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Johann Gruber – ein Querulant, den die Hilfsbereitschaft in den Tod trieb

Sabrina Lang, 13.06.2017 13:23

SCHLÜSSLBERG/LINZ. Priester, Pädagoge, KZ-Häftling - Johann Gruber, 1889 in Tegernbach geboren, zählt zu den herausragendsten Persönlichkeiten des Politischen Widerstandes gegen die Nationalsozialisten. Durch sein Wirken rettete er vielen Menschen das Leben, ihm selbst brachte es den Tod. Der Linzer Schriftsteller und Drehbuchautor Thomas Baum widmete Johann Gruber ein Theaterstück. Im Tips-Interview spricht Baum über die Faszination der Person Gruber und die Wichtigkeit des Nicht-Vergessens.

  1 / 2   Johann Gruber, einem der bedeutendsten Persönlichkeiten im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, wurde ein Theaterstück gewidmet. Foto: Diözesanarchiv

Als „Engel in der Hölle“ wurde Johann Gruber von den Überlebenden des Konzentrationslager Gusen verehrt. Für viele war er der „Papa Gruber“. Gruber war Querulant, der umtriebig, fast manisch für seine Vorstellungen und Pläne einstand. Systemkritisch, unangepasst und für sein Umfeld mühsam, setzte er sich unter gefährlichsten Umständen für die Bedürftigen und Alleingelassenen ein. Als Direktor der Linzer Blindenanstalt wurde er am 10. Mai 1938 wegen seiner Ablehnung des Nationalsozialismus und eines angeblichen Sittlichkeitsdelikts von der Gestapo verhaftet. 1939 wurde er verurteilt, kam ins Konzentrationslager Dachau und schließlich 1940 ins Konzentrationslager Gusen.

„Gruber-Suppe“ rettete Leben

Dort war Gruber als Pfleger im Häftlingsrevier beschäftigt und organisierte in dieser Funktion heimlich Medikamente für die Kranken. Mit Unerschrockenheit gelang es ihm über Tauschgeschäfte, geschmierte Küchencapos und bestochene SS-Männer regelmäßig zusätzliche Suppe aus der Lagerküche zu organisieren. Seine „Gruber-Suppe“ verteilte er an Häftlinge und rettete so viele Menschenleben.

 

Gewaltsamer Tod

Im Frühling 1944 fliegt die Hilfstätigkeit auf und Gruber drei Tage gefoltert. Er wurde schließlich vom Lagerkommandanten Seidler mit den Worten „Du sollst verrecken, wie Dein Meister, zur dritten Stunde“ eigenhändig ermordet. Es war Karfreitag, der 7. April des Jahres 1944.

Tips: Herr Baum, in Ihrem Werk „Der Fall Gruber“ wird das Wirken des Priesters auf die Bühne gebracht. Warum war sein Leben ein Theaterstück wert?

Thomas Baum: Gruber hat in einer hochproblematischen Zeit gelebt, die von den Menschen nicht vergessen werden darf, an die man sich immer wieder erinnern sollte. In der Zwischenkriegszeit, der Zeit des Austrofaschismus, des Nationalsozialismus wurde Gruber für seinen gelebten Reform- und Widerstandsgeist nicht belohnt, sondern angefeindet und vernichtet. Mit dieser Dynamik muss man sich beschäftigen, damit sie in Erinnerung bleibt. Dazu kommt der hochkomplexe Charakter des Johann Gruber, der mit Sicherheit kein einfacher Zeitgenosse war, auch nicht für die Kirche. Durch das Zusammenspiel von zwei Machtsystemen, der Kirche und des Nationalsozialismus, wurde die Person in den Mittelpunkt gerückt. Die Kirche oder der Nationalsozialismus alleine hätten Johann Gruber keinen Prozess gemacht. Die Kirche hat das Problem des Querulanten Gruber, der auch der Kirche das Leben schwer gemacht hat, an den Nationalsozialismus abgeschoben. Damit wurde letztendlich auch seine Vernichtung eingeläutet.

Tips: Was fasziniert Sie persönlich an der Person Gruber?

Baum: Für einen Dramatiker ist der Zugang zur Person der Schlüssel zum Stück. Die Gesamtpersönlichkeit Johann Grubers zu begreifen, seine Getriebenheit und sein Wille zur Veränderung faszinierten. Egal wo er aufgetreten ist, als Lehrer oder in der Blindenanstalt, er ist überall angeeckt. Er war ein bodenständiger Priester, dem die Nähe zu den Menschen als Helfer immer wichtiger war als die Eucharistie. Er war immer auf der Seite der Schwächsten und der Vernachlässigten und hat sich dabei selbst in Gefahr begeben.

Tips: Was war die größte Herausforderung beim Schreiben des Stücks?

Baum: So ein komplexes und volles Leben auf ein 1,5 Stunden Bühnenereignis zu reduzieren sowie wichtige Schlüsselszenen des Lebens zu erfassen und zugleich die Komplexität der Figur darzustellen ist schwierig. Herausfordernd war auch die Wucht des sakralen Raumes des Mariendoms. So eine würdige Kulisse ist für Regisseur und Schauspieler nicht einfach zu händeln. Auch die Kirche hat diesem verdrängungswürdigem Kapitel einen passenden Raum gegeben. Sie kommt damit einem wichtigen gesellschaftspolitischen Auftrag nach. Gruber wurde zudem im Mariendom zum Priester geweiht.

Tips: Was erwarten die Besucher bei“Der Fall Gruber“?

Baum: Einen hochkonzentrierten, intensiven Theaterabend über eine höchste spannende Person. Johann Gruber führte vor, wie man in einem extrem herausfordernden und harten politischem Umfeld trotzdem seine Haltung überzeugend behält.

 

Zur Person Johann Gruber

Johann Gruber wurde 1889 als ältestes von vier Kindern in Tegernbach geboren. Nach dem frühen Verlust seiner Eltern besuchte er ab 1903 das Petrinum-Gymnasium Linz. Als Kaplan wirkte er in Gaspoltshofen und Alkoven, er lehrte im Linzer Waisenhaus und wurde 1934 Direktor der Linzer Blindenanstalt. Gruber sprach sich gegen den Anschluss aus, in seiner Reformpädagogik stellte er das Glück der Kinder in den Mittelpunkt. Gruber wurde im März 1944 tagelang gefoltert und am Karfreitag, den 7. April ermordet

Vorstellung

Samstag, 24. und

Sonntag, 25. Juni, 20.30 Uhr,

Linzer Mariendom


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