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MÜHLVIERTEL/ST. MARTIN. Wälder speichern das Treibhausgas CO2. Hartnäckig hält sich der Mythos, dass das Außernutzenstellen von Wäldern besser für das Klima sei, als den Wald zu bewirtschaften. Franz Kepplinger, Obmann des OÖ Waldverbandes, klärt auf.

  1 / 2   "Ob man einen Baum nutzt oder verrotten lässt: Der CO2-Ausstoß ist derselbe." Franz Kepplinger, Obmann Waldverband OÖ. Foto: Waldverband OÖ

„Vom CO2-Ausstoß her ist es egal, ob ein Baum im Wald verrottet oder ob man einen Baum thermisch verwertet und nutzt – das CO2 gelangt so oder so in die Atmosphäre“, erklärt Franz Kepplinger im Gespräch mit Tips. Er ist Obmann des Waldverbands OÖ und Landwirt in St. Martin im Mühlkreis. Der Wald sei eine der wenigen Ressourcen, die die Österreicher vor der Haustüre zur Verfügung haben, und diese sollten sie auch nutzen. „Durch die Bewirtschaftung des Waldes wird das Holz verwendet, das stofflich verwertbar ist, als Rohstoff oder als Baustoff – und am Ende kann man es immer noch verbrennen. Ob man das Holz verwendet oder verrotten lässt, es ist ein Nullsummenspiel, was den CO2-Ausstoß anbelangt“, sagt Kepplinger.

Kein Urwald in Österreich

In der Diskussion um die Außernutzungstellung von Wäldern stellt Kepplinger klar, dass es in Österreich keinen Urwald mehr gibt. „Wir leben in einer Kulturlandschaft. Das hat sich bewährt und davon profitiert auch die Bevölkerung. In einem bewirtschafteten Wald gehen die Menschen lieber spazieren. Wir haben gleichzeitig zur Bewirtschaftung eine schöne Gegend, die Wasser und Luft speichert.“

Nachhaltigkeit

Kepplinger betont, dass Österreichs Wälder immer nachhaltig bewirtschaftet werden. Das heißt, dass dem Wald immer nur so viel Holz entnommen wird, wie nachwächst. Waldbesitzer denken hier in Generationen. „Es gibt keinen Raubbau in Österreich und Plantagenanbau so wie in Regenwäldern. Größere Kahlschläge sind bewilligungspflichtig. Das österreichische Forstgesetz ist international eines der strengsten. Hier braucht es nicht noch zusätzliche Auflagen“, sagt der Land- und Forstwirt.

Wirtschaftsfaktor Wald

Die regionale Verwertung von Holz bringe eine lokale Wertschöpfung und die Kunden profitieren von kurzen Wegen. „Wir könnten es uns gar nicht leisten, die Ressource Wald nicht zu nutzen. Angesichts der aktuellen Energiekrise wäre das sogar grob fahrlässig“, betont Kepplinger.

Klimafitter Wald

Österreichs Waldbesitzer gehen nicht nur bewusst mit der Ressource Holz um, sie gestalten die Wälder auch so, dass sie zukünftigen Klimaveränderungen möglichst gut standhalten. „Monokulturen gibt es kaum. Mit dem Klimawandel ist jeder Waldbesitzer bestrebt, auf mehrere Baumarten zu setzen. Die Waldwirtschaft ist ja sehr langlebig und wer weiß, welcher Schädling in 50 oder 70 Jahren daherkommt? Die Tendenz ist, Mischwälder zu forcieren. Dann haben die Natur oder der Wald weniger Schaden, wenn eine bestimmte Baumart von einem Schädling befallen wird“, erklärt Kepplinger. Baumarten, die tiefer wurzeln, können trockene Phasen besser überstehen als etwa Flachwurzler wie die Fichte. Interessant seien hier Douglasie, Lärchen oder Eichen. Bei dieser Umstellung ist ein langer Atem gefragt: Die heute gesetzten Bäume werden in frühestens 80 Jahren gefällt.


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