Grenzgeschichten: Flüchtlinge und ein Flurbrand am Eisernen Vorhang
Ein sonnenreicher Sommer wie heuer veranlasste viele ostdeutsche „Republikflüchtlinge“ an der CSSR-Grenze in Südböhmen einen Urlaub zu buchen. Sie alle hatten die Absicht, die Staatsgrenze im Mühlviertel zu Flucht in die Freiheit zu nützen.

Sie wussten, dass entlang des Eisernen Vorhanges teilweise der Wald geschlägert wurde, um Blochholz nach Österreich zu verkaufen. Mit dieser Tatsache hatten sie zwar recht, aber beim Holzexport wurde von der CSSR die Grenze nicht nur vom Militär, sondern auch von einer zivilen Grenzwache gesichert. So gingen viele Flüchtlinge dieser CSSR-Wache in die Falle.
Aber auch ein anderes Ereignis löste das gute Sommerwetter aus und zwar in Böhmen: einen Brand im Abfallholz. Die Äste der geschlägerten Fichten lagen entlang der Grenze in riesigen Haufen im Niemandsland. Eines Tages fing ein Haufen Abfalläste (gelegt oder zufällig entstanden) Feuer und entfachte einen Riesenbrand. Ein Haufen nach dem anderen brannte nieder und erzeugte eine dichte Rauchwolke, die das Tal des Steinernen Mühlflüsschens einhüllte. Örtliche Feuerwehren wurden gerufen. Diese stellten Wachen entlang der Staatsgrenze auf. Auf tschechischer Seite tauchte aus den Rauchschwaden ein Tanklöschfahrzeug nach dem anderen auf. Zu dieser Zeit waren im Mühlviertel bereits tschechische Feuerwehren bekannt. Grund dafür war der Löschbewerb in Hohenfurt, zu dem das Bezirksfeuerwehrkommando von Rohrbach jedes Jahr eine Einladung erhielt. Wie vorteilhaft sich solche Bekanntschaften auswirken, stellte sich bei der Bekämpfung dieses Flurfeuers heraus. Auf tschechischer Seite lebten Feuerwehrmitglieder, die noch die deutsche Sprache beherrschten. Mit ihnen konnten die Grenzfeuerwehren die Lage erkunden, um eine drohende Gefahr richtig einschätzen zu können.
Letztendlich stellte sich heraus, dass mit den tschechischen Tanklöschfahrzeugen das Auslangen gefunden wurde. Aber jene Urlauber aus Ostdeutschland, die dabei die Flucht wagten, wurden sowohl in Böhmen als auch bei uns aufgegriffen. Die österreichischen Sicherheitsbehörden meldeten dies sogar dem Innenministerium. Dabei kam heraus, dass man sich in Österreich vor den „Republikflüchtlingen“ mehr fürchtete als in der benachbarten CSSR.


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