Landesübung: Rettungshunde trainierten im Innviertel für den Ernstfall
ENZENKIRCHEN/LAMBRECHTEN/ST. AEGIDI. Vermisste Schwammerlsucher, verunglückte Wanderer oder Menschen unter Trümmern: Einsätze können sehr unterschiedlich sein – und darauf bereiteten sich Mitglieder der Österreichischen Rettungshundebrigade (ÖRHB) im Innviertel vor. An drei Tagen trainierten Teilnehmer aus ganz Oberösterreich bei einer Landesübung in Enzenkirchen, Lambrechten und St. Aegidi.

Enzenkirchen diente dabei als zentraler Treffpunkt. Von dort aus ging es für die Mensch-Hund-Teams in mehrere Übungsgebiete, vor allem in Wälder der Umgebung. Organisiert hatten die Landesübung die neun Mitglieder der Schärdinger Staffel gemeinsam mit der Landesführung. Insgesamt zählt die ÖRHB in Oberösterreich rund 140 Mitglieder.
Die Teilnehmer absolvierten bei der Übung verschiedene Stationen und trainierten diverse Bereiche der Rettungshundearbeit. Neben unterschiedlichen Suchformen wurden auch Erste-Hilfe-Kenntnisse aufgefrischt. „Die Landesübung trägt dazu bei, die Einsatzfähigkeit unserer Teams aufrechtzuerhalten“, sagt ÖRHB-Landespressereferentin Claudia Pankratz. Zweimal pro Jahr findet eine solche Übung in Oberösterreich statt. Unterstützt werden die Teams dabei durch Helfer.
Vom Wegrand bis zur Fläche
Bei der Suche wird unter anderem zwischen Weg- und Flächensuche unterschieden. Wird etwa ein Wanderer vermisst, konzentriert sich die Suche vor allem auf den Weg und dessen Umgebung. Bei einem vermissten Schwammerlsucher muss hingegen oft ein größeres Waldgebiet abgesucht werden. Welche Taktik eingesetzt wird, entscheiden Landeseinsatzleiterin Nadine Aumayr sowie der Gruppenkommandant.
Die Hunde der ÖRHB folgen dabei nicht gezielt einer bestimmten Geruchsspur, sondern sind Stöberhunde. Sie durchsuchen ein Gebiet nach menschlicher Witterung. Haben sie eine Person gefunden, zeigen sie dies durch Bellen an.
Auch ungewöhnliche Situationen werden geübt. So kann eine gefundene Person etwa mit dem Handy beschäftigt sein oder den Hund wegschicken. Die Tiere müssen lernen, sich davon nicht irritieren zu lassen.
Training auf Trümmergelände
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Trümmersuche. In Lambrechten stellten zwei Firmen dafür Übungsgelände zur Verfügung. Solche Trainings bereiten die Teams auf Gebäudeeinstürze und ähnliche Katastrophenlagen vor.
Wie wichtig diese Arbeit sein kann, zeigte sich etwa bei einem Hauseinsturz am Schärdinger Stadtplatz. Damals waren speziell ausgebildete AFDRU-Hundeteams im Einsatz.
Für die Ausbildung sind möglichst unterschiedliche Gelände besonders wichtig, erklärt Roman Kappeller der Staffelführer der Staffel Schärding und stellvertretender Landesleiter. Hunde merken sich bekannte Trainingsplätze. Deshalb sei es wertvoll, immer wieder auf neuem Grund üben zu können. Bei der aktuellen Übung wurden die Gruppen dabei tatkräftig von örtlichen Grundbesitzern und Jägern unterstützt.
Zwei bis drei Jahre Ausbildung
Die Mitglieder der Rettungshundebrigade sind ehrenamtlich tätig und wenden für ihr Hobby viel Zeit auf. Bis ein Mensch-Hund-Team einsatzbereit ist, vergehen durchschnittlich zwei bis drei Jahre. Neben aufwendigen Prüfungen und einem Einsatztest gehören auch Erste-Hilfe-Kurse sowie Landes- und Bundesübungen zur Ausbildung. Beim Einsatztest etwa wird unter möglichst realistischen Bedingungen sowohl bei Tag als auch bei Nacht nach vermissten Personen gesucht.
Diese Arbeit zahlt sich aus. Bei ihren Einsätzen haben die Teams laut Pankratz eine sehr hohe Erfolgsquote. Regelmäßiges Training ist dafür unerlässlich. Zwei bis drei Einheiten pro Woche seien durchaus üblich. „Es ist ein sehr, sehr zeitintensives Hobby“, sagt Pankratz, „aber auch ein sehr schönes.“ Sie selbst ist bereits seit mehr als 22 Jahren bei der Rettungshundebrigade aktiv.
Verschiedenste Hunderassen dabei
Nicht nur bestimmte Hunderassen kommen für die Rettungshundearbeit infrage. Entscheidend sind Wesen, Motivation und körperliche Voraussetzungen. „Grundsätzlich eignet sich jeder wesensfeste Hund, der Freude am Spiel oder an Futter hat, als Rettungshund. Egal ob Rassehund oder Mischling“, so Pankratz. Bei einem Probetraining wird geprüft, ob Hund und Mensch für die Rettungshundearbeit geeignet sind.
30 bis 40 Einsätze pro Jahr
Rund 30 bis 40 Mal pro Jahr werden die Rettungshundeteams zu Einsätzen gerufen. Gesucht werden besonders häufig Menschen mit Demenz. Auch nach Verkehrsunfällen können Suchhunde benötigt werden. Eine möglichst frühe Alarmierung ist besonders wichtig, da der mögliche Suchradius mit jeder verstrichenen Stunde größer wird.
Eine wichtige Rolle spielte bei der Übung auch der Austausch unter den Teilnehmern. Da Mitglieder aus ganz Oberösterreich zur Übung kamen, konnten sie Erfahrungen und unterschiedliche Trainingsmethoden miteinander teilen. Gleichzeitig sollte durch das Treffen auch das gesellschaftliche Miteinander innerhalb der Organisation gefördert werden.
Die ÖRHB ist eine eigenständige anerkannte Einsatzorganisation. Sie ist unter der Notrufnummer 05 94 500 erreichbar.








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