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SCHÄRDING/IDOMENI. Idomeni – ein kleines, griechisches Dorf wurde zu einem der Brennpunkte der Flüchtlingswelle. Zwei Rettungssanitäter des Roten Kreuzes Schärding, Jakob Waschak und Patrick Hubauer, waren mittendrin.

  1 / 6   Teamleiter Gottfried Staufer, Dolmetscher Omar, Andreas Duschek, Militärarzt Adolf Schöppl, Lisa Renauer, Jakob Waschak und Patrick Hubauer

Wo täglich der Weg vieler Menschen auf ihrer Flucht nach Europa endete und viele die Hoffnung auf ein friedliches Leben verloren, dorthin verschlug es den 27-jährigen Jakob Waschak aus Schärding und den 22-jährigen Patrick Hubauer aus Rainbach.

Kein Weiterkommen

Rund 2500 Menschen, hauptsächlich Syrer, aber auch Afghanen, Iraker und Iraner, die vor Krieg und Terror aus ihrer Heimat flohen, querten täglich das Transitlager in Idomeni – bis Jänner. Nachdem Anfang des Jahres die Balkanroute gesperrt worden war, ging es in Idomeni für die Flüchtlinge nicht mehr weiter. So schlugen sie ihre Zelte in dem kleinen griechischen Dorf mit knapp 300 Einwohnern direkt an der Grenze zu Mazedonien auf. Zu Spitzenzeiten lebten in dem wilden – nicht staatlichen – Lager 15.000 Männer, Frauen und Kinder. Bis zu 12.000 waren es, als die zwei Schärdinger dort Anfang April ihren ersten Rotkreuz-Auslandseinsatz leisteten. 15 Tage lang halfen die beiden Rettungssanitäter in Idomeni bei der medizinischen Grundversorgung. „Durch den Rettungsdienst haben wir schon schlimme Sachen gesehen“, sagt Waschak, der seit 2008 beim Roten Kreuz in Schärding arbeitet. Doch was sich den beiden in Griechenland bot, war schlimmer. „Dort haben wir Verletzungen gesehen, die man bei uns nicht sieht“, ergänzt Hubauer. Gemeinsam mit vier Kollegen aus Österreich behandelten sie vom Husten bis zum Notfall alles – Verbrennungen, offene Stellen und Wunden, die genäht werden mussten. Bei einem Mädchen mit einer Schusswunde mussten sie den Verband wechseln. Die gesamte medizinische Grundversorgung fand in einem Zelt statt.

„Erfahrungen, die du sonst nie machen würdest“

„Wenn man glaubt, dass man schon alles gesehen hat, kommt immer wieder etwas Neues“, sagt Hubauer, der seit 2012 beim Roten Kreuz ist. So sahen sie ein Bombenopfer, dem sein gesamter Unterkörper weggesprengt worden war. Auch eine Ausschreitung von einer kleinen Gruppe von Flüchtlingen gegen die Polizei haben die beiden miterlebt, Angst hatten sie dennoch nie. „Die meisten Menschen waren sehr dankbar und freundlich“, erzählt der Rainbacher.

Als Koordinator und stellvertretender Koordinator des Schärdinger Transitzeltes hatten Waschak und Hubauer schon Erfahrungen in der Flüchtlingshilfe gesammelt und so zögerten die beiden nicht lange mit ihrer Zusage, als das Rote Kreuz um Hilfe in Idomeni gebeten wurde. „Die Arbeit in Idomeni war eine ganz neue Erfahrung, eine Erfahrung, die du als Rettungssanitäter sonst nie machen würdest“, sagt der 22-Jährige, der seinen Auslandseinsatz keine Sekunde bereut.

„In Schärding waren die Flüchtlinge acht bis zehn Stunden da, in Idomeni haben sie bei unserer Ankunft schon drei Monate gewohnt. Deshalb war die Situation eine ganz andere“, erzählt der 27-jährige Jakob Waschak, „die Flüchtlinge haben akzeptiert, dass es nicht weiter geht.“ Sie konnten beobachten, wie sich das Leben im Lager nach und nach zu einem Dorfleben entwickelte und wie gleichzeitig die Hoffnung der Flüchtlinge auf ein friedliches Leben in Europa langsam erlosch.


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