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SCHARNSTEIN. „Wenn wir mehr voneinander wissen, geht die Integration leichter“, ist Herbert Mayrhofer überzeugt. Am Dienstag, 16. Februar, berichtet der Scharnsteiner, der selbst eine syrische Familie aufgenommen hat, auf Einladung der Plattform „Scharnstein hilft“ über die Herkunftsländer der Asylwerber. Tips hat mit ihm gesprochen.

  1 / 2   Zwischen den Familien Mayrhofer und Alshaik hat sich eine Freundschaft entwickelt. Im Bild: Martina und Herbert Mayrhofer mit Rose und Hadi. Foto: Mayrhofer

Gemeinsam mit seiner Frau Martina war Herbert Mayrhofer im August in Thessaloniki auf Besuch bei Freunden, als er hautnah mit der Situation der flüchtenden Menschen konfrontiert wurde: „Ich habe Kinder gesehen, die barfuß unterwegs waren, mit völlig verletzten Füßen, Menschen, die gar nichts hatten. Wenn einen das nicht bewegt, dann hat man kein Herz“, so Mayrhofer. Seither sind Herbert und Martina Mayr-hofer immer wieder mit Hilfskonvois entlang der Flüchtlingsroute unterwegs. Vor wenigen Monaten haben sie zudem eine fünfköpfige syrische Familie aufgenommen: Rana und Majd Alshaik, die in ihrer Heimat als Architekt und Physiklehrerin tätig waren, und ihre drei Kinder Rose (7), Hadi (6) und Rita (3). Die Familie wartet auf ihr Asylverfahren und wird von der Volkshilfe betreut.

„Sehen die Diskussionen in der Gesellschaft mit Sorge“

Zwischen ihnen und Familie Mayrhofer hat sich in der Zwischenzeit eine Freundschaft entwickelt – bis hin zur gemeinsamen Weihnachtsfeier. Die Gespräche drehen sich dabei auch um die aktuellen Flüchtlingsdiskussionen in Österreich: „Sie sehen das mit Sorge, sie wollen ja nicht schuld sein an den Streitereien in der Gesellschaft. Für sie war es einfach notwendig, zu flüchten“, so Mayrhofer, der betont, dass die meisten Reaktionen und Erfahrungen in der unmittelbaren Umgebung durchaus positiv sind.

Was den studierten Politologen und langjährigen Journalisten jedoch beunruhigt: „Es gibt aber auch – wenige – negative Reaktionen, die dafür oft sehr grenzüberschreitend und hassvoll sind.“ Er ist überzeugt, dass vieles davon auf Informationsmangel beruht: „Wenn wir mehr voneinander wissen, geht Integration leichter!“ Mit seinem Vortrag möchte er einen Beitrag dazu leisten. „Wir müssen raus aus der Befindlichkeitsdebatte. Was es braucht, ist eine unaufgeregte Diskussion jenseits von Ober- und Untergrenzen. Schauen wir uns die Fakten an, bevor es um Meinungen geht“, so Mayrhofer.

„Köln hat uns einen Spiegel vorgehalten“

Der Scharnsteiner, der unter anderem an der FH Hagenberg in der Journalistenausbildung tätig ist, hat mit Rana und Majd Alshaik auch die Vorfälle in Köln thematisiert: „Da war natürlich große Bestürzung, das ist ja auch in der Gesamtheit nicht erklärlich. Ich habe das Thema auch mit meinen Studenten besprochen. In dem Kurs waren 28 Frauen. Und sie haben alle gesagt, dass ihnen – zum Beispiel beim Urfahraner Markt – schon etwas Ähnliches passiert ist, und zwar mit Männern aus Österreich. Übergriffe auf Frauen sind nicht zu entschuldigen und nicht zu relativieren, und es gibt bei uns sicher eine höhere Barriere dagegen als in patriarchalen Kulturen. Aber ich denke, dass uns Köln einen Spiegel vorgehalten hat: Auch wir sind hier gefordert. Wir haben vielleicht ein paar Jahrzehnte Vorspung – aber bis vor 40 Jahren konnte zum Beispiel auch bei uns eine Frau nur mit Zustimmung ihres Mannes arbeiten. Und ich denke, dass hier auch die feministische Bewegung gefordert ist, klar zu zeigen: Der öffentliche Raum gehört uns genauso! Das könnte der emanzipatorischen Bewegung sogar einen Auftrieb geben.“

„Brauchen einen positiven Blick nach vorn“

Was Mayrhofer ebenfalls wichtig ist: ein positiver Blick nach vorn. „Es gibt viele Herausforderungen – vom Klimawandel über die Flüchtlinge bis zur Grexit-Diskussion. Wir müssen den positiven Entwurf durchdenken, uns überlegen, wie wir es bewältigen. Sonst geht das verloren, was uns als Europäer eigentlich ausmacht: das Zuhören, die Zusammenarbeit, das aufeinander Eingehen“, so Mayrhofer.

Vortrag: „Syrien, Iran, Irak, Afghanistan – Die Herkunftsländer unserer Asylwerber“; Termin: Dienstag, 16. Februar, 19.30 Uhr, Gemeindeamt Scharnstein (Sitzungssaal, 1. Stock), Eintritt: freiwillige Spenden für Deutschkurse der Asylwerber in Scharnstein


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