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Neue Beauftragte für Gleichbehandlung beim Heer: „Wir sind Idealisten“

Theresa Senzenberger, 18.04.2026 15:00

OÖ/SCHÄRDING/WELS. Marion Ehrenleitner aus Enzenkirchen ist die neue Gleichbehandlungsbeauftragte des Bundesheeres in Oberösterreich, Soldatin in der Hessenkaserne Wels und eine „Gerechtigkeitsfanatikerin“, wie sie selbst sagt. Die gebürtige Scharnsteinerin setzt sich zusätzlich zu ihren dienstlichen Aufgaben für die gerechte Behandlung von Frauen und Männern im Heer ein. 

Marion Ehrenleitner engagiert sich leidenschaftlich für Gleichbehandlung. (Foto: privat)
Marion Ehrenleitner engagiert sich leidenschaftlich für Gleichbehandlung. (Foto: privat)

Beauftragte für Gleichbehandlung wählen ihr Amt nicht wegen Geld oder Anerkennung. Sie sind freiwillig im Einsatz, werden nicht bezahlt, stattdessen mitunter vorsichtig beäugt. „Wir sind große Idealisten“, sagt Ehrenleitner. „Ich mache es, weil ich keine Ungleichbehandlung haben will. Ich bin eine Gerechtigkeitsfanatikerin.“

Erste Soldatin im Amt

Seit Anfang des Jahres ist Ehrenleitner die Gleichbehandlungsbeauftragte für ganz Oberösterreich – und die erste Soldatin in diesem Amt. Die 55-Jährige rückte 1999 in Wels ein und landete nach Stationen in zwei anderen Kasernen, die im Laufe der Zeit geschlossen wurden, wieder an ihrem Ausgangsort.

Dort ist die Mutter zweier Söhne in der Panzerwerkstätte als Zugtruppkommandantin im Einsatz. „Meine Aufgabe ist es, den Kommandanten, den Kader und die Rekruten zu unterstützen.“

Für die Karriere beim Bundesheer entschied sich die Enzenkirchnerin unter anderem aus sportlichem Interesse. Sie betrieb Langlauf-Leistungssport und wollte ihre körperliche Fitness beruflich nutzen. „Beim Heer wird man für Sport bezahlt.“ Auch die vielen Weiterbildungsmöglichkeiten, der Zusammenhalt und der gesicherte Arbeitsplatz sprachen Ehrenleitner an. „Je größer die Krise, umso sicherer ist hier der Arbeitsplatz.“ 

Die Arbeit der Beauftragten

Pro Bundesland gibt es einen Gleichbehandlungsbeauftragten, der für fünf Jahre bestellt wird. Ihnen sind die Frauenbeauftragten der jeweiligen Kasernen unterstellt. Frauen – und auch Männer – können sich an sie wenden, wenn es Probleme gibt. Kann auf diese Weise keine Lösung gefunden werden, kommen die Gleichbehandlungsbeauftragten zum Einsatz. 

Es kommt zu einem Gespräch auf neutralem Boden. Sind die Beschwerden gerechtfertigt, können die Folgen von einer Verwarnung bis hin zu einem Disziplinarverfahren reichen. Die Arbeitsgruppe für Gleichbehandlung beratschlagt zu dem Thema. Bei Bedarf verweisen die Beauftragten auch an die Heerespsychologie weiter.

Immer mehr 
Männer im Einsatz

Früher waren nur Frauen Gleichbehandlungsbeauftragte. Seit zwei Jahren gibt es auch Männer im Amt. „Ich habe auch einen Mann als Stellvertreter. Das ist gut, denn auch die Männer sollen eine Anlaufstelle bei uns haben.“

Mitunter brauchen die Funktionäre eine dicke Haut. Besprochen werden etwa Unterschiede bei der Ausbildung oder Beschwerden. Vor allem sexuelle Belästigung ist laut Ehrenleitner ein Thema, aber auch Ungleichbehandlung. „Beim Bundesheer gibt es eine große Zahl an Mitarbeitern. Wir sind der Durchschnitt der Gesellschaft – im Positiven wie auch im Negativen“, erklärt die Gleichbehandlungsbeauftragte.

„Die Situation war schon einmal besser. Corona hat sie verschärft“, berichtet Ehrenleitner. Missstände werden ihr zufolge jetzt aber auch vermehrt gemeldet.

Mehr Bewusstsein

Als sie beim Heer anfing, gab es erst wenige Soldatinnen und noch keine Frauenbeauftragten. „Wir wurden am Anfang wie Aliens angesehen. Das hat sich aber gebessert.“

Vor allem seit mit Klaudia Tanner eine Frau im Bundesministerium für die Landesverteidigung zuständig ist, habe sich das Bewusstsein für Gleichbehandlung erhöht. „Auch wenn manche das nicht gerne sehen.“ 

Grundsätzlich seien Männer und Frauen beim Bundesheer gleichgestellt, betont Ehrenleitner: 
„Jeder Arbeitsplatz wird gleich bezahlt und gleich behandelt.“ 
Alle Karrierewege seien für Soldatinnen ebenso zugänglich wie für Soldaten. 

Empfehlungen für Frauen

In der Welser Kaserne befinden sich aktuell sechs uniformierte Soldatinnen. In ganz Österreich gibt es zwischen 670 und 700 Soldatinnen. 

Frauen, die sich für eine Karriere beim Heer interessieren, empfiehlt Ehrenleitner, den freiwilligen Grundwehrdienst zu absolvieren. „Hier können sie sich alles anschauen, müssen sich aber nicht verpflichten und können jederzeit wieder aufhören.“ Danach rät sie, sich ein klares Ziel zu setzen. 

Aufgabenlöser

Für die Zukunft wünscht sich Ehrenleitner mehr Anerkennung für die Arbeit der Frauen- und Gleichbehandlungsbeauftragten: „Ich möchte, dass uns die Leute mehr als Aufgabenlöser sehen.“ Betroffene ermutigt sie, über ihre Probleme zu sprechen.

„Ungleichbehandlung wird es immer geben. Ich möchte, dass die Leute wissen, dass es uns gibt und dass sie nicht alleine gelassen werden. Es gibt immer einen Weg.“


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