Gebürtige Kirchdorfer Autorin lebt ihre Leidenschaft aus: „Muss es tun“
KIRCHDORF/WIEN. Veronika Grohsebner ist in Kirchdorf an der Krems geboren. Schon als Zwölfjährige hat sie ihren ersten Roman verfasst. Wir haben uns mit der nun in Wien lebenden Autorin unterhalten.

Tips: Wie lange haben Sie in Kirchdorf gelebt, wann sind Sie nach Wien gezogen und warum?
Veronika Grohsebner: Ich wurde in Kirchdorf geboren und bin da auch aufgewachsen (geb. Pilar). Gleich nach der Matura am Stiftsgymnasium Schlierbach (Mj. 1985, erste gemischte Klasse) ging's zum Musikstudium nach Wien. Mein Vater war Wiener, deshalb bin ich hier auch verwurzelt. Schließlich habe ich einen Wiener geheiratet und wir haben unsere vier Kinder in Floridsdorf großgezogen.
Tips: Verschlägt es Sie noch hin und wieder in die alte Heimat?
Grohsebner: Nach Kirchdorf komme ich leider nur sehr selten. Meine Eltern sind in der Pension ebenfalls nach Wien gezogen, da hatte ich in der Folge kaum Anlass, die alte Heimat zu besuchen. Zuweilen packt mich allerdings schon das Heimweh. Ich hatte in Kirchdorf eine sehr schöne Kindheit, an die ich gerne zurückdenke.
Tips: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? Wann haben Sie damit begonnen?
Grohsebner: Geschichten hab ich mir als Kind schon immer ausgedacht, lange bevor ich schreiben konnte. Meinen ersten Roman hab ich mit etwa zwölf Jahren verfasst, bis zum Alter von 16 sind noch zwei Romane gefolgt. Die sind allerdings alle in der Schublade geblieben.
Tips: War es Ihr Traum, Autorin zu werden, oder was waren Ihre Beweggründe, in diese Richtung zu gehen?
Grohsebner: Für mein Leben hatte ich als Teenager verschiedene Träume, aber ich kann getrost sagen: Autorin gehörte definitiv dazu. Allerdings legte ich dann eine mehrjährige Schreibpause ein. Ein Grund dafür war mein Studium: Instrumental- und Gesangspädagogik mit Hauptfach Gitarre an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien. In der Zeit konnte ich meine Kreativität auf andere Weise ausleben. In einer spannungsgeladenen Phase habe ich dann wieder zu schreiben begonnen als eine Art Sicherheitsventil, um Dampf abzulassen. Da dachte ich allerdings noch lange nicht daran, etwas zu veröffentlichen, das kam erst später. Mein Mann hat mich von Anfang an unterstützt und mich sehr ermutigt, auch andere Menschen an meinen Geschichten teilhaben zu lassen.
Meine Bücher haben alle einen christlichen Grundton mit einer speziell katholischen Note. Daraus ergaben sich naturgemäß Probleme bei der Verlagssuche: Mainstream-Verlage legen keinen Wert auf Bücher, die eindeutig katholische Inhalte vermitteln, und katholische Verlage scheuen sich davor, Romane zu verlegen. Allerdings bekam ich bei meiner Suche immer wieder zu hören: „Die Idee klingt total gut, geben Sie die Suche nach einem geeigneten Verlag bitte ja nicht auf!“ Das ging so lange, bis wir schließlich die Entscheidung zum Eigenverlag getroffen haben. Und dabei sind wir bis jetzt geblieben, es hat sich recht gut bewährt. Die Unabhängigkeit und Freiheit beim Schreiben schätze ich sehr.
Allerdings freue ich mich auch sehr darüber, dass mein Roman „Johnny Designed“ im Herbst letzten Jahres in einem slowakischen Verlag erschienen ist, und zwar unter dem Titel: MAX naprojektovaný chalan z predmestia (LÚČ 2018, Bratislava). Aller Voraussicht nach folgt noch im Sommer dieses Jahres die tschechische Ausgabe in einem Prager Verlag.
Meine Beweggründe zu schreiben sind ganz einfach: Ich muss es tun! Dieses innere Drängen ist meiner Meinung nach die Grundvoraussetzung für jegliches kreative Schaffen. Es macht mir einfach eine Riesenfreude, mit Worten Geschichten zu malen.
Und dann möchte ich natürlich auch meinen Lesern Freude bereiten. Kürzlich stieß ich auf einen Satz des französischen Autors Michel Houellebecq. Er sagt in einem Interview: „Bücher zu schreiben kann eine große Verantwortung sein. Meine Bücher können lebensunfähig machen.“
Nun, der Verantwortung, die ich als Autorin habe, bin ich mir wohl bewusst. Allerdings möchte ich mit meinen Büchern genau das Gegenteil erreichen: Ich möchte meine Leser ermutigen und aufrichten. Sie sollen nach der Lektüre mit größerer Zuversicht wieder in ihren Alltag zurückkehren.
Tips: Wie viele Bücher haben sie bereits vollendet? Gibt es aktuelle Projekte an denen sie arbeiten?
Grohsebner: Bisher gibt es sieben Romane: eine Trilogie, eine eigenständige Geschichte, und die ersten drei Bände einer Reihe. Derzeit arbeite ich an zwei Projekten: Das eine ist der vierte Band der neuen Reihe – insgesamt soll sie nach heutiger Sicht acht Bände umfassen – das andere ist ein Fortsetzungsroman, den ich fürs YOU!Magazin (www.youmagazin.com) schreibe. Das ist ein katholisches Jugendmagazin, das alle zwei Monate erscheint.
Die Arbeit an der Benjamin Coleman-Reihe wird mich noch einige Jahre beschäftigen, aber ich bin immer offen für plötzlich auftauchende Ideen, die von meinem üblichen Themengebiet abweichen. Wie zum Beispiel der Roman „Johnny Designed“, der in meiner jetzigen Heimat Floridsdorf, Wien, spielt.
Tips: Woher nehmen Sie Ihre Ideen, Inspirationen für neue Bücher?
Grohsebner: Ich lese selbst sehr viel, am liebsten Thriller, deshalb gehen meine Bücher auch in die Richtung Spannung und Action. Dabei möchte ich zusätzlich zur Unterhaltung ebenso Tiefgang und Stoff zum Nachdenken bieten. Die meisten meiner Romane haben einen Bezug zum Drogen- und Gangmilieu amerikanischer Großstädte. Die katholische Komponente kommt dazu, weil mein Glaube untrennbar zu meinem Leben dazugehört. Es ist jedenfalls nicht so, dass ich mir überlege, was kann ich schreiben, um bei dieser oder jener Lesergruppe das eine oder andere zu bewirken. Ich schreibe ganz einfach die Geschichten, die ich in mir habe. Die Figuren und Handlungen werden da in mir sehr lebendig, das läuft fast wie ein Film in meinem Kopf ab.
Tips: Hat ihre Kindheit in Kirchdorf sie „schreibtechnisch“ beeinflusst?
Grohsebner: Schreibtechnisch gehe ich eigene Wege. Vor allem auch deshalb: Im Original schreibe ich auf Englisch und übertrage die Bücher dann selbst ins Deutsche. Ich lese seit meinem 14. Lebensjahr fast ausschließlich englische Bücher, deshalb fühle ich mich in der Sprache recht wohl und bin darin schlichtweg kreativer. Mit einer Ausnahme: „Johnny Designed“ spielt in Wien, folglich habe ich das Buch gleich auf Deutsch verfasst. Ich muss gestehen, das war gewöhnungsbedürftig, hatte aber durchaus seinen Reiz.


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