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Bäche im Oberen Mühlviertel versiegen: ein Weckruf des Fischereirevieres Rohrbach

Martina Gahleitner, 05.05.2026 12:17

BEZIRK ROHRBACH. Freiliegende Steine, ausgetrocknete Uferzonen, Fische, die in abgeschnittenen Pfützen ums Überleben kämpfen: Das Fischereirevier Rohrbach nimmt die dramatisch niedrigen Pegelstände an den Mühlviertler Fließgewässern zum Anlass, um zum Nachdenken und Umdenken anzuregen.

Dramatisch niedriger Pegelstand an der Steinernen Mühl bei Hartmannsdorf (Haslach) (Foto: Koller)
Dramatisch niedriger Pegelstand an der Steinernen Mühl bei Hartmannsdorf (Haslach) (Foto: Koller)

„Was sich derzeit in unseren Gewässern abspielt, ist kein launisches Wetterphänomen, das sich mit dem nächsten Regen wieder erledigt. Es ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Entwicklung, vor der Wissenschaft, Wassergenossenschaften, Naturbeobachter und Fischer seit langem warnen – und die heuer mit voller Härte sichtbar wird“, sagt Thomas Koller, Fischermeister und Obmann des Fischereireviers Rohrbach. „Mein Großvater hat schon 1985 gesagt, der nächste Krieg werde ums Wasser geführt. Damals haben wir gelächelt. Heute lächelt niemand mehr, der die Pegel kennt, der mit Landwirten redet, die ihre Brunnen vertiefen müssen, oder der den Gemeinden zuhört, die im Sommer über Bewässerungsverbote nachdenken müssen“, zeigt Koller auf.

Von Wiesendrainagen bis zur Poolbefüllung

Das Fischereirevier Rohrbach fordert deshalb ein wasserwirtschaftliches Umdenken im Bezirk: Da geht es um Wiesendrainagen, die heute ökologisch und ökonomisch nicht mehr zu rechtfertigen sind. Denn „eine feuchte Wiese ist Futterlieferant, Wasserspeicher, Lebensraum und Klimaanlage zugleich. Eine drainagierte Wiese ist im Hochsommer braun.“ Da geht es aber auch um verbindliche Spielregeln für den privaten Großverbrauch in Trockenphasen: Tausende private Schwimmbecken werden in den kommenden Wochen befüllt, „während unsere Fließgewässer ohnehin am Limit sind und die Fische nach Sauerstoff ringen“, macht der Revierobmann aufmerksam und verweist auf den Hydrographischen Dienst. Dieser bestätigt, dass die Grundwasserstände im Oberen Mühlviertel deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten liegen.

Teiche statt Abflussrinnen

Notwendig wären auch Puffer in der Landschaft in Form von Teichen. „Jahrhundertelang haben unsere Vorfahren Teiche angelegt, weil sie wussten, dass Wasser ein Schatz ist, den man hält und nicht wegschickt. Heute ist das Genehmigen eines neuen Teiches ein bürokratischer Spießrutenlauf. Das Argument: Hochwassergefahr.“ Koller ist überzeugt, dass ein Netz aus kleinen, kontrolliert absenkbaren Teichen im Mühlviertel im Trockenjahr Wasser puffern, im Starkregenfall Spitzen kappen und nebenbei eine Lebensraumvielfalt schaffen würde, von der wir heute nur träumen. Und diese Teiche wären deutlich weniger wartungsbedürftig als Retentionsbecken. „Das Wasser, das uns heute durch die Finger rinnt, werden wir morgen schmerzlich vermissen“, fasst der Revierobmann zusammen und fordert auf, endlich aufzuhören, Wasser zu behandeln, als hätten wir es im Überfluss. Wir haben es nicht.


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