SCHÄRDING/RIED. Bei Durchsuchungen konnte die Polizei rund 170 Kilo Marihuana sicherstellen. Der betroffene Verein gab an, dies sei für ein Marihuana-Forschungsprojekt.

Polizisten aus den Bezirken Schärding und Ried sowie vom Landeskriminalamt OÖ konnten Ende April 2020 bei mehreren zeitgleich koordinierten Durchsuchungsanordnungen der Staatsanwaltschaft Ried kiloweise Marihuana sicherstellen. Bei den Durchsuchungen waren insgesamt 27 Polizeibeamte im Einsatz.
Weitere Ermittlungen veranlasst
Bei den Durchsuchungen wurde Marihuana mit einer Bruttomasse von 170 Kilo sichergestellt, wobei sich darunter nicht nur vorschriftswidriges, sondern auch „legales“ Marihuana befinden dürfte. Diesbezüglich werden noch weitere Ermittlungen durchgeführt bzw. Reinheitsgehaltsbestimmungen veranlasst.
Marihuana zu „wissenschaftlichen“ Zwecken weitergegeben
Von Polizisten aus Schärding werden derzeit Erhebungen gegen einen Verein und deren vereinsrechtliche Vertreter, eine 50-jährige Frau und einen 55-jährigen Mann, im Bezirk Schärding wegen des Verdachtes des Suchtgifthandels geführt. Vereinsmitglieder gaben im Zuge der polizeilichen Ermittlungen an, dass dort an die Mitglieder Marihuana zu „wissenschaftlichen“ Forschungen weitergegeben werde. Aufgrund der angeordneten Durchsuchungen und der Vernehmungen der Beschuldigten erhärtete sich dieser Tatverdacht. Sie bestätigten, seit 2019 Marihuana mit unterschiedlichen Reinheitsgehalten (legales Marihuana bis 0,3 Prozent THCA sowie darüber bis 6 Prozent THCA) hinsichtlich eines von ihnen initiierten „Forschungsprojektes“ weitergegeben zu haben.
In Gärtnerei angebaut
Bei diesem „Forschungsprojekt“ würde die Behandlung von Krankheiten mit unterschiedlichen Marihuana-Sorten erforscht werden. Hierzu wurden auch Fragebögen zur Dokumentation der Wirkung erstellt und ausgegeben. Die unterschiedlichen Marihuana-Sorten wurden in einer ehemaligen Gärtnerei erzeugt. Diese wurde von den Beschuldigten als „Forschungsareal“ bezeichnet. Bislang wurden laut deren Angaben vorschriftswidrig 15 bis 30 Kilo Marihuana mit einem THCA-Gehalt von über 0,3 Prozent erzeugt und bereits zum Teil an die Vereinsmitglieder weiterverkauft.
200 Vereinsmitglieder
Der Verein hat derzeit 200 Vereinsmitglieder aus Österreich und Süddeutschland. Die Mitglieder sind aus allen Bundesländern Österreichs, etwa zwei Drittel nehmen an diesem „Forschungsprojekt“ teil. Sie mussten als Mitglieds- bzw. Forschungsbeitrag mindestens 60 Euro jährlich bezahlen, für das ausgegebene Marihuana war eine „Mindestspende“ von 7 Euro je Gramm zu entrichten.
Die Beschuldigten waren der Meinung, ihr Handeln sei wegen der Forschungstätigkeit im Verein durch die gemeldeten Vereinsstatuten rechtlich gedeckt. Eine behördliche Vereinsauflösung wurde bei der Bezirkshauptmannschaft Schärding angeregt. Weitere umfangreiche Ermittlungen sind erforderlich.


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