Physikerin aus Haslach bereitet sich auf Mars-Mission auf Erden vor
HASLACH/WIEN. Den Mars auf Erden will die gebürtige Haslacherin Claudia Gollner (38) erkunden. Und so trainiert die Physikerin, die mittlerweile an der Technischen Universität (TU) Wien arbeitet und forscht, hart für eine mögliche Teilnahme an der nächsten Mars-Simulation des Österreichischen Weltraum Forums (ÖWF) im kommenden Jahr in Portugal.

Der Weg von Haslach zur Weltraumforschung war weit und absolut nicht vorherzusehen, wie Claudia Gollner im Gespräch mit Tips berichtet. Aufgewachsen in Haslach, zog es sie nach der Volksschulzeit und der Sporthauptschule in Ulrichsberg ans BORG Bad Leonfelden.
Nach der Matura im Kunstzweig folgte ein Jahr Mathematikstudium an der Johannes Kepler Universität Linz, bevor sie schließlich bei der Physik landete und an der JKU ihren Master in technischer Physik abschloss. „Wie man sieht: Ich hatte meinen Karriereweg von Anfang an bis ins kleinste Detail geplant!“, blickt Gollner mit einem Augenzwinkern zurück.
Forschung weltweit
Weitere Stationen führten sie ans Imperial College London, wo sie ein zweites Masterstudium mit Forschungsschwerpunkt in kontrollierter Quantendynamik absolvierte. Für ihre Dissertation am Photonik-Institut der TU Wien wurde sie mit dem österreichischen Award of Excellence prämiert. Mit diesem Rückenwind und einem Forschungsstipendium im Gepäck durfte sie anschließend an der Stanford University und am Stanford Linear Accelerator (SLAC) in Kalifornien forschen. Mittlerweile ist sie zurück an der TU Wien und widmet sich dort voller Begeisterung der Grundlagenforschung.
Neue Mission
Zeit also für eine neue Herausforderung abseits ihres Arbeitsalltags. Eine Ausschreibung des ÖWF weckte im Vorjahr die Neugier der Wissenschaftlerin: Für das nächste Mars-Simulationsprogramm AMADEE-27 in Portugal suchte die österreichische Forschungseinrichtung neue Teammitglieder. Ein halbes Jahr nach ihrer Bewerbung und drei Auswahlrunden später bereitet sie sich heute im Rahmen einer Grundausbildung auf die mögliche Teilnahme als Analog-Astronautin vor. „Analog-Astronautinnen und -Astronauten sind Fachleute, die auf der Erde forschen, damit Menschen im All sicher leben und arbeiten können. Wir kommen aus den Bereichen Physik, Medizin und Ingenieurswesen und wurden in einem mehrstufigen Auswahlverfahren aus vielen Bewerbungen aus ganz Europa ausgewählt“, erklärt Gollner.
Alltag wie am Mars
Bei der Mars-Simulation lebt die Crew isoliert in einer marsähnlichen Umgebung, beispielsweise in der Wüste, in einem eigenen Gebäude. Diese als Habitat bezeichnete Einrichtung können die Teilnehmenden nur in Raumanzug-Prototypen verlassen.
„Während der Missionen testet die Besatzung Ausrüstung, die teilweise noch nicht einmal die Crew auf der ISS gesehen hat. Sie führt zudem Experimente im Auftrag internationaler Universitäten durch, um Rover und Software zu testen und mehr über die Herausforderungen und Lösungen zu lernen, die eine Reise zum Mars mit sich bringen wird. Denn diese wird mindestens zwei Jahre dauern, in denen die Astronautinnen und Astronauten auf sehr beengtem Raum nur unter sich sein werden, ohne unmittelbar Hilfe oder Nachschub oder Ersatzteile anfordern zu können.“
Große Chance
Nun hofft Claudia Gollner, dass sich ihre harte Arbeit auszahlt und sie tatsächlich im nächsten Jahr in Portugal dabei sein wird. „Die Crew wird jedenfalls aus einer guten Kombination von erfahrenen und neuen Mitgliedern bestehen. Aufgrund unserer Ausbildungen verfügen wir im Team über eine große Bandbreite an Qualifikationen und unterschiedlichen Spezialisierungen. Je nach Mission und deren Rahmenbedingungen sowie geplanten Experimenten werden die Teilnehmenden entsprechend zusammengestellt“, weiß Gollner.
Bereit für Portugal
Persönlich erhofft sich die Forscherin aus Leidenschaft dort neue Herausforderungen und Abenteuer: „Allein die Ausbildung zur Analog-Astronautin ist einzigartig und unglaublich spannend. Wir müssen uns körperlich fit halten und absolvieren ein persönliches Trainingsprogramm. Außerdem werden wir unter anderem in Planetologie, Raumfahrttechnik und Medientraining geschult – und lernen natürlich den Umgang mit dem 50 Kilogramm schweren Raumanzug-Simulator. Ich freue mich darauf, mit Forschenden aus der ganzen Welt zusammenzuarbeiten und die Raumfahrtforschung ein Stück voranzutreiben.“


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