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BEZIRK SCHÄRDING. Seit der ersten Stunde der Coronakrise ist das Rote Kreuz unermüdlich im Einsatz. Wie es den großteils ehrenamtlichen Mitarbeitern dabei geht und welche Aufgaben zu erledigen sind, erzählen Florian Kurz (Rot-Kreuz-Bezirksgeschäftsleiter) und Josef Hamedinger (Bezirksrettungskommandant) im Tips-Interview.

Rot-Kreuz-Bezirksgeschäftsleiter Florian Kurz (Foto: Rotes Kreuz Schärding)
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Tips:Die vierte Corona-Welle schlägt momentan im Bezirk Schärding so richtig zu: Wie geht es dem Roten Kreuz dabei?

Florian Kurz: Wenn ich ganz ehrlich sein darf: schlecht! Wir waren in den letzten beiden Jahren wirklich sehr stark gefordert. Seit März 2020 sind die Mitarbeiter in einem Ausnahmezustand, der zwischendurch zwar zum Teil etwas gelockert werden konnte, aber insgesamt leider sehr an der Substanz der Organisation zehrt. Das Rote Kreuz – und das habe ich auch vor Corona immer schon gesagt – lebt vom Vereinsleben und der Gemeinschaft. Leider können wir durch die – natürlich notwendigen – Kontaktbeschränkungen diesen motivationsgebenden Treibstoff aber nicht mehr tanken, was unser aller Tank langsam leerlaufen lässt. Gerade deswegen bin ich aber so fasziniert und hoch beeindruckt, was unsere Mitarbeiter trotzdem immer noch tagtäglich leisten. Trotz leerem Akku und schwierigen und unangenehmen Bedingungen werden täglich hunderte Stunden in den verschiedensten Leistungsbereichen mit großer Begeisterung geleistet. So viele Menschen geben ihr Bestes, weil ich denke, dass sie einen großen Sinn dahinter sehen, nämlich den Schutz der Bevölkerung, ganz gemäß unserem Grundsatz „Aus Liebe zum Menschen“. Ich möchte diese Gelegenheit unbedingt nutzen, um dafür Danke zu sagen an jeden Einzelnen, der sich in dieser Krise so toll engagiert.

Tips:Behörden und Organisationen arbeiten in Sachen Corona eng zusammen: Wie funktioniert diese Zusammenarbeit?

Josef Hamedinger: Zurzeit führen wir täglich zirka 450 behördlich angeordnete PCR-Testungen durch. Im letzten November waren es ungefähr 100 Probeabnahmen täglich. Solch massive Herausforderungen brauchen natürlich eine stets gute Kommunikation und kooperative Zusammenarbeit aller Beteiligten. Ich nutze diese Gelegenheit, um mich bei den Mitarbeitern von 1450, dem Labor im Krankenhaus Ried und der Bezirkshauptmannschaft Schärding herzlichst zu bedanken. Die Abwicklung von der Meldung eines Verdachtsfalls unter 1450 oder unter www.1450.ooe.gv.at bis zur Kontaktaufnahme eines Mitarbeiters der Bezirkshauptmannschaft zur Termineinteilung, der Probeabnahme im Drive-in, den Probentransport ins Labor, die Auswertung im Labor und der Übermittlung des Testergebnisses an die Person bedarf einer guten Abstimmung. Da die Situation so dynamisch ist, müssen diese Abläufe ständig angepasst werden. Ich spüre auch, dass gerade in unserem Bezirk der Zusammenhalt zwischen der Bezirkshauptmannschaft, den Gemeinden, der Feuerwehr, der Polizei, des Klinikums, der Altenheime, der praktischen Ärzte und des Roten Kreuzes sehr gut funktioniert. Auch bei guter Organisation ist es unvermeidlich, manchmal zum Hörer zu greifen und akute Vorkommnisse auf dem „kurzen Dienstweg“ auch außerhalb der Dienstzeiten zu klären.

Tips:Welche Aufgaben hat das Rote Kreuz generell in Sachen Corona?

Hamedinger: Seit Beginn der Pandemie sind wir ein verlässlicher Partner für unsere Bevölkerung. In der Anfangszeit galt der Fokus der Aufrechterhaltung der Versorgung der Bevölkerung, dann der Testungen. Über 50.000 Antigentests haben wir durchgeführt. Zuerst bei den Massentestungen in vielen Gemeinden und anschließend in den Teststraßen. Seit April dieses Jahres konzentrieren wir uns auf die Corona-Impfungen. Bis heute wurden durch das Rote Kreuz im Bezirk Schärding 44.845 Impfungen durchgeführt. Dies ist ein wesentlicher Beitrag zur Heilung der Pandemie. Wir müssen auch hier sehr häufig auf die dynamische Situation reagieren. Ein herzliches Danke auch an alle Ärzte, die uns bei den Impfaktionen unterstützen. Schon zu Beginn der Pandemie wurde in Zusammenarbeit mit der Gesundheitsbehörde das „Krisentelefon“ installiert. Ein Service, den Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams des Roten Kreuzes täglich ehrenamtlich leisten. Personen, die an Covid-19 erkrankt und besonders belastet sind, können während ihrer Quarantäne telefonisch kontaktiert werden. Diese Begleitung dient der seelischen Gesundheit. Ein offenes Ohr in einer oft schwierigen Situation kann sehr hilfreich und entlastend sein. All diese Hilfe könnte nicht ohne die tollen Mitarbeiter des Roten Kreuzes passieren. Viele ehrenamtliche und berufliche Mitarbeiter helfen in ganz besonderer Weise mit, diese Situation für die Menschen im Bezirk zu verbessern.

Tips:Welche Rückmeldungen bezüglich Belastungsgrenze erhaltet ihr?

Kurz: Zusätzliche Aufgaben in der Pandemie und hohe Auslastung sowie erschwerte Bedingungen im Rettungsdienst, der mobilen Pflege und Betreuung, sowie der Sozialen Dienste belasten unsere Mitarbeiter stark. Gleichzeitig kämpfen wir gerade jetzt auch wieder mit vielen Krankheitsfällen oder coronabedingten Ausfällen – bei beruflichen Mitarbeitern, Zivildienern und auch Freiwilligen, was die Situation noch einmal verschärft. Leider spüren wir auch aus der Bevölkerung einen zunehmenden und sehr unangenehmen Druck, der bei genauerer und einfühlsamer Nachfrage meist gar nicht gegen unsere Mitarbeiter oder das Rote Kreuz gerichtet ist, sondern aus der Stimmung der Menschen entsteht und uns dann leider unschuldig trifft. Die Belastung unserer Mitarbeiter, insbesondere der Führungskräfte, ist demnach sehr hoch.

Tips:Was können Sie Menschen sagen, die nach wie vor nicht sicher sind, ob sie sich impfen lassen sollen?

Kurz: Vertrauen Sie auf die Daten der Wissenschaft und informieren Sie sich bei seriösen Quellen. Dort werden Sie sehen, dass die Impfung zwar kein 100-prozentiger Schutz vor dem Virus ist, aber die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung stark verringert und vor allem sehr gut vor schweren Verläufen schützt, bei gleichzeitig nur sehr geringem Risiko. Ich und jeder in meiner engsten Familie sind geimpft und wir freuen uns, dass wir diesen Schutz haben können, so viele Menschen auf dieser Welt würden den Schutz gerne haben, haben aber nicht die Möglichkeit dafür.

Hamedinger: Die Impfbereitschaft hat in den letzten Wochen wieder zugelegt. Wir geben unser bestes, jedem der sich noch zu einer Impfung entscheidet bis Weihnachten einen Termin anbieten zu können (siehe Infobox). Ich persönlich bin dreimal geimpft und habe dadurch ein gutes Gefühl vor einer schwere Coviderkrankung geschützt zu sein.

Tips:Wie sehen Sie die immer öfter laut werdende Forderung, dass sich auch geimpfte Personen regelmäßig testen lassen sollen?

Kurz: Sich freiwillig regelmäßig zu testen sehe ich als ganz wichtige Maßnahme zur Eindämmung der Infektionskette – egal ob geimpft oder nicht. Bestes Beispiel, dass Testungen sehr wichtig sind, ist die Corona-Infektion meiner Mutter. Trotz Impfung testet sie sich immer, bevor sie meine Oma besucht und am Allerheiligentag hat sie durch einen positiven Test die Infektionskette gestoppt und dadurch niemanden mehr angesteckt und meine Oma vor der Infektion geschützt. Ohne den Test wäre sie durch den sehr milden Verlauf der Erkrankung wahrscheinlich nicht darauf gekommen, hätte aber andere Menschen angesteckt, die wiederum vielleicht keinen so milden Verlauf gehabt hätten. Viele geimpfte und genesene Mitarbeiter im Roten Kreuz testen sich über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus bereits regelmäßig und das unterstützen wir natürlich so gut wir können. Ich selbst teste mich – trotz Impfung - in regelmäßigen Abständen und gehe nicht in größere Menschenmassen oder zu vulnerablen Personen, wenn ich nicht frisch getestet bin.

Impftermine im Bezirk:
• Terminbuchungen unter ooe-impft.at (Neue Termine werden immer wieder freigeschalten)
• An den Samstagen bis Weihnachten steht das Impfteam von 8 bis 12 Uhr, auch ohne Impfanmeldung, im Einkaufszentrum St. Florian am Inn zur Verfügung.
Weitere Termine – Impfen ohne Anmeldung
• Dienstag, 30. November 2021: 8 bis 12 Uhr in der Landesmusikschule Münzkirchen, 14 bis 18 Uhr am Gemeindeamt St. Marienkirchen bei Schärding
• Dienstag, 14. Dezember 2021: 8 bis 12 Uhr am Marktgemeindeamt Schardenberg, 14 bis 18 Uhr im Schulzentrum Taufkirchen an der Pram
• Montag, 20. Dezember 2021: 8 bis 12 Uhr in der Volksschule Esternberg, 14 bis 18 Uhr im Gasthaus Kirchenwirt in St. Aegidi

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