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Hundetrainerin sieht Beißkorbpflicht skeptisch - Beißkorbtragen muss gelernt werden

Elena Auinger, 09.10.2018 12:10

BEZIRK SCHÄRDING. Nachdem der Tod eines Kleinkindes aufgrund eines Hundebisses für Schlagzeilen gesorgt hat, forderte der Rottweilerklub Wien eine Beißkorbpflicht, die überall dort gelten soll, wo es größere Menschenansammlungen gibt. Tips bat Hundetrainierin Viktoria Renoldner von der Hundeschule „Wir gemeinsam“ in Rainbach im Innkreis zu diesem Thema zum Interview.

Viktoria Renoldner legt beim Hundetraining großen Wert darauf, dass die Hundebesitzer die Sprache der Hunde erlernen und richtig deuten.

Tips: Wie bewerten Sie die Forderung des Rottweilerklubs, eine Beißkorbpflicht für alle Hunde einzuführen?

Hundetrainerin Viktoria Renoldner: Diese ist sicher keine gute Lösung. Erstens muss Beißkorbtragen gelernt werden. Wenn der Beißkorb dem Hund aufgezwungen wird, wenn dieser nicht richtig sitzt oder dem Hund gar nicht passt, verursacht dieser zusätzlichen Stress für Hunde. Mit Tragen eines Maulkorbes könnten wir eventuell das Ausmaß der Verletzung verringern, aber keine endgültige Lösung für das ursprüngliche Problem herbeiführen. Das ursprüngliche Problem ist nämlich, dass viele Hundebesitzer ihre Hunde gar nicht lesen können. Nur wer seinen Hund wahrlich kennt, dessen Sprache auch versteht, diesen auch lesen kann und gelernt hat, seinen Hund auch unter erschwerten Bedingungen richtig führen zu können, kann als verantwortungsvoller Hundebesitzer bezeichnet werden.

Tips: Wie sollte man sich am besten fremden Hunden gegenüber verhalten?

Renoldner: Auf diese Frage eine allgemein gültige Antwort geben, kann man nicht. Man müsste Teil der speziellen Situation sein, da es von mehreren Faktoren abhängig ist. Wie zum Beispiel: Wo passiert es? Wie nähert sich der fremde Hund? Bin ich alleine oder mit meinem eigenen Hund unterwegs? Auf jeden Fall kann man sagen – auch wenn es sich sehr banal anhört – man sollte versuchen, Ruhe zu bewahren, keine hektischen Bewegungen machen, nicht schreien und auf keinen Fall davonlaufen. Sollte man auf die Idee kommen, einen Hund mit drohenden Gesten und Körpersprache verscheuchen zu wollen, dann müsste man seiner Taten absolut sicher sein. So ein Verhalten dürfte man nur dann einsetzen, wenn man damit Erfahrung hat, sonst könnte dies in eine komplett falsche Richtung gehen und die Situation zur Eskalation bringen.

Tips: Welche Tipps können Sie Hundehaltern geben, um sich in brenzligen Situationen richtig zu verhalten?

Renoldner: Das Wichtigste ist die Bereitschaft, die Hundesprache zu erlernen. Nur wer seinen eigenen Hund kennt, diesen auch richtig einschätzen kann, kann auch seinen Hund verantwortungsvoll führen. Wer seinen Hund kennt – und nicht vergessen, jeder Hund ist ein eigenes Individuum, das sehr wohl rassentypische Eigenschaften mit sich bringt, aber in seiner Entwicklung von diversen Umwelteinflüssen beeinflusst wird – nur der kann einschätzen, ob sein Hund mit einer bestimmten Situation zurechtkommt oder nicht. Nur wer seinen Hund richtig kennt und wer ein verantwortungsvoller Hundeführer ist, führt seinen Hund so, dass weder der Hund für seine Umgebung noch die Umgebung für den Hund gefährlich werden kann.


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