Hochamt am Fronleichnamstag in der Kurhauskirche
SCHÄRDING. Zu Fronleichnam, am Donnerstag den 16. Juni, kommt in Rahmen der Liturgie Franz Joseph Haydns wohl bedeutendste und dramatischste Messkomposition – die Missa in Angustiis, die sog. Nelson-Messe, in der Kurhauskirche in Schärding zur Aufführung.

Dieses Werk entstand, der autographen Datierung Haydns zufolge, zwischen 10. Juli und 31. August 1798. Der Name Nelson-Messe geht der Überlieferung nach darauf zurück, dass der Komponist während der Arbeit am Benedictus die Nachricht vom Sieg Nelsons über die Franzosen erhalten und daraufhin die kraftvollen Clarin-Trompetensignale niedergeschrieben haben soll. Wahrscheinlich dürfte Haydn die Kunde von der Schlacht bei Abukir aber erst Wochen später zu Ohren gekommen sein, so dass jene bemerkenswerten Fanfaren zwar möglicherweise allgemein als Hinweis auf die seinerzeitigen Kriegswirren, weniger jedoch als Reaktion auf ein derart konkretes Ereignis zu verstehen ist. Wenn die Bezeichnung „Nelson-Messe“ trotzdem gerechtfertigt sein mag, dann deswegen, weil die Komposition im September 1800 beim Besuch des englischen Admirals in Eisenstadt ebenfalls zur Aufführung gekommen ist. Die im privaten Entwurfskatalog Haydn’s erhaltene Messbezeichnung „in Angustiis“ – Messe in Zeiten der Bedrängnis, der Not – reflektiert vermutlich nicht nur die damalige politische Situation, sondern eher mehr noch den Mangel an Bläsern in der fürstlichen Kapelle in Eisenstadt. Zum originalen Instrumentarium des Werkes gehören nämlich neben Streichern und der Orgel lediglich drei Trompeten und Pauken. An mehreren Stellen der Messe kommt die Orgel über das bloße Generalbassspiel hinaus auch solistisch zum Einsatz. Nach Haydns eigener Aussage sollten diese ausgeschriebenen Orgelpartien die Holzbläser und Hörner ersetzen, die seinem Orchester damals nicht zur Verfügung standen.
Das Hochamt mit Beginn um 17.45 Uhr zelebriert Johannes Putzinger vom Stift Reichersberg. Die Cantorey der Kirche der Barmherzigen Brüder musiziert unter der Leitung von Johannes Dandler, an der Orgel spielt Wolfgang Esser-Skala, die Sopran-Soli singt Nora Mayer.


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