„Der einzige Fehler, den man als Ersthelfer machen kann, ist gar nicht zu helfen“
BEZIRK SCHÄRDING. Insgesamt verstarben im Vorjahr 89 Menschen auf Oberösterreichs Straßen. Obwohl diese Zahl im Vergleich zu 2015 um eine Person leicht angestiegen ist, stagniert die Zahl der Verkehrstoten seit Jahren auf einem niedrigen Niveau. Auch im Bezirk Schärding kam im Vorjahr eine Person mehr als 2015 ums Leben. Zwei Verkehrstote waren 2016 im Bezirk zu beklagen.

Hauptursachen für tödliche Unfälle sind Unachtsamkeit (28 Prozent) und nicht angepasste Geschwindigkeit (27 Prozent).Bemerkenswert ist, dass die Zahl der tödlich verunglückten Fußgänger landesweit von 19 auf 16 Personen zurückgegangen ist. Ebenfalls weniger geworden ist die Zahl jener Personen, die mit einem Motorrad tödlich verunglückten. Angestiegen hingegen sind die Verkehrstoten, die mit Fahrrädern und Lkw unterwegs waren. Ein Vergleich der 18 Verwaltungsbezirke zeigt, dass im Bezirk Vöcklabruck mit zwölf Toten, die meisten Verkehrsopfer 2016 zu beklagen waren. Die Bezirke Schärding, Perg, Wels Stadt und Steyr Stadt hatten mit je zwei Toten oberösterreichweit die geringste Opferzahl.
Ersthelfer können Leben retten
Gott sei Dank endet nicht jeder Verkehrsunfall mit Todesopfern. Das Rote Kreuz wird jährlich zu zahlreichen Unfällen mit Verletzten gerufen. Wie ein solcher Einsatz abläuft und wie man sich als Ersthelfer bei einem Verkehrsunfall verhält, erzählt der Bezirksgeschäftsleiter des Roten Kreuzes Schärding, Florian Kurz, im Tips-Interview.
Tips: Das Rote Kreuz wird häufig zu Verkehrsunfällen mit Verletzten gerufen: Wie ist der Ablauf eines solchen Einsatzes?
Florian Kurz: Wählt ein Ersthelfer in Schärding die Notrufnummer 144 kommt er zur „Rettungsleitstelle Innviertel“, die beim Roten Kreuz in Ried stationiert ist. Dort wird der Notruf von professionell geschultem Personal entgegengenommen und je nach Notfall werden dann die benötigten Rettungsmittel zum Einsatzort geschickt. Die Rettungsmannschaften von den Ortsstellen beziehungsweise die Notarztmannschaften werden per Funk-Pager alarmiert und bekommen die benötigten Informationen (Einsatzort, Notfallbeschreibung, Patientenname falls bekannt, …) auf einem Tablet im Auto angezeigt, mit dem sie auch mit der Leitstelle kommunizieren können. Ob die Rettung mit oder ohne Blaulicht zum Einsatzort fährt, entscheidet die Leitstelle aufgrund der Informationen des Anrufers, wobei bei Verkehrsunfällen meistens mit Blaulicht gefahren wird.
Tips: Was passiert am Einsatzort?
Kurz: Am Einsatzort angekommen wird die vom Ersthelfer durchgeführte Versorgung dann übernommen und der Patient wird zum Transport ins Krankenhaus vorbereitet. Während des Transportes ist immer mindestens ein Sanitäter beim Patienten und die Versorgung wird soweit benötigt im Rettungsauto fortgeführt. Wurde der Patient dann im Krankenhaus an einen Arzt übergeben, muss der Rettungswagen wieder einsatzbereit gemacht werden. Dabei wird beispielsweise verbrauchtes Material wieder aufgefüllt, das Bettzeug der Krankentrage neu bezogen und je nach Bedarf im Patientenraum desinfiziert. Üblicherweise kann man die Einsatzbereitschaft im Krankenhaus schon wiederherstellen. Wenn dies nicht möglich ist (z.B. zu wenig Material im Auto, zu starke Verschmutzung) wird das dann spätestens auf den Ortsstellen erledigt und man ist wieder voll einsatzbereit.
Tips: Wie verarbeitet man als Sanitäter die verschiedenen, doch oft tragischen, Einsätze?
Kurz: Kommt es zu einem belastenden Einsatz verarbeiten verschiedene Persönlichkeiten den Stress natürlich ganz unterschiedlich. Manchen hilft es mit Kollegen oder seinen engsten Vertrauten darüber zu reden, andere brauchen etwas Zeit für sich selbst, um die erlebten Dinge zu verarbeiten. Als Rotes Kreuz bieten wir unseren Mitarbeitern auch professionelle Hilfe von Kollegen aus dem SvE Team (Anm. d. Red. Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen) an. Diese Kollegen sind speziell darauf geschult, Mitarbeitern zu helfen, die alleine nicht mehr mit der Situation klarkommen. Im Jahr 2016 wurden vom Schärdinger SvE-Team 15 Mitarbeiter betreut. Reicht diese Betreuung nicht mehr aus, gibt es auch die Möglichkeit einer professionellen Psychologischen Betreuung.
Tips: Welche Einsätze fordern die Sanitäter besonders?
Kurz: Das ist von Person zu Person verschieden. Oft sind besondere Belastungen aber nach Einsätzen mit schwerstverletzten Personen zu erkennen und besonders belastend sind Einsätze für Sanitäter, wenn es um schwer verletzte oder schwer erkrankte Kinder geht.
Tips: Wenn ich Zeuge eines Unfalls werde, was muss ich tun?
Kurz: Erstmal tief durchatmen und sich einen Überblick verschaffen was passiert ist. Jeder ist aufgeregt, wenn ein Unfall passiert und Ruhe zu bewahren ist genau jetzt sehr wichtig. Danach soll man Schritt-für-Schritt so handeln wie man es im Erste Hilfe Kurs lernt: Als erstes die Unfallstelle absichern (Alarmblinkanlage, Warnweste, Pannendreieck) und immer auf die eigene Sicherheit achten. Danach Erste Hilfe leisten und unbedingt den Notruf absetzten und dort die vier „Ws“ beachten: Wer ruft an? Was ist passiert? Wo ist es passiert? Wie viele Verletzte gibt es?
Tips: Was kann man als Ersthelfer falsch machen?
Kurz: Der einzige Fehler, den man als Ersthelfer machen kann, ist, gar nicht zu helfen.
Tips: Was sind die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen?
Kurz: Neben den Fakten und Maßnahmen, die wir in den Erste Hilfe Kursen vermitteln, zählt im Notfall vor allem auch der Hausverstand. Am wichtigsten ist es, selbst Ruhe zu bewahren, auf Gefahren zu achten und auf jeden Fall den Notruf abzusetzen. Traut es sich der Ersthelfer zu, sollen Verletzte unbedingt aus einem Gefahrenbereich gebracht werden, stark blutende Wunden gestillt werden und wenn der Patient nicht mehr bei Bewusstsein ist, überprüft werden ob er noch normal atmet: Atmet er noch, muss er in die stabile Seitenlage gebracht werden, atmet er nicht mehr muss man umgehend mit der Wiederbelebung beginnen.
Tips: Wie oft sollte man einen Erste-Hilfe-Kurs machen?
Kurz: Heutzutage sind sinnvollerweise Erste-Hilfe Kurse in vielen Bereichen schon Pflicht, wie bei den Feuerwehren oder für die betrieblichen Erst-Helfer, und dieser muss dort meist in regelmäßigen Abständen aufgefrischt oder wiederholt werden. Grundsätzlich sollte man aber spätestens dann einen Erste-Hilfe Kurs besuchen, wenn man sich unsicher fühlt, wenn es um Erste-Hilfe geht. In den Grundkursen erhält man vom Roten Kreuz das Rüstzeug dafür, in einem Notfall richtig zu handeln. Unser Ziel ist es, dass der Teilnehmer mit der Gewissheit nach Hause geht: „Ich werde bei einem Notfall helfen können, ich kann Leben retten.“
Tips: Wann und wo finden die nächsten Erste-Hilfe-Kurse im Bezirk statt?
Kurz: Die aktuellen Kurstermine findet man immer aktuell auf www.erstehilfe.at. Der nächste 16-Stunden-Grundkurs findet auf der Ortsstelle Schärding statt und startet am 30. Jänner 2017. Um Anmeldung bei der Bezirksstelle wird gebeten (07712/2131).


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