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Pfarrkirchner machen gegen Abschiebung mobil

Sebastian Wallner, 23.08.2017 13:15

PFARRKIRCHEN. Geschäftiger als sonst geht es derzeit in Pfarrkirchen zu. Man hat das Gefühl, als liege etwas in der Luft. Tatsächlich beschäftigt derzeit die geplante Abschiebung der in Pfarrkirchen wohnhaften Asylwerberfamilie Hassan den ganzen Ort. 

Foto: Michel du Plessis
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Said Hassan war am Bauernhof der Familie Sageder in Atzgersdorf als unbezahlte Aushilfe tätig. Er wollte unbedingt arbeiten und der Familie kam nach einem Todesfall und einem Arbeitsunfall jede Hilfe Recht. Geschickt und fleißig sei er dabei gewesen. „Wir würden Said sofort einstellen, wenn wir dürften“, sagen Katharina und Martin Sageder. Dürfen sie aber nicht. Asylwerbern ist es verboten, bezahlte Arbeiten zu verrichten und die zwei Anträge für eine Arbeitsgenehmigung, die Said und seine Frau Zara beim Bundesasylamt eingebracht hat, sind entweder nicht angekommen oder derzeit nicht auffindbar. Sie finden es schade, dass genau solche Menschen gehen müssen.

Gut integriert

Mit dieser Meinung stehen sie nicht alleine da. Jeder, den wir in Pfarrkirchen treffen, erzählt uns, wie gut integriert die Familie war und dass sie auch gut Deutsch gesprochen haben. „Die Frau war im Elternverein nicht nur Mitglied, sondern auch wirklich tatkräftig aktiv“ erzählt uns Lydia Lang, die ebenfalls in Pfarrkirchen lebt. „Und den Mann hat man immer mit dem Fahrrad zur Stallarbeit fahren gesehen“, so Lang weiter.

Manche merken aber auch an, dass sie eben nicht mit falschen Dokumenten einreisen dürfen hätten. Sowas fliege früher oder später immer auf. 

Seit 2012 in Österreich

Aber von vorne: Familie Hassan flüchtete 2012 aus Syrien nach Österreich und landete, nach einem kurzen Aufenthalt in Wien, schlussendlich in Pfarrkirchen. 2017 übersiedelten die Eltern Zara und Said, deren Kinder Tayro und Mahir, sowie die Großeltern Yusef und Base in eine private Wohnung. Die Familie gehört zur religiösen Minderheit der Jesiden, die unter anderem auch vom IS verfolgt wird. 

Unsichere Herkunft

Eine kürzlich erstellte Sprachanalyse zweifelt aber an der syrischen Herkunft der Familie. Laut den Ergebnissen dieser Untersuchung wird vermutet, dass die Familie aus Armenien und nicht aus Syrien stammt. Das Bundesasylamt überprüfte diese Vermutung und stimmte den Ergebnissen der Sprachanalyse zu: Angeblich komme die Familie Hassan aus Armenien und sei unter falschen Namen eingereist. Belege oder Dokumente, die das beweisen, lägen aber laut Margit Scherrer, die für den Verein „Treffpunkt Mensch und Arbeit“ tätig ist, nicht vor. „Warum jetzt diese Feststellung nach dreieinhalb Jahren plötzlich positiv sein sollte, ist für uns freiwillige Betreuer der Familie unerklärlich“ sagt Scherrer. 

Aus Jungscharlager abgeholt

Am Montag wurde die Familie von der Fremdenpolizei mitgenommen und in Schubhaft genommen. Der achtjährige Tayro wurde sogar im Jungscharlager in Windischgarsten abgeholt. Seitdem kämpfen die Pfarrkirchner für ein humanitäres Bleiberecht für die Familie.

Pfarrkirchner fordern humanitäres Bleiberecht

Bei einer Kundgebung am Dienstag fanden sich etwa einhundert Personen am Ortsplatz ein, darunter auch der grüne Landesrat Rudi Anschober: „Wir leben in einem Rechtsstaat und ich akzeptiere dessen Entscheidungen, aber so ein Extremfall muss thematisiert werden. Genau für solche Fälle gibt es das humanitäre Bleiberecht“.

 Abschiebung bereits am Donnerstag

Bereits am Donnerstag soll die Abschiebung nach Armenien über die Bühne geben, doch die Pfarrkirchner geben nicht auf. Ein Hoffnungsschimmer sei der schlechte Gesundheitszustand des Großvaters, der sich derzeit in chemotherapeutischer Behandlung befindet. Das könne ein Argument für humanitäres Bleiberecht werden, hofft Scherrer. Auch auf Facebook wurde man aktiv: Es kursiert ein Schreiben an Innenminister Sobotka, das von möglichst vielen Menschen an das Ministerbüro geschickt werden solle, so Isabella Hewlett, die sich ebenfalls für den Verbleib der Familie einsetzt. Postings zum Thema werden außerdem mit dem Hashtag #letthemstay versehen. 

„Unsere Hassans schieben schieben sie jetzt ab, weil sie angeblich aus Armenien und nicht aus Syrien sind. Nach vier Jahren kommen sie da drauf“, schreibt Isabella Hewlett auf Facebook.

Ob all die Bemühungen Früchte tragen, wird sich zeigen.


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