Tanner zu Ersturteil nach Kuh-Attacke: „Will man die Almwirtschaft endgültig ruinieren?“

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Ariane Zeilinger Ariane Zeilinger, Tips Redaktion, 22.02.2019 15:16 Uhr

BEZIRK SCHEIBBS/NÖ. Albtraum auf einer Tiroler Alm - 2014 starb eine deutsche Touristin nachdem sie von Kühen zu Tode getrampelt wurde. Nachdem gegen den Bauern Klage eingebracht wurde fiel das Urteil in der ersten Instanz: 490.000 Euro Strafzahlung. Entsetzt über das Urteil zeigt sich auch NÖ Bauernbunddirektorin Klaudia Tanner, zugleich VP-Landtagsabgeordnete aus dem Bezirk Scheibbs. 

Als „extrem praxisfremd“ bezeichnet NÖ Bauernbunddirektorin Klaudia Tanner das heute in erster Instanz gefällte Urteil der tödlichen Kuhattacke im Tiroler Stubaital, die sich am 28. Juli 2014 ereignete. Den Vorfall mit tödlichem Ausgang selbst sieht Tanner als äußerst tragisch und als harten Schlag für die bedauernswerten Hinterbliebenen.

Urteil in erster Instanz: 490.000 Euro an Strafzahlung

Laut https://tirol.orf.at will der betroffene Landwirt gegen das Urteil berufen, das einen Präzedenzfall darstellen würde, würde es in den nächsten Instanzen schlagend werden. Ebenso berichtet https://tirol.orf.at, dass das Urteil den Landwirten zu einer Zahlung von 132.832,63 Euro und einer monatlichen Rente von 1.215,50 Euro an den Ehemann sowie zu 47.500 Euro und einer monatlichen Rente von 352,50 Euro an den Sohn verpflichtet.

„Urteil würde Aus für Almen bedeuten“

„Schadensersatz-Forderungen von 490.000 Euro sind existenzbedrohend für einzelnen Bauern“, kommentiert Bauernbundobmann und VP-Nationalratsabgeordnete Georg Strasser das Urteil. „Die Umstände sind tragisch. Das Urteil würde aber das Aus für unsere Almen bedeuten. Eine verpflichtende Einzäunung von Almweiden aber vor allem Schadensersatz-Forderungen würden die Almbauern in Zukunft ruinieren“, hält Georg Strasser, Präsident des Österreichischen Bauernbundes und VP-Nationalratsabgeordneter fest. 

„Schadensersatzforderung ist existenzzerschmetternd“

„Eine Schadensersatzforderung von knapp einer halben Million Euro ist für einen einzelnen Bauern existenzzerschmetternd. Unter diesen Verhältnissen können heimische Bäuerinnen und Bauern ihre Hoftore für immer zusperren“, so Strasser, der auf die Eigenverantwortung der Wanderer hinweist und an die Rechtsprechung herantritt: „Wir wollen keine amerikanischen Verhältnisse bei der Haftung. Dass Hunde auf Weiden ein Problem sind, wird seit Jahren propagiert. Eigenverantwortung und Hausverstand sollten wieder mehr Einzug halten. Wir brauchen klare Spielregeln, die ein Miteinander auf den Almen gewährleisten.“ 

„Will man die Almwirtschaft endgültig ruinieren?“

Klaudia Tanner sieht eine Lawine von dramatischen Folgen, insbesondere auf Viehhalter in alpinen Gebieten in Niederösterreich, zukommen. „Sollen die Almbauern jetzt etwa tausende Kilometer von Zugängen, Wegen und Weiden einzäunen?“, stellt Tanner konsterniert fest, denn für die Bauern wäre dieses nur mit einem „Aufwand von Millionen Euro“ durchführbar. „Wer übernimmt da die Kosten oder will man die Almwirtschaft endgültig ruinieren?“, fragt Tanner in Bezug auf das ihr als „praxisfremde und unrealistisch erscheinende Ersturteil“. 

Rund 11.000 Bergbauernbetrieb in Niederösterreich

„Weidehaltung, wie wir sie in Österreich kennen und schätzen, wird es dann nicht mehr geben. Die Folgen für Landwirtschaft und Tourismus wären fatal, denn die Bewegungsfreiheit in der Natur wird weiter eingeschränkt. Zum Nachteil von Mensch und Tier“, verdeutlicht Strasser im Hinblick auf die Weidewirtschaft, denn für die Tiere ist die Weidehaltung mit einer Steigerung des Tierwohls verbunden und daher für Betriebe in Berggebieten unerlässlich. 

Rund ein Viertel der landwirtschaftlichen Betriebe in Niederösterreich, also rund 11.000, sind Bergbauernbetriebe. „Der Tourismus lebt von einer gepflegten, kultivierten Landschaft und unsere Bäuerinnen und Bauern leisten mit der Pflege der Almen einen wichtigen Beitrag dazu“, betont die NÖ Bauernbunddirektorin Klaudia Tanner abschließend. 

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