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ROHRBACH-BERG/OÖ. Die vielen Femizide in den vergangenen Jahren rufen die Politik auf den Plan: In einem Unterausschuss sollen Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen ausgearbeitet werden. Geleitet wird dieser von der Rohrbacher Landtagsabgeordneten und designierten ÖVP-Bezirksparteiobfrau Gertraud Scheiblberger.

Konflikte gewaltfrei lösen Foto: asiandelight/Shutterstock.com
  1 / 2   Konflikte gewaltfrei lösen Foto: asiandelight/Shutterstock.com

Aktuell gibt es Frauenhäuser in Linz, Wels, Steyr, Ried und Vöcklabruck; in Braunau wird es noch heuer einen Spatenstich geben, auch im Inneren Salzkammergut ist ein Frauenhaus geplant. Ebenso wie im Mühlviertel, wo der Standort aber noch offen ist. Dazu kommen einige Übergangswohnungen, in denen Frauen und auch Kinder Schutz suchen können, wenn die Gewalt zu Hause eskaliert.

Der rasche Ausbau dieser Einrichtungen ist eines der Ziele, mit denen sich der parteiübergreifende Unterausschuss befasst. Denn dass diese notwendig sind, ist unbestritten: Im vergangenen Jahr gab es 29 Frauenmorde in Österreich, zwei davon in Oberösterreich und erst im Jänner wurde wieder eine Oberösterreicherin erschossen. Die Täter sind fast immer im unmittelbaren Umfeld des Opfers zu finden. „Die Gewaltbereitschaft ist in den vergangenen Jahren extrem angestiegen. Das zeigt sich auch bei der deutlichen Zunahme von Betretungs- und Annäherungsverboten“, weiß Landtagsabgeordnete Gertraud Scheiblberger.

Präventiver Ansatz

„Das Frauenthema darf man aber nicht isoliert sehen, da greifen viele Bereiche ineinander“, verdeutlicht die ÖVP-Politikerin. Das größte Problem sei die wirtschaftliche und soziale Absicherung der Frauen: „Viele sind finanziell von ihrem Partner abhängig, weshalb diese dann trotz drohender Gewalt wieder zurückgehen. Deshalb müssen wir schon im pädagogischen Bereich ansetzen – um zum einen das Selbstbewusstsein bei den Mädchen zu stärken und um zugleich Burschen zu sensibilisieren, wie man miteinander umgeht und Konflikte gewaltfrei löst. Damit häusliche Gewalt gar nicht erst entsteht.“

Scheiblberger setzt zudem auf ein sehr niederschwelliges, unbürokratisches, kostenloses Beratungsangebot – einen One-Stop-Shop bei den Frauenvereinen und Frauenberatungsstellen –, das verstärkt auch online angeboten werden soll. Und nicht vergessen dürfe man die Täterarbeit. „Die Frau wegzubringen ist nur der erste Schritt – aber was folgt dann? Viele Täter wollen an sich arbeiten und sich ändern. Hier ist der Bund gefordert, Präventionsangebote bereitzustellen.“

Hilferufe hören

Im Frauennetzwerk Rohrbach ist man konkret damit konfrontiert, dass Frauen zunehmend von häuslicher Gewalt bedroht sind. „Wir hatten generell noch nie so viele Beratungen wie im Vorjahr und sehen auch eine deutliche Zunahme bei den Gewaltberatungen“, zeigt Geschäftsführerin Jutta Müller auf. Dabei dürfe man das Thema nicht auf Betretungsverbote reduzieren, „man muss schon alle Hilferufe hören, die in den Frauenberatungsstellen eingehen. Denn viele Frauen scheuen den letzten Schritt und machen einen Rückzieher vor der Anzeige“, weiß Müller. Zudem sei der Weg zu einem existenzgesicherten gewaltfreien Leben oft ein aufwändiger Prozess, bei dem Betroffene auf die Unterstützung durch das Frauennetzwerk-Team setzen können.

Übergangswohnung schaffen

Dringlichstes Anliegen ist für die Beratungsstellen-Leiterin die Schaffung einer Übergangswohnung, damit „Frauen aus der Gewaltspirale rauskommen“, sagt Jutta Müller. „Die Frauenhäuser sind jedes Mal voll und viele Frauen wollen auch nicht aus dem Bezirk weg, damit ihre Kinder weiter in die Schule oder den Kindergarten gehen können. Deshalb braucht es eine Zufluchts-Möglichkeit, für die man aber Geld in die Hand nehmen muss.“ Gerade Kinder müssen davor bewahrt werden, dass sie in die Gewaltspirale geraten – „das prägt Kinder sehr lange, manche sogar ein ganzes Leben.“


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