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Notfallseelsorger der Feuerwehr: Hilfe für Helfer – die Seele darf nicht vernachlässigt werden

Elena Auinger, 03.05.2022 07:49

BEZIRK. Einsatzkräfte der Feuerwehr gehen täglich mit Leid und Not vieler Menschen um. Um anderen zu helfen, begeben sie sich selber in Gefahr. Das kann dazu führen, dass auch Helfer Hilfe brauchen. Um nach sehr belastenden Einsätzen bei der Stressverarbeitung zu helfen, gibt es im Bezirk Schärding ein gut ausgebildetes Notfallseelsorge-Team, das SvE-Team (Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen). Im Tips-Interview klärt SvE-Teamleiter Erwin Kalteis über die Aufgaben dieses Team auf.

Nach belastenden Einsätzen kann das SvE-Team angefordert werden. (Foto: BFKDO schärding)
  1 / 2   Nach belastenden Einsätzen kann das SvE-Team angefordert werden. (Foto: BFKDO schärding)

Tips: Welche Aufgaben hat die Notfallseelsorge der Feuerwehr im Bezirk?

Erwin Kalteis: Die Notfallseelsorge im Bezirk läuft unter dem Titel „SvE-Team“. Es ist für das seelische Wohl der gesamten Feuerwehrkameraden zuständig. Zur allgemeinen Sorge für das Wohl und die Gesundheit der Feuerwehrkameraden gehört die Psyche sehr wesentlich dazu. Oft wird das in unserer Gesellschaft unterschätzt, aber die Psyche ist ein sehr großer Teil unserer Person und beeinflusst unser Leben massiv. Nur mit einer gesunden, ausgeglichenen Psyche ist ein gutes Leben möglich.

Tips: Wann und wie wird das SvE-Team eingesetzt?

Kalteis: Wir kommen dann zum Einsatz, wenn es belastende Einsätze für die Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr gibt. Das kann eigentlich bei allen Einsätzen der Fall sein, gerade bei Ereignissen mit Todesfolge ist unsere Hilfe hier gefragt. Auch wenn Kinder beteiligt sind, ein eigener Kamerad verunfallt oder eine gut bekannte Person der Einsatzkräfte betroffen ist. All das sind Indikatoren für unser Einschreiten. Die Führungskräfte in den einzelnen Feuerwehren sind darauf geschult, hier Bedarf zu erkennen. Nur die eigenen Führungskräfte kennen die Einsatzkräfte und können so einschätzen, wann es Bedarf für uns gibt. Dann werden wir über die Landeswarnzentrale Oberösterreich angefordert und nehmen mit dem Einsatzleiter Kontakt auf. In weiterer Folge wird telefonisch zuerst die Vorgehensweise besprochen. Auch das ist von Fall zu Fall unterschiedlich – oft reicht ein einfaches, nach der SvE-Methode strukturiertes Gespräch mit allen beteiligten Feuerwehrmitgliedern in der Gruppe, manchmal sind einzelne Kameraden betroffen, mit denen wir dann Kontakt aufnehmen. Dann wird auch vereinbart, ob ein einzelnes Teammitglied zum Einsatz kommt oder mehrere. Glücklicherweise kommt unser Team nicht allzu oft zum Einsatz.

Tips: Können Sie uns mehr zum SvE-Team im Bezirk Schärding erzählen?

Kalteis: Aktuell sind wir zwölf Mitglieder aus unterschiedlichen Feuerwehren. SvE bedeutet Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen. Alle Mitglieder sind bestens ausgebildet. Mir als Bezirksfeuerwehrkurat obliegt die Leitung und Koordination des Teams. Wir sind innviertelweit aufgestellt und können so auch auf Helfer aus den anderen beiden Bezirken zurückgreifen, wenn Bedarf besteht.

Tips: Wie wird man Notfallseelsorger?

Kalteis: Alle Interessierten können sich gerne bei mir melden und ich werde dann die Ausbildung besprechen. Es gib eine einheitliche Vorbereitung auf diese Funktion auf Landesebene und natürlich zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten.

Tips: Was zählt zu den Aufgaben des SvE-Teams?

Kalteis: Die Aufgabe besteht rein in der Hilfe für die Einsatzkräfte unserer Feuerwehren. Für die betroffenen beteiligten Privatpersonen gibt es aber selbstverständlich auch Hilfe, hier kommt das Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes zum Einsatz. Manche unserer Teammitglieder sind auch dort eingesetzt.

Tips: Hilfe für Helfer – und das aus den eigenen Reihen: Warum ist das so wichtig? Warum zieht man hier nicht Psychologen zurate?

Kalteis: Die Seele darf nicht vernachlässigt werden und wenn jemand mit einem Ereignis nicht klar kommt, muss hier Hilfe angeboten werden. Hier sind wir nach den Einsatzleitern erste Ansprechpersonen. Wir sind darauf geschult, zu erkennen, was die Einsatzkraft benötigt. Sollten wir Bedarf sehen, werden selbstverständlich auch weitere Personen – wie zum Beispiel Psychologen – beigezogen. Aber in den meisten Fällen ist das Einzel- oder Gruppengespräch gleich nach dem Einsatz und dann mit einiger Zeit Abstand ausreichend. Das kommt genau auf den Charakter der betroffenen Person an und darauf stellen wir uns ein.<

„Es freut mich, dass wir im Bezirk so kompetente Helfer für unsere Einsatzkräfte bereitstellen können. Mein Dank gilt dabei allen, die sich im Team engagieren.“ Alfred Deschberger (Bezirks-Feuerkommandant)
„2021 waren die Feuerwehren im Bezirk von derart belastenden Einsätzen verschont. Wir wissen aber, dass sich das auch von heute auf morgen ändern kann.“ Erwin Kalteis (Leiter des SvE-Teams)

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