Schwerpunktthema Landflucht: Vereine sorgen für eine enge Bindung an die Heimatgemeinde
BEZIRK SCHÄRDING. In Oberösterreich gibt es viele starke Gemeinden und Regionen. Doch auch hier macht die Landflucht nicht halt. Trotz Wachstum der oberösterreichischen Bevölkerung verliert ein Drittel der Gemeinden ihre Einwohner. Als Regionalmedium greift Tips das Thema Landflucht im März auf und gibt einen Überblick über die Situation im Bezirk. Mit welchen Problemen haben die Regionen zu kämpfen? Und wie wird dagegen vorgegangen?

„Schärding war in den letzten Jahren, wie andere periphere Gebiete auch, Abwanderungsbezirk. In den letzten drei Jahren ist allerdings wieder eine Bevölkerungszunahme auf über 57.000 Einwohner festzustellen. Wir führen das auf die Flüchtlingssituation sowie Wohnsitzgründungen im Bezirk aus der bayerischen Nachbarschaft zurück“, erklärt Schärdings Bezirkshauptmann Rudolf Greiner die aktuellen Bevölkerungsentwicklungen im Bezirk.
Phänomen der Jungen
Als „großes Thema mit nachhaltiger Wirkung“ bezeichnet Johannes Karrer, Geschäftsführer Leader Sauwald-Pramtal, rückläufige Geburtenbilanzen und Abwanderung. „Abwanderung im ländlichen Raum ist ein Phänomen der Jungen: Die jungen Frauen gehen voran, die Männer folgen. Die Motive sind vielfältig: Ausbildung, Arbeitsplatz, persönliche Motive, Lebensqualität und Lebenszyklus“, stellt Karrer klar.
Junge an Region binden
Um diesen Abwanderungstrend zu verhindern, muss man sich laut Karrer in der Region bemühen, „den jungen Menschen Gusto aufs Zurückkommen zu machen und ihr Interesse an der Region aufrechtzuerhalten“. Für ihn ist klar, dass man vor allem den Lebenschancen von Mädchen und jungen Frauen besonderes Augenmerk schenken muss. Dazu zählen Berufsmöglichkeiten, Kinderbetreuung, Einbindung in die Gemeindepolitik und in Vereine. „Für die Rückkehr ist nicht nur ein attraktives Jobangebot wichtig. Viele andere Faktoren spielen eine Rolle, wie Kinderbetreuung, öffentlicher Verkehr, Breitbandinfrastruktur, interessante junge Kulturangebote, kreative und innovative Gestaltungsmöglichkeiten“, ist Karrer überzeugt. Ganz ähnlich sieht es auch Bezirkshauptmann Greiner, der als Gegenmaßnahmen vor allem berufliche Perspektiven sowie leistbares Wohnen und attraktive und sinnvolle Freizeitangebote in der Region nennt. Die Gemeinden bemühen sich intensiv um die jungen Bürger. „In den Vereinen werden die sozialen Bande gestärkt – ein guter Weg, junge Leute, die weggezogen sind, wieder zurückzuholen“, erklärt der Leader-Geschäftsführer.
Die Situation in St. Aegidi
St. Aegidi ist eine der Gemeinden, die im Bezirk am stärksten von der Abwanderung betroffen sind. Aktuell wirkt sich dieses Thema am stärksten in den sinkenden Kinder- und Schülerzahlen aus. „Hatten wir 2010 an unseren Schulen 182 Schüler, so sind es aktuell 148. Diese Kinder und Jugendlichen fehlen auch in den Vereinen, denn auch die Vereine kämpfen um jeden Jugendlichen. Gerade Vereine und Freunde sind es aber, die für eine engere Bindung an die Heimatgemeinde eine wichtige Voraussetzung sind“, erklärt Eduard Paminger, Bürgermeister von St. Aegidi.
Arbeit, Wohnung, Bildung und Kinderbetreuung
Für ihn fehlen Arbeitsplätze, Wohnungen sowie Bildungsangebote für Pflichtschüler und Kinderbetreuung. „Obwohl das Arbeitsplatzangebot in den letzten Jahren besser geworden ist, fehlen vor allem Arbeitsplätze in zumutbarer Entfernung für Personen mit höherer Ausbildung“, so Paminger. Aufbauend auf einer funktionierenden Nahversorgung überlegt eine Arbeitsgruppe in St. Aegidi im Rahmen des Agenda21-Prozesses Zukunftsideen für die Gemeinde. Hinter der Aufgabenstellung Leben und Arbeiten am Land will die Gruppe „Landspinnerei“ Netzwerke entwickeln, um für Start-ups optimale Voraussetzungen zu schaffen.


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