„Rettung in letzter Sekunde“ gehört zu den acht besten Geschichten
ST. MARTIN. Die Gewinner des alljährlichen Kinder-Geschichtenwettbewerbs von Tips und dem OÖ Familienbund stehen fest. Die besten acht Geschichten werden nun in Tips veröffentlicht. So auch der Beitrag von Kathrin Steinmauer aus St. Martin.

„Beim Lesen und Schreiben tauchen die Kinder in eine spannende Fantasiewelt ein. Mit ihren Fortsetzungsgeschichten lassen sie uns an ihren Gedanken teilhaben und beeindrucken uns mit großartigen Ideen“, erklärt Martin Hajart, Obmann des Familienbunds OÖ. „So macht Lesen und Schreiben Spaß und damit ist der Grundstein gelegt, dass unsere Kinder gerne diese so wichtigen Fähigkeiten erwerben und verbessern möchten. Wir freuen uns, als OÖ Familienbund mit unserem Geschichtenwettbewerb dazu beizutragen“, ergänzt Hajart. Dieses Jahr hat Ski-Doppelweltmeister Vincent Kriechmayr den Geschichtenanfang verfasst. Fantasievolle Kinder bis zwölf Jahre konnten ihre Fortsetzungen an den OÖ Familienbund senden. Die besten acht der zahlreichen Einsendungen werden nun in der Tips abgedruckt. Eine der besten Einsendungen kommt von der neunjährige Kathrin Steinmauer aus St. Martin mit ihrer Geschichte „Rettung in letzter Sekunde“.
Der Anfang der Geschichte... von Vincent Kriechmayr
Dieser Morgen war anders als sonst. Seit Wochen fieberte Leon diesem Tag entgegen, denn es waren Ferien und die Familie freute sich auf ihren Urlaub am Bauernhof. „Leon aufstehen, wir fahren in einer Stunde los“, rief ihn seine Mutter aus der Küche. Dabei merkte sie gar nicht, dass er bereits fertig angezogen samt Rucksack hinter ihr stand – so aufgeregt war er. Auf der Fahrt zum Bauernhof fuhren sie durch dichte Wälder und hohe Schluchten. Eine enge, verschlungene Straße führte durch einen langen, dunklen Tunnel, an dessen Ende der Bauernhof zum Vorschein kam. Als sie aus dem Auto ausstiegen, war Leon schnell klar: Dieser Bauernhof ist anders...
...die Fortsetzung von Kathrin Steinmauer
Leon hatte sich einen kleinen Bauernhof vorgestellt, doch hier gab es Schweine mit Ferkeln, Kühe, einen Stier, Hühner, Katzen, einen Hund, ein Pferd, riesige Felder und einen Teich. Seine Mutter meinte: „Komm, wir gehen mal ins Bauernhaus, die Bäuerin begrüßen!“ Diese forderte Leon auf: „Im Wohnzimmer wartet mein Sohn Tobias. Sag ihm, dass er dir alles zeigen soll!“ Dort sah er gleich einen Jungen in seinem Alter auf dem kleinen, aber sicher gemütlichen Sofa sitzen. Schüchtern begrüßte Leon ihn: „Hallo! Ich heiße Leon. Du sollst mir euren Bauernhof zeigen, hat deine Mutter gesagt.“ Als Erstes gingen sie zu dem Hund Linus, dann zur Katze Lisa, die kleine Kätzchen bekommen hatte. Sofort verliebte sich Leon in ein ganz bestimmtes, grau-schwarzes Kätzchen namens Moritz. Als Nächstes gingen sie zu den Kühen, wo es ein bisschen stank. Toll fand Leon den Stier mit seinen langen Hörnern. Sehr interessierten Leon die kleinen Ferkel, die im Schweinestall wild herumliefen.
„Mein Papa ist beim Teich“, meinte Tobias und sie liefen hin. „Hallo Papa! Das ist Leon. Er ist mit seiner Mutter bei uns auf Urlaub“, erklärte Tobias. „Ach ja, hallo Leon! Ich heiße Herr Graumann, aber du kannst mich auch Sebastian nennen“, meinte dieser. Ganz traurig starrte er auf den Teich. Tobias fragte ihn: „Was ist los, Papa?“ „Du weißt doch, dass ich 500 Euro Schulden beim Pokern habe. Deswegen muss ich ein paar Tiere verkaufen. Ich habe sogar schon einen guten Kunden gefunden, aber er will nur handeln, wenn wir dein Pferd Sissi hergeben“, jammerte Herr Graumann. „Aber das kannst du nicht machen!“, schluchzte Tobias und rannte in den Pferdestall. So schnell Leon konnte, lief er ihm nach.
Im Stall fand er Tobias bei dem gemeinten Pferd. Weinend umarmte dieser Sissi. Stumm ging Leon zu ihm und die Buben überlegten, wie sie das Pferd retten könnten. Da hatte Leon eine Idee: „Wir könnten doch am Hauptplatz einen Flohmarkt machen, wo wir alte Sachen verkaufen und das Geld auftreiben.“ Tobias rief aufgeregt: „Das ist es!“, und beide liefen schnell ins Bauernhaus. „Mama, zur Rettung von Sissi können wir einen Flohmarkt am Hauptplatz veranstalten!“, schrie Tobias ins Haus. Sofort suchten sie im ganzen Haus alte Sachen, die sie verkaufen könnten. Mit dem Traktor brachten sie alles auf den Hauptplatz und stellten dort eine kleine Holzhütte auf. Schon nach vier Stunden hatten sie 625 Euro eingenommen. Glücklich fuhren sie so schnell wie möglich mit den übrig gebliebenen Sachen zurück zum Bauernhaus. Dort angekommen, sahen die drei schon einen Anhänger stehen, auf den Sissi gerade verladen wurde. Noch im letzten Moment schrie Tobias: „Stopp! Aufhören! Papa, wir haben gerade 625 Euro eingenommen, also müssen wir Sissi gar nicht verkaufen!“ Tobias lief zu ihm und überreichte ihm eine kleine Box mit dem Geld. Ganz überrascht zählte Sebastian die Scheine und schickte den Käufer von Sissi schnell wieder nach Hause.
Zum Glück war alles gut ausgegangen und Leon freute sich riesig mit seinem neuen Freund. Zum Abschied schenkte Tobias Leon sogar noch die Katze Moritz, die dieser so toll gefunden hatte.


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