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LACKENHOF. Die Ötscher­lifte sind gerettet – vorerst. Zwei Jahre hat Lackenhof nun Zeit, ein zukunftsfähiges Tourismuskonzept mit neuen Angeboten für Sommer und Winter zu entwickeln. Die Motivation ist hoch und im Ort herrscht Aufbruchstimmung. Tips hat sich umgehört, in welche Richtung das neue Konzept gehen könnte. Schon jetzt steht fest: Es gibt viel zu tun.

  1 / 6   Das Land NÖ übernimmt die Lifte auf Hochkar und Ötscher und fusioniert sie. Die Saison in beiden Skigebieten ist eröffnet. (Foto: Weinfranz)

Der Schock saß tief in der Bevölkerung, als die Betreiber des Skigebiets – die Schröcksnadel-Gruppe als Mehrheitseigentümer und das Land NÖ – überraschend das sofortige Aus der Ötscherlifte bekanntgaben. Es folgten bange Tage und heftige Proteste, ehe das Land NÖ schließlich verkündete, die Lifte nun doch komplett übernehmen zu wollen. Seit 11. Dezember läuft der Skibetrieb wieder, gesichert ist er vorerst für zwei Jahre. So lange hat Lackenhof Zeit, ein neues Tourismuskonzept zu entwickeln, um wieder mehr Gäste anzulocken.

Arbeit läuft auf Hochtouren

„Die Schockstarre ist überwunden und wir sind bereits ins Tun gekommen“, betont die Gaminger Bürgermeisterin Renate Rakwetz (SPÖ). Es gebe viel zu tun und die Zeit drängt. Ziel sei, im Frühherbst 2022 ein tragfähiges Tourismuskonzept vorzulegen. Dieses soll auch von den Menschen in der Region mitentwickelt werden.

Gewaltige Bürgerbewegung

Die Motivation ist hoch. Aus einer anfänglichen Protestgruppe formierte sich die Initiative „Zukunft Lackenhof“. Entstanden ist eine Bürgerbewegung, die bereits über 100 Unterstützer zählt, darunter neben vielen Bewohnern auch Gewerbetreibende, Zweitwohnsitzer und Camper. Ziel der Gruppe sei es, einfache, aber effektive Maßnahmen für einen erfolgreichen Sommer- und Wintertourismus am Ötscher aufzuzeigen, erklärt Patrick Bratfisch, Mitglied des vierköpfigen Organisationsteams. „Dazu wurden Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, in denen dutzende Unterstützer an kreativen Ideen und Lösungen arbeiten“, berichtet Bratfisch weiter.

Marschrichtung steht

Vertreter der Gruppe sitzen auch in der offiziellen Task Force, die das Land NÖ eingerichtet hat. Zwei Millionen Euro will das Land für die touristische Neugestaltung von Lackenhof bereitstellen. Die Marschrichtung gab Landesrat Jochen Danninger (ÖVP) bereits vor: Es brauche neue touristische Angebote und eine Modernisierung der Beherbergungsbetriebe. Für Letzteres stellte Danninger eine weitere Million Euro an Fördermitteln in Aussicht.

Existenzbedrohende Lage

48 Betriebe leben laut Orts­chefin Rakwetz in der Marktgemeinde Gaming vom Tourismus. Das Aus der Lifte wäre für sie existenzbedrohend. So auch für Franziska Digruber, die in Lackenhof einen Gasthof mit Fremdenzimmern, eine Skihütte und einen ganzjährig geöffneten Campingplatz betreibt. „Wir befürworten die Pläne, Konzepte und Investitionen des Landes in den Ganzjahres-Tourismus. Jedoch sollte der Liftbetrieb im Winter und auch im Sommer erhalten bleiben, um das Angebot unseres Ortes auszubauen und nicht zu reduzieren“, erklärt die Unternehmerin auf Anfrage.

Mehr Werbung in Österreich

Laut Andreas Purt, Geschäftsführer von Mostviertel Tourismus und des Naturparks Ötscher-Tormäuer, kommen die Lackenhofer Gäste vor allem aus den östlichen Bundesländern sowie aus Ungarn, Tschechien und der Slowakei. Die Hauptzielgruppe seien Familien mit Kindern und ältere Paare. Bereits vor etlichen Jahren wurde ein Großteil der Beherbergungsbetriebe an russische und ungarische Investoren verkauft. Diese setzen vor allem auf Gäste aus dem Ausland. Die Kaufkraft der Gäste und auch die Nutzung der Gastronomie sei gesunken, schildert Franziska Digruber. Sie plädiert dafür, wieder verstärkt Werbung für Lackenhof innerhalb Österreichs zu machen.

Auf Regionalität setzen

„Wir haben eine wunderbare Kulturlandschaft; einen tollen unverbrauchten Ötscher, der auch so erhalten bleiben sollte“, streicht Andreas Purt die Vorzüge der Region hervor. Potenzial sieht der Tourismus-Experte bei allen Angeboten, die in Richtung Regionalität und Nachhaltigkeit gehen. Handlungsbedarf ortet Purt in folgenden Bereichen: „Die Freizeitinfrastruktur ist in allen Bereichen ausbaufähig. Wir haben einige sehr gute und teilweise auch neue Privatzimmervermieter. Gleichzeitig aber eine Hotelinfrastruktur, die leider schon sehr in die Jahre gekommen ist. Das Gastronomieangebot ist mit wenigen Ausnahmen kaum vorhanden.“

Authentische Gastronomie

Ähnlich äußert sich Herbert Zebenholzer, Geschäftsführer der Tourismus-Interessensgemeinschaft Ybbstaler Alpen. Neben dem Skigebiet könne Lackenhof schon jetzt mit einigen guten touristischen Angeboten aufwarten: 33 Kilometer Langlaufloipen, 180 Kilometer Wanderwege und 230 Kilometer neu beschilderte Mountainbike-Strecken. Zebenholzer weiter: „Entwicklungspotenzial sehen wir in der Qualität der Beherbergung und in der Entwicklung der Authentizität in der Gastronomie. Diese steht derzeit nicht für ein kleines Bergdorf in Niederösterreich.“

Liftbetrieb am Ötscher
Die Lifte laufen derzeit wieder täglich von 9 bis 16 Uhr
Die Gastronomie ist geöffnet
Es ist ein 2G-Nachweis erforderlich
Online-Buchung empfehlenswert
Weitere Infos & Tickets: www.oetscher.at

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