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SEITENSTETTEN/MOSTVIERTEL. Von 2. Bis 3. Mai 2019 drehte sich im Stift Seitenstetten beim internationalen Streuobstkongress alles um die Mostbirne und die Streuobstwiesen im Mostviertel.

  1 / 5   (V.l.) Eric Bordelet, Christian Haberhauer, Hans Hiebl, Jürgen Schmücking, Claude Jolicouer Foto: mostropolis.at

Zwei Tage lang drehte sich beim 2. internationalen Streuobstkongress im Stift Seitenstetten in der vergangenen Woche alles um die Mostbirne, ihr Umfeld und die Zukunftsaussichten der landschaftsprägenden Frucht des Mostviertels.Die Begrüßung durch Christian Haberhauer, den Geschäftsführer der LEADER Region Tourismusverband Moststraße war kurz gehalten. Er betonte darin, dass es sich um ein gemeinschaftliches Projekt handle, an dem 31 Gemeinden mit einem gemeinsamen Ziel beteiligt wären. Worte zur Begrüßung fanden auch der Hausherr des Stiftes, Abt Petrus Pilsinger und Bürgermeister Johann Spreitzer (ÖVP). Mostsstrassen Obfrau Michaela Hinterholzer freute sich darüber, dass sich die Teilnehmeranzahl beim Kongress vervielfacht habe. Nationalratsabgeordneter Andreas Hanger (ÖVP) sieht diese Initiativen wichtig für die Region, weil sie eine gemeinsame Identität schaffen würden.

Streuobst im Wandel

Ministerialsekretär Josef Plank, der in Vertretung von Tourismusministerin Elisabeth Köstinger sprach, betonte, dass die globale Erwärmung eine Herausforderung sei und die kommenden Streuobstkulturen sich von den alten unterscheiden werden. Im Zuge des Klimawandels hätte ein Baum keine 50 bis 70 Jahre mehr Zeit, um in die ertragreiche Phase einzutreten. Er betonte aber auch dass es weltweit ein Bekenntnis zu regionalen Produkten gäbe. Eine Absicherung dieser Zustände hält er für wichtig. Großes Potential sieht Plank im Absatz von naturtrüben Säften.

Eklatanter Rückgang der Streuobstwiesen

Katherina Dianat von der ARGE Streuobst betonte die Vielfalt, die in den Streuobstwiesen zu finden sei. Zwischen 3000 bis 5000 verschieden Tierarten könnten darin zu finden sein. Die Datenlage über die Streuobstwiesen sei hingegen schwierig zu bestimmen. Das genaue Ausmaß könne bisweilen nur geschätzt werden. Sicher ist hingegen, dass die Fläche der Streuobstwiesen seit den 1960ern um zwei Drittel abgenommen hat. War 1966 noch etwa eine Fläche von 188.000 Hektar mit etwa 16 Millionen Bäumen vorhanden, sind es 2010 nur noch 52.900 Hektar mit etwa 4,5 Millionen Bäumen gewesen. Von den vorhandenen Flächen werden noch etwa 60 Prozent als landwirtschaftliche Flächen geführt. Die restlichen 40 Prozent befinden sich meistens in Hausgärten. Diesen Flächen sind in der Regel die Möglickeiten für Förderungen verwehrt. Die Ausdehnung der Flächen könnte sich auch in den vergangenen Jahren zusätzlich verkleinert haben. Die Probleme ortet Dianat beim niedrigen Preis für das Obst, die Verarbeitung des Obstes und bei der Pflege der Baumbestände.

Chancen im Klimawandel

Martin Schönhart von der Universität für Bodenkultur in Wien bestätigt diese Beobachtungen. Auch er gibt einen Rückgang der Streuobstwiesen um bis zu 70 Prozent seit den 60er Jahren an. Nach der Schweiz sei der Rückgang im Mostviertel in diesem Zeitraum am höchsten. So kritisch Schönhart aber auch den Klimawandel zeichnet, sieht er darin aber auch Chancen für die Bewirtschaftung als Agroforstwirtschaftliche Flächen, auch wenn die technologische Entwicklung sehr schwer vorherzusagen sei.

Baumpflanzungen als Lösung

Christian Steiner von der NÖ Agrarbezirksbehörde berichtet dann auch von etwa 37 Millionen Obstbäumen, die 1950 noch gezählt wurden. Franz Lumesberger von derselben Behörde ist in die jährlich stattfindenden Baumpflanzaktionen involviert. Ziel dieser Aktionen ist die Verjüngung des Baumbestandes und der Aufbau vitaler Bestände. Das sollte wiederum zur Erhaltung der Sortenvielfalt und der Biodiversität und zur Wertsteigerung für Obst und Produkte aus der Region beitragen. Lumesberger kritisierte auch, dass wegen der Urbanisierung meist die fruchtbarsten Regionen der Versiegelung zum Opfer fielen.

Innovation

Einen Teil des hervorragend von Martina Schuller und Christian Haberhauer organisierten Programms wurde den Innovationen gewidmet. So präsentierten Mathias Weis als Projektleiter von „Innovation Most“ und Manfred Gössinger von der HBLA für Wein- und Obstbau zwei Versuche aus einem Projekt zur Herstellung von Birnenwein, dass sich bewusst von der klassischen Herstellung von Most distanzieren möchte. Der Ausbau des Birnensaftes findet hier mit Reinzuchthefen und in Barriquefässern und mit konventioneller Weinkellertechnik statt.Moderator Jürgen Schmücking brachte auch erstklassige Produkte von Eric Bordelet aus Frankreich und Proben des Estländers Jaanhihanso Estonia Craft Ciders auf den Tisch, die erfrischend wild und ungestüm über den Gaumen fegten. Der Kanadier Claude Jolicouer wird als der „Ciderpapst“ gefeiert, der beinahe alle Geheimnisse der Ciderherstellung zu kennen scheint. Er mahnte, auch die Biodiversität im mikrobiologischen Bereich zu achten und die Arbeit mit Reinzuchthefen nicht zu übertreiben.


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