Beim gemeinsamen Sticken wird über Gott und die Welt geredet
ULRICHSBERG/LINZ.Unter Anleitung der Künstlerin Cécile Belmont entsteht ein Fastentuch, das ab Aschermittwoch 2023 die Kapelle im Bischofshof zieren wird. Auch die Ulrichsbergerin Maria Neumüller hat schon mit Nadel und Faden ihre Spurenhinterlassen.

In Kleingruppen von maximal vier Personen wird zweimal wöchentlich drei Stunden lang gestickt. Maria Neumüller aus Ulrichsberg hat durch die Kirchenzeitung von dem Kunstprojekt erfahren und ist bereits zum zweiten Mal im Bischofshof. „Handarbeiten ist eins meiner Hobbys. Bei diesem Projekt kann ich mit anderen sticken und lerne neue Leute kennen. Gemeinsam an einem Bild zu arbeiten, ist etwas Besonderes. Und ich habe beim Sticken schon interessante Gespräche geführt. Ich finde es richtig gemütlich hier im Bischofshof“, berichtet sie.
Geredet wird über Gott und die Welt, auch über das Thema Frauen in der Kirche. „Jedes Treffen ist anders. Interessierte melden sich über einen Online-Link an und wissen dann nicht, mit wem sie zusammenarbeiten. Manchmal wird mehr geredet, manchmal weniger“, erzählt Cécile Belmont, eine aus Frankreich stammende und in Linz lebende Künstlerin, die das Projekt begleitet.
Christus in der Rast
Das Fastentuch zeigt ein Bildnis des „Christus in der Rast“ nach einer Skulptur aus dem 16. Jahrhundert: ein sitzender Christus, der – nach der Geißelung und unmittelbar vor der Kreuzigung – völlig ermattet seinen Kopf mit dem rechten Arm auf dem Oberschenkel abstützt. Im Hintergrund zeichnet sich die Kulisse von Linz ab. Das Stickwerk soll rechtzeitig zum Aschermittwoch (22. Februar 2023) fertig sein. Während der Fastenzeit wird das Fastentuch das Kreuz in der Kapelle des Bischofshofs verhüllen.
Julbacher Fastentuch
Fastentücher verhüllen während der Fastenzeit Kreuze, Altarbilder oder Teile des Altarraums. Es soll ein „Fasten der Augen“ sein und die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche des Glaubens lenken. So ein gesticktes Fastentuch hat übrigens auch die Gemeinde Julbach: Auf Initiative der heuer verstorbenen Künstlerin Edda Seidl-Reiter haben die Goldhaubenfrauen im Jahr 2010 dieses einzigartige Werk geschaffen. 2016 ging das Julbacher Fastentuch in das Eigentum der Gemeinde über, die sich damit verpflichtet, dieses während der 40-tägigen Fastenzeit in der Kirche aufzuhängen und zwischenzeitlich sicher und ordnungsgemäß zu verwahren.


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