Die Privantinsolvenzen sind österreichweit so hoch wie noch nie
BEZIRK SCHEIBBS. Die Zahlen der Creditreform Privatinsolvenzstatistik für das 1. bis 3. Quartal zeigen einen massiven Anstieg bei den Insolvenzen von Privatpersonen österreichweit um knapp 55 Prozent auf ca. 8.800 Verfahren. Das hat es seit Einführung des Privatinsolvenzrechts 1995 in Österreich noch nie gegeben.

Die Anzahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ist hierbei um fast 64% auf mehr als 7.800 Verfahren gestiegen, die mangels Vermögen abgewiesenen Insolvenzanträge haben sich auf 926 Fälle erhöht. Hauptursache für diese Insolvenzwelle ist die seit November 2017 durch eine Gesetzesnovelle ermöglichte schnellere und erleichterte Entschuldung. Da nun auch viele ehemalige Selbständige diese Möglichkeit in Anspruch nehmen, ist die Durchschnittsverschuldung auf rund 100.000 Euro angestiegen.
In Niederösterreich hat es 1.367 Privatinsolvenzen, und damit um 84,7 Prozent mehr als im Vorjahr gegeben. Alleine im Bezirk Scheibbs sind es zwar nur 8 gewesen, das ist allerdings um 100 Prozent mehr als im letzten Jahr.
Ausblick Gesamtjahr 2018
Während im vergangenen Jahr die Privatinsolvenzen auf den niedrigsten Stand seit 2006 zurückgegangen waren, klettern diese nun auf ein Allzeithoch. Durch die Novellierung der Insolvenzordnung im zurückliegenden Herbst wurde es für viele Private leichter sich zu entschulden. Die Mindestquote von 10 Prozent sowie die Entschuldungsdauer von sieben Jahren fielen der Reform zum Opfer. Der Gesetzgeber wollte damit erreichen, dass mehr Bürger nach einem Schuldenschnitt zurück in ihr Konsumentenleben gelangen können. Hauptprofiteure sind gescheiterte Selbständige mit hohen Verbindlichkeiten, die diese als persönlich Haftende aus ihrer ehemaligen Unternehmenstätigkeit übernommen haben. Dazu kommen aber viele Privatpersonen, die über kein Erwerbseinkommen oder lediglich über einen nichtpfändbaren Sozialbezug (AMS, Notstandshilfe) verfügen. Hier stellt sich die Frage, ob diese Personengruppe nicht schon frühzeitig vor unüberlegten Ausgaben geschützt hätte werden können. Präventive Maßnahmen erfordern allerdings eine gewisse finanzielle Allgemeinbildung, die leider noch immer nur selten vorhandenen ist. Besser als ein gesetzlicher Zwang wäre es, den Gläubigern Möglichkeiten einzuräumen, sich über die Zahlungsfähigkeit und –willigkeit ihrer Kunden ein umfassendes Bild machen zu können, zum Beispiel durch den Zugang zum Exekutionsregister. Das (berechtigte) Recht auf Löschung seiner Daten und das Recht auf Vergessen iSd des Datenschutzes schützt aber oft auch die unredlichen Schuldner (vor unüberlegten Handlungen).
Obwohl für das letzte Quartal mit einer Abflachung des Anstieges zu rechnen ist, erscheint das erstmalige Überschreiten der 10.000er Marke bei Privatinsolvenzen bis Ende 2018 als so gut wie sicher.
Unternehmerinsolvenzen
Die Insolvenzen der Firmen stagnieren dank guter Konjunktur und niedriger Zinsen in ganz Österreich. Die Zahlen der Creditreform Firmeninsolvenzstatistik für das 1. bis 3. Quartal 2018 zeigen einen leichten Anstieg der Firmeninsolvenzverfahren, konkret um 0,6% auf etwas mehr als 3.900 Fälle. Die Zahl der eröffneten Verfahren ist um 0,9% auf 2.347 gestiegen. In 1.602 Fällen (+0,3%) wurden die Insolvenzanträge mangels kostendeckenden Vermögens abgewiesen. Die Höhe der Insolvenzverbindlichkeiten beläuft sich auf rund 1 Mrd. Euro (+29%). Rund 10.000 Arbeitsplätze und 47.000 Gläubiger waren betroffen. Die Insolvenzursachen liegen hauptsächlich in Managementfehlern sowie im Wettbewerbsdruck, der sich auf sinkende Preise und Margen niederschlägt.
In Niederösterreich hat es in den letzten drei Quartalen 723 Unternehmensinsolvenzen, und damit um 7,7 Prozent mehr als im Vorjahr gegeben. Alleine im Bezirk Scheibbs sind es 13 gewesen, das ist um 116,7 Prozent mehr als im Jahr davor.
Branchenvergleich
Besonders erfreulich ist die Entwicklung in den für die Konjunktur- und Arbeitsmarktentwicklung wichtigen Branchen „Sachgütererzeugung“ (-9,7%), „Bauwesen“ (-6,9%) sowie im Tourismus (-7,2%). Dem gegenüber berichten nur drei Branchen von steigenden Insolvenzen: „Kredit- und Versicherungswesen“ (+14,1%), „Handel“ (+7,9%) und das Transportwesen (+3,5%).
Ausblick Gesamtjahr 2018
Dank guter Konjunktur, niedriger Zinsen und des aufgrund der sinkenden Arbeitslosigkeit stabilen Binnenkonsums stagnieren auch die Firmeninsolvenzen. Allerdings ziehen einige unsichere Gewitterwolken am internationalen Konjunkturhimmel herauf, Stichworte: BREXIT, Trump`scher Protektionismus, Krieg der Zölle. Es ist daher den heimischen Unternehmen zur Vorsicht zu raten. „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“ sollte nun das Credo sein und die seit der Finanzkrise verstärkten Eigenkapitalpölster weiter aufgebaut werden. Dazu gehört auch die Beschäftigung sowohl mit der eigenen Bonität und der damit verbundenen Liquidität als auch mit der Lage der Geschäftspartner. Forderungsausfälle können sehr teuer kommen und einen selbst schnell in die Bredouille bringen.
Wie die unlängst von Creditreform veröffentlichte Default Study über die Ausfallraten der österreichischen Wirtschaft gezeigt hat, ist für 2018 mit einer leicht sinkenden Ausfallrate zu rechnen. Creditreform erwartet, dass sich für das Gesamtjahr 2018 die Firmeninsolvenzen bei rund 5.400 Verfahren einpendeln.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden