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SARLEINSBACH/OÖ. Tips und der OÖ Lebensmittelhandel widmen sich in den kommenden Wochen dem Thema „Mein Kaufmann vor Ort“. Dabei stehen die selbstständigen Lebensmittelhändler und die Nahversorger im Mittelpunkt.

Johannes Jetschgo ist Kaufmann in Sarleinsbach und seit 20 Jahren Gremialobmann des OÖ Lebensmittelhandels. Er ist überzeugt: Um als Kaufmann zu überleben, muss man Mehrwert bieten. Foto: Gahleitner

Nahversorger stellen in der Gesellschaft eine wichtige Stütze dar, um vor allem kleine Gemeinden und weniger mobile Bürger mit allen notwendigen Lebensmitteln versorgen zu können. Die Sicherung der Nahversorgung ist somit ein zentraler Faktor zum Erhalt der Lebensqualität in allen Regionen des Bundeslandes. In Oberösterreich gibt es laut den Zahlen der letzten Strukturanalyse des Lebensmitteleinzelhandels aus dem Jahr 2016 41 Gemeinden (von insgesamt 440 Gemeinden), die ohne einen Nahversorger auskommen müssen.

Neun Gemeinden ohne Nahversorger

Im Bezirk Rohrbach sind es neun der insgesamt 39 Gemeinden ohne Nahversorger. „Da sind aber viele dabei, die nie einen Nahversorger gehabt haben“, zeigt Johannes Jetschgo, Kaufmann in Sarleinsbach und Obmann des Landesgremiums des OÖ Lebensmittelhandels, auf. Seit 20 Jahren ist er in dieser Funktion aktiv – und in dieser Zeit gab es doch gewaltige Veränderungen. „Der Wettbewerb hat zu einem Strukturbereinigungsprozess geführt und zur Konzentration auf drei große Handelskonzerne“, berichtet Jetschgo. Das Ganze spitze sich aber immer weiter zu: „Da eine Aktion, darauf nochmal minus 25 Prozent – da zahlt man als Kaufmann oft drauf und kleine können dann nicht mitziehen. Für sie ist diese steigende Aktionitis wirtschaftlich nicht tragbar.“

Zusatzangebot zählt

Kleine Märkte, mit etwa 200, 300 m2 Verkaufsfläche, bleiben nur zukunftsfähig, wenn sie zusätzliche Dienstleistungen anbieten, ist der Sarleinsbacher Spar-Kaufmann überzeugt. Er selbst lädt in seinem Geschäft ins Shopping-Cafe und es gibt eine große Abteilung für regionale Anbieter und Bio-Produkte. „Man muss sich abheben von anderen und selber innovativ und aktiv werden – das ist das Wichtigste“, sagt Johannes Jetschgo. Der Kunde wünscht außerdem eine große Auswahl und ständige Frische, „sonst fährt man halt ins nächste Geschäft.“

Geschäfte sind Treffpunkt

Trotz all der Herausforderungen ist ihm nicht bang um die Zukunft. „Zum Essen braucht man immer was“, meint er. Und der Online-Handel werde sich im Lebensmittelbereich vermutlich nicht so durchsetzen, wie in anderen Sparten. „Unsere Geschäfte sind auch Kommunikationsmittelpunkt, Treffpunkt für die Leute. Noch dazu sind wir ein sicherer Arbeitgeber“, sagt Jetschgo und ergänzt nach über 40 Jahren als selbständiger Kaufmann: „Es ist einfach ein schöner Beruf.“

Nahversorger darf nicht nur Notnagel sein

Momentan spüre man auch im Lebensmittelhandel, dass die Konjunktur angezogen hat. „Die Leute geben ein bisserl mehr Geld aus und schauen nicht nur auf den günstigsten Preis.“

Von den Konsumenten würde er sich wünschen, dass „der Nahversorger in seiner wertvollen Funktion erkannt und nicht nur als Notnagel gesehen wird. Es schmerzt als Kaufmann schon, wenn Leute aus der eigenen Gemeinde nie kommen.“

Nahversorgung sichern

Um die Nahversorgung in den Gemeinden sicherzustellen, nimmt der Gremialobmann auch die Politik in der Pflicht: „Zur Erhaltung der Nahversorgung brauchen wir eine ausgewogene Raumordnungspolitik, die Fortsetzung der Nahversorgerförderung, ein funktionierendes Stadt- und Ortsmarketing in den Gemeinden und eine Bewusstseinsänderung beim Konsumenten“, fasst er zusammen.

Manfred Zöchbauer, Geschäftsführer des Landesgremiums des OÖ Lebensmittelhandels, stößt ins selbe Horn: „Es muss unser aller Ziel sein, die Nahversorgung wieder zu stärken. Denn Nahversorgung ist Lebensqualität. Die Nahversorger sind die „Landschaftsgärtner“ der Innenstädte und „Seelengärtner“ für menschliche Begegnungen.“


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