Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

MITTERARNSDORF. Bestürzt zeigt sich Dechant und Pfarrer Pater Clemens Reischl, dass die Familie Muashi am Samstag in der Früh von der Fremdenpolizei aus dem Pfarrhof Arnsdorf abgeholt wurde.

Dechant Christian Reischl ist fassungslos über die Abschiebung einer Flüchtlingsfamilie. Screenshot: facebook

Und dass, obwohl sie bestens integriert sei und ein Bub gerade eine Trauma-Therapie begonnen hat. In den sozialen Medien löste das bereits ein enormes Echo aus, allein die Videobotschaft des Pfarrers wurde am Montagabend rund 54.000 Mal gesehen. (Hier geht es zum Facebook-Video) Pater Clemens: „Ich kann mich nicht damit abfinden, dass wir so mit Menschen umgehen!“

Außerdem hat der Geistliche seine Sonntagspredigt der Abschiebung gewidmet. Hier ein Transkript:

Liebe Pfarrgemeinde!

Ich bin sehr traurig und bestürzt, dass unsere syrische Flüchtlingsfamilie Muashi nach Kroatien abgeschoben wird. Gestern wurde die sechsköpfige Familie von der Fremdenpolizei abgeholt. Und das nach zwei Jahren und einem Monat des Lebens hier bei uns. Die Kinder im Alter von elf, acht und dreieinhalb Jahren haben sich ausgezeichnet im Kindergarten und in der Volksschule integriert. Der Jüngste kam vor einem Jahr im Pfarrhof zur Welt. Für den kleinen Mohammed hatte gerade erst die Trauma-Therapie begonnen, weil die Fluchtängste noch voll in ihm stecken. Wer die Medien verfolgt, der weiß, dass die Situation in Syrien leider noch immer katastrophal ist. Nun wird die Familie, die 2015 über die Balkanroute nach Österreich gekommen war, am Montag in ein Flüchtlingslager in Kroatien abgeschoben. Die Begründung: Dort habe die Familie erstmals die EU betreten. Auf die Nachfrage der österreichischen Behörden in Kroatien, ob dort die Familie registriert worden sei, war keine Rückmeldung gekommen. Die unverständliche Logik sagt aus, dass dann Kroatien für das Asylverfahren zuständig sei. Enormes Echo an Betroffenheit und Unverständnis hat das ausgelöst auch nach meinen Stellungnahmen auf Facebook. Dass ich mich mit einer großen Zahl von Menschen für die Familie Muashi einsetze, ist eine Frage von Mitmenschlichkeit und Gerechtigkeit. Ich danke allen, die sich bisher für unsere Flüchtlinge eingesetzt haben - ein christliches Zeugnis in unserer Pfarre! Danke dem Team der Firma Heimberger, die als Mieter Quartiergeber bei uns ist! Es gibt keine Gerechtigkeit – dieser Spruch hängt im bisherigen Schlafzimmer der Familie in unserem Pfarrhof. Ich kann mich damit nicht abfinden, dass wir so mit Menschen umgehen. Ich bitte alle um das Gebet für unsere Flüchtlinge und um die Unterstützung unseres Einsatzes für den menschlichen und gerechten Umgang mit Familie Muashi.

Ihr Pfarrseelsorger Pater Clemens


Mehr zum Thema


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden