Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

KOLLERSCHLAG. Noch gibt es kein Haus aus Papier. Aber es gibt das Langackerhäusl und wer sieht, was dort alles aus Papier gefertigt wird, der hält gar nichts mehr für unmöglich.

  1 / 2   Ralf (l.) und Edward wohnen seit 2019 im Langackerhäusl in Kollerschlag. (Fotos: langackerhaeusl.at)

Ralf und Edward, die zwei kreativen Köpfe aus dem Langackerhäusl, haben den Namen ihres Hauses auf ihr Label ausgeweitet. „Denn“, so sagen die beiden, „wir stehen nicht nur hinter unserer Arbeit, sondern wir leben darin.“ Bei den beiden treffen einige Besonderheiten aufeinander: Da wäre zum einen der Werkstoff Papier und das Langackerhäusl selbst und zum anderen sind es die Kontraste in den Lebensläufen der beiden: zuerst Großstadt und jetzt die Mühlviertler Einöde. Aber alles der Reihe nach.

Von L.A. nach Kollerschlag

Ralf und Edward haben zuerst in Paris und dann zehn Jahre lang in Los Angeles als Kostümschneider, Grafikdesigner und Produktstylisten gearbeitet. Ralf kommt aus Tübingen (Baden-Württemberg), in der Nähe von Stuttgart. Edward ist ein echter Kalifornier. „Die Zeit, die wir in diesen großen Metropolen verbracht haben, möchten wir nicht missen. Es war großartig, aber gleichzeitig anstrengend.“ Die Sehnsucht nach Ruhe nahm immer mehr überhand und so machten sie sich auf die Suche: nach mehr Ruhe und einem passenden Haus in der Pampa. „Wir haben etwa zwei Jahre lang gesucht, ursprünglich vor allem in Deutschland. Irgendwann sind wir auf das Lang­ackerhäusl hier in Kollerschlag gestoßen. Bei der Besichtigung war uns sofort klar: Das wird es!“. 2007 haben Ralf und Edward das Haus gekauft, 2009 sind sie eingezogen. Von Los Angeles, fast vier Millionen Einwohner, nach Kollerschlag ins Langackerhäusl, Baujahr 1885.

Weit weg vom Rest

Zum Haus gibt es keine befestigte Straße, stattdessen fährt man auf einer Schotterstraße mitten durch den Wald steil bergab. Strom haben die beiden, sogar Internet – das Wasser kommt aus der hauseigenen Quelle. Und im Winter? „Der Nachbar schiebt immer wieder mal mit dem Traktor den Weg für uns frei. Es ist aber nicht so tragisch, weil wir nicht jeden Tag raus müssen. Wie gesagt: Wir stehen nicht nur hinter unserer Arbeit, wir leben darin.“ Umgebaut haben die beiden das Haus selbst und so sind aus Saustall und Co. Arbeitsplätze geworden. Geheizt wird mit Holz und einem Kamin, die Einrichtung ist spartanisch. Gemeinsam mit den dicken Mauern und den Gewölbedecken ergibt das ein ganz besonderes Flair. Das Langackerhäusl ist nicht nur geografisch weit weg vom Rest.

Eigene Papier-Mischung

Gearbeitet wird in getrennten Räumen. „Wenn man nur zu zweit ist und noch dazu abgeschieden wohnt, muss man darauf achten, dass man sich nicht beginnt, auf die Nerven zu gehen. Deshalb wollten wir von Anfang an, dass jeder seinen eigenen Bereich hat.“ Die beiden produzieren vor allem Taschen und Schmuck, aber auch Uhren, Lampenschirme und kleinere Skulpturen aus Papier. Die Idee ist ihnen erst beim Einzug in das Langackerhäusl gekommen: bergeweise Umzugskartons, daraus sollte sich doch was machen lassen. „Wir hatten nicht viel Ahnung von Papier und haben begonnen rumzuexperimentieren. Herausgekommen sind verschiedene Papierarten, die auf jedes Objekt abgestimmt werden.“

Robust und alltagstauglich

Dass die Taschen aus Papier sind, sieht man ihnen auf den ersten Blick nicht an, die Optik erinnert eher an Leder. Beim Angreifen wird schnell klar: Mit dem Kopierpapier aus dem Büro haben die Papier-Taschen von Ralf und Edward eigentlich nichts gemeinsam: Das Material ist richtig robust, Zweifel an der Haltbarkeit ausgeräumt; durch die spezielle Papiermischung ist Regen kein Problem. „Wir haben unsere Produkte am Anfang auf den Märkten hier in der Umgebung verkauft, mittlerweile zählen vor allem Design-Boutiquen und Museums-Shops zu unseren Kunden.“ Und es scheint gut zu laufen, die Papierprodukte sind die einzige Einnahmequelle der beiden. Obwohl es im Prinzip immer der gleiche Werkstoff ist, wird ihnen nie fad: „Je mehr man sich damit beschäftigt, desto mehr Möglichkeiten erschließen sich einem.“ Ralf und Edward scheinen nicht nur beim Werkstoff Papier angekommen zu sein, sondern auch in Kollerschlag. „Ich glaub, das hier ist unsere letzte Station, hier bleiben wir.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden