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Christine Dünwald-Specht im Interview: „Bin eine patriotische Scheibbserin“

Michael Hairer, 02.09.2019 10:26

SCHEIBBS. Anlässlich ihres Rücktritts als langjährige Bürgermeisterin der Stadtgemeinde Scheibbs gibt Christine Dünwald-Specht (ÖVP, 60 Jahre) im großen Tips-Interview Einblicke in ihr Leben als Politikerin.

Christine Dünwald-Specht mit Nachfolger Franz Aigner.
Christine Dünwald-Specht mit Nachfolger Franz Aigner.

Tips: Nach zehn Jahren als Bürgermeisterin und insgesamt 20 Jahren Gemeindepolitik scheiden Sie mit 31. August gänzlich aus der Politik aus? Was hat Sie in dieser Zeit am meisten geprägt?

Christine Dünwald-Specht: Mein Schlafdefizit (lacht). Man schläft als Bürgermeisterin einfach weniger. Aber das ist halt so, wenn man die Verantwortung für 4.500 Gemeindebürger trägt. In der Politik muss man sehr viele Kompromisse eingehen. Diesem Umstand begegnet man mit der Zeit gelassener als noch zu Beginn. Ansonsten glaube ich, dass ich mich als Mensch nicht verändert habe. Ich bin noch genauso frech wie vor meiner Amtszeit (lacht).

Tips: Gibt es etwas, von dem Sie heute schon wissen, dass Ihnen das in Zukunft fehlen wird?

Dünwald-Specht: Was mir sicher nicht fehlen wird sind die Wochenend- und Abendtermine. Was mir aber sehr fehlen wird, ist der Umgang mit den Bürgern, Mitarbeitern und Fraktionskollegen, die wie eine zweite Familie für mich geworden sind – in guten wie in schlechten Zeiten.

Tips: Sie sind/waren in Scheibbs die erste Bürgermeisterin. Hat das eine besondere Bedeutung für Sie?

Dünwald-Specht: Natürlich hat das eine große Bedeutung für mich, wenn man nach 657 Jahren als erste Frau ins Bürgermeisteramt gewählt wird. Das wird in den Geschichtsbüchern stehen und ich freue mich jetzt schon, wenn meine Enkerl und Urenkerl einmal davon lesen werden.

Tips: Welche charakterlichen Eigenschaften braucht es, um als Frau in der Politik bestehen zu können?

Dünwald-Specht: Man muss immer linear arbeiten und darf keine Ausnahmen zulassen. Es ist nicht immer leicht, aber das oberste Ziel von mir war immer, für alle Menschen und ihre Anliegen gleich da zu sein. Was als Frau vielleicht leichter ist als für Männer, ist die Tatsache, dass man empathischer ist und somit etwaige Spannungen schon im Vorfeld wahrnimmt. Eine Frau spürt halt viel mehr. Die Leute sind von mir gewöhnt, immer das anzusprechen, was Sache ist – ohne groß drumherum zu reden. Aber die Menschen wählen dich ja auch genau deshalb, weil du so bist.

Tips: Politik ist oftmals mit Anfeindungen verbunden. Wie sind Sie – als emotionaler Mensch – damit umgegangen?

Dünwald-Specht: So etwas tut immer weh. Persönliche Untergriffe haben wir tunlichst vermieden – im Wahlkampf wie in Gemeinderatssitzungen. Wenn jemand keine Fakten mehr hat und diese unterste Schublade von persönlichen Anfeindungen ziehen muss, dann hat dieser Jemand in solchen Ämtern nichts verloren.

Tips: Hatten Sie während Ihrer Amtszeit jemals Bedenken, ob Sie die richtige Person für diesen Job sind?

Dünwald-Specht: Zweifel hat man immer wieder, ob man die Erwartungserhaltung – vor allem die eigene – erfüllt. Aber ich habe mir nie gedacht, dass ich die Verkehrte für das Amt bin, sonst wäre ich wohl auch nicht von den Menschen gewählt worden.

Tips: Mit der Landesausstellung 2015 haben Sie das Schiff Scheibbs finanziell wieder auf Kurs gebracht. Wie groß war die Erleichterung und mit welcher persönlichen Zufriedenheit geben Sie Ihr Amt jetzt ab?

Dünwald-Specht: Ich bin zufrieden mit den zehn Jahren. Wir haben nicht alles geschafft, aber wir haben sehr viel auf den Weg gebracht. Die Landesausstellung 2015 war ein absolutes Highlight. Der ganze Bezirk ist hinter dieser Ausstellung gestanden – rote wie schwarze Gemeinden. Aus dieser Gemeinsamkeit hat sich dann ein Standesamtsverband mit fünf Gemeinden gebildet. Zudem wurde der Abwasser- mit dem Umweltverband zusammengelegt und nicht nach Melk ausgelagert. Ich bin sehr stolz, dass wir Scheibbs wieder lebendiger gemacht haben.

Tips: Was werden Sie mit Ihrer neu gewonnenen Freizeit ab September alles machen?

Dünwald-Specht: Viele Reisen. Ich bin wie eine Zigeunerin, die gerne umherreist. Aber genauso gerne komme ich wieder zurück nach Scheibbs. Ich bin eine patriotische Scheibbserin. Die Lebensqualität in Scheibbs ist einfach großartig.

Tips: Wie sollen sich die Scheibbser an Sie erinnern?

Dünwald-Specht: Als verlässliche und humorige Bürgermeisterin.

Tips: Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger Franz Aigner?

Dünwald-Specht: Ich wünsch“ dem Franz eine schöne Zeit und alles Gute!

WORDRAP

  • Mein erstes Auto war ... ein grüner VW Käfer 1303 S.
  • Am liebsten Urlaub mache ich ... mit dem Schiff oder dem Auto. Ich mag die Berge genauso gerne wie den Atlantik.
  • In meinem Kühlschrank findet sich immer ... ein Stückl Extrawurst.
  • Mein größtes Idol in der Jugend war ... George Harrison.
  • Herzhaft lachen kann ich ... über mich selbst. Ich lache für mein Leben gern.
  • Zuletzt gelesen habe ich: „Bretonische Verhältnisse: Ein Fall für Kommissar Dupin“.
  • Glück ist ... Zufriedenheit.
  • Mein Lebensmotto: Leben und leben lassen.
  • Franz Aigner in drei Worten: Verlässlich. Humorig. Freund.

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