Akute Waldbrandgefahr: Die Achtsamkeit der Bürger ist gefragt
BEZIRK SCHÄRDING. Die Trockenheit macht den Land- und Forstwirten zu schaffen. Die Bezirkshauptmannschaft Schärding hat eine Waldbrandschutz-Verordnung 2022 herausgegeben. Diese gilt bis 31. Oktober 2022.

Aufgrund der aktuellen Trockenheit hat die Bezirkshauptmannschaft wieder eine Waldbrandschutz-Verordnung für alle Waldgebiete und deren Gefährdungsbereiche erlassen. Zwei Brände im Bezirk haben gezeigt, dass bereits eine kleine Unachtsamkeit hohe Schäden anrichten kann, vor allem dann, wenn ein kleines Feuer auf ein trockenes Feld übergreift und dadurch einen Flurbrand bis hin zu einem Waldbrand auslösen könnte.
Verbotene Feuer – Strafe bis zu 7.270 Euro
Bezirkshauptmann Rudolf Greiner weist darauf hin, dass im Freien auch das Verbrennen von biogenen Materialien wie Stroh und Grünschnitt und natürlich von Abfall verboten ist. Die andauernde Trockenheit und der Wind machen solche verbotenen Feuer hochbrisant. Die Strafrahmen sind daher empfindlich hoch: bis zu 7.270 Euro nach Waldbrandschutz-Verordnung bzw. 3.600 Euro Bundesluftreinhaltegesetz und nach dem Oö. Feuer- und Gefahrenpolizeigesetz können verhängt werden.
Die Polizei ist in allen Fällen zur Ermittlung, Verfolgung und Anzeigelegung angewiesen und verpflichtet. „Speziell der starke Wind wird als Brandbeschleuniger immer wieder unterschätzt. Ich möchte nochmals mit Nachdruck darauf hinweisen, dass das Abbrennen von biogenen Materialien im Freien generell untersagt ist. Gleichzeitig verweise ich auf die mit 19. März 2022 erlassene Waldbrandverordnung“, erklärt Bezirkspolizeikommandant Matthias Osterkorn.
Die Feuerwehren im Bezirk sind auf Flächenbrand-Einsätze vorbereitet und haben solche Szenarien in ihren Übungsplänen. „Die Bevölkerung wird um einen sorgsamen Umgang mit offenem Feuer gebeten. Bitte kein Laub und Äste anzünden und keine Asche ausbringen. Zigaretten bitte bei Spaziergängen im Wald bzw. am Waldrand nicht wegwerfen“, hofft Bezirksfeuerwehrkommandant auf Achtsamkeit der Bevölkerung.
Interview
Tips sprach außerdem mit Max Schneglberger, Leiter der Bezirksbauernkammer Ried/Schärding über die aktuelle Lage:
Tips: Wie geht es aktuell den Landwirten – wird der extrem trockene März die spätere Ernte beeinflussen?
Max Schneglberger: Momentan werden die ganzen Frühjahrsansaaten gemacht. Das Sommergetreide und Zuckerrüben sind schon angebaut. Jetzt im April kommen Mais und Kulturen, die wärmeliebender sind, also jene, die nicht so frostverträglich sind. Bis Anfang Mai läuft die Ansaatzeit. Wenn dann die Kulturen draußen sind, ist es wichtig, dass die Pflanzen Feuchtigkeit bekommen. Wenn es beim Anbau trocken ist, macht das nichts. Die Bauern schauen, dass die Winterfeuchte nicht an die Oberfläche kommt. Dennoch, die Trockenheit ist eine große Herausforderung, gerade weil die Winde den Boden austrocknen. Die Kombi niedrige Luftfeuchte und Wind trocknen die Äcker aus. Der angesagte Regen wurde dringend erwartet. Wenn die Aussaat ankeimt, und es lange trocken ist, dann kann diese austrocknen, denn die auflaufende Saat ist sehr empfindlich auf Feuchte. Beim Mais ist das nicht so tragisch. Vor allem bei Zuckerrüben ist Trockenheit kritisch, weil diese verdorren dann. Dann muss man nachbauen. Die Menge des Niederschlages über das ganze Jahr ist sekundär. Wichtig ist, dass dieser eine gute Verteilung hat. Denn die Natur kann viel kompensieren.
Tips: Aufgrund des Klimawandels wird es immer trockener – wie wird man in der Landwirtschaft beim Anbau darauf reagieren? Wird es zu Veränderungen kommen?
Max Schneglberger: Ja, bei der Sortenwahl – es gibt Sorten, die sind toleranter gegenüber der Trockenheit. Der Bauer reagiert, indem er Kulturarten nimmt, die dem jeweiligen Klima besser angepasst sind. Das passiert schon jetzt in der Saatgutzucht. Der Bauer muss jetzt flexibel reagieren. Unsere Werkstatt ist unter freiem Himmel. Mit der Hagelversicherung gibt es zudem die Möglichkeit, gröbstes Risiko abzusichern, um die größten Probleme abzufedern. Die Bauern müssen sich mit dem Risikomanagement auseinandersetzen. Aufgrund des Klimawandels wird die Bodenbearbeitung angepasst. Hier greift man auf den Erfahrungsschatz im Osten zurück. Das Burgenland hat beispielsweise Pannonisches Klima, die Leute tauschen sich aktiv untereinander aus. Beim Grünland ist die Situation schwieriger. Schädlingen wie Engerlingen kommt die Trockenheit zugute.
Tips: Wie geht es den Forstwirten – es herrscht ja aktuell wieder akute Waldbrandgefahr?
Max Schneglberger: Die Waldbrandgefahr ist momentan enorm. Daher auch die Verordnung der Bezirkshauptmannschaft. Ich kann nur an alle appellieren, diese zu beachten und nicht in Waldnähe zu rauchen oder offenes Feuer zu machen. Verdorrtes Altgras und trockene Nadeln brennen wie Zunder. So einen Wald fackelt man schneller ab, als man schaut. Doch grundsätzlich hat ein Wald ein gutes Wasserspeichervermögen und kann sich gegen Borkenkäfer wehren. Doch bei lang anhaltender Trockenheit hat der Baum weniger Harz und ist anfälliger. Mit Naturverjüngungen nutzt man den Vorteil. Denn mit Containerpflanzen kann man einiges abfangen. Jetzt am Anfang des Jahres ist Achtsamkeit angesagt. Die Landwirtschaftskammer bietet eine Forstberatung an und steht für fachliche Fragen gerne zur Verfügung, auch im Zusammenhang mit einem Waldwirtschaftsplan.


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