben im Krieg“, erzählt Trautendorfer.

„Putin geht bis zum Schluss“

Trotz allen Säbelrasselns in der Vergangenheit, der Krieg trifft die Menschen in der Westukraine unvorbereitet. „Die Situation im Osten ist ganz eine andere, hier gibt es ohnehin schon länger Konflikte. Dass die Situation aber in diesem Ausmaß eskaliert, damit hat man im Westen des Landes nicht gerechnet.“ Trautendorfer ist sich sicher: „Putin geht bis zum Schluss und will die ganze Ukraine. Ich hoffe, ich irre mich. Ich hoffe einfach nur, dass meine Leute überleben.“

„Wir halten zusammen und wir halten dagegen“

Trautendorfers Verwandte bleiben einstweilen in der Ukraine. Entweder in der Stadt wie Trautendorfers Bruder – er ist Radio-Journalist und arbeitet derzeit fast rund um die Uhr – oder wie ihre Cousine, die aus der Stadt in das nahe Umland gezogen ist. Ohne Gegenwehr will man sich nicht überrollen lassen. „Wir halten zusammen und wir halten dagegen.“


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