Weltflüchtlingstag mit emotionaler Botschaft
ST. GEORGEN AN DER GUSEN. Zum gestrigen Weltflüchtlingstag machten die Arbeitskreise Integration St. Georgen/Gusen und Luftenberg und der Verein „für mich und du“ am Beispiel von afghanischen Asylwerbern auf die dramatische Situation von Geflüchteten aufmerksam.

So wurde am 20. Juni zwischen 6 und 7 Uhr früh eine flashmob-ähnliche Aktion zum Weltflüchtlingstag und zwar um 6.24 Uhr, 6.49 Uhr und um 7.04 Uhr durchgeführt. Dieser Zeitraum wurde aufgrund der vielen Pendler nach Linz bewusst gewählt. Die Botschaft: „Reisewarnung: Abschiebungen töten!“ So mussten sich die morgendlichen Pendler zwischen den „Toten“ den Weg zu ihrem Bahnsteig suchen. Dabei bekamen sie Infomaterial ausgehändigt.
Aufmerksam machen
In Afghanistan gab es 2017 mehr als 10.000 zivile Opfer. Schutzsuchende werden in Krisen- und Kriegsgebiete abgeschoben und sind dort in akuter Lebensgefahr. Die Berichte von abgeschobenen Asylsuchenden, die getötet wurden, häufen sich. Nicht nur für Kinder, Alte und Kranke, sondern auch für junge Erwachsene ist es als Rückkehrer in Kabul lebensgefährlich. Neben Terroristen haben es bewaffnete Banden auf sie abgesehen, weil sie annehmen, dass diese aus dem Westen Geld mitbringen. Mit dem Flashmob wurde auf die Verantwortung und die Situation aufmerksam gemacht.
„Die Situation der Asylwerber ist dramatisch. Sie haben Deutsch gelernt, haben alles getan, um sich zu integrieren. Zwei bis drei Jahre haben sie auf die Einvernahme beim BFA gewartet Und dann die herbe Enttäuschung: ein negativer Asyl-Bescheid. Panik, Schlaflosigkeit, Depression sind die Folge“, so Monika Weilguni. Sie ist ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe in St. Georgen/Gusen engagiert. „Eine Rückkehr nach Afghanistan nach 3 Jahren Österreich ist für sie unmöglich. Gerade die Frauen können nicht zurück. Aber auch die Männer sind akut gefährdet. Ich bekomme mit, dass ein junger Mann, der nach Kabul abgeschoben wurde, sich dort seit Wochen in einem kleinen Zimmer versteckt, weil er sich nicht aus dem Haus traut“, so Weilguni weiter.
Jakob Foissner ist Pastoralassistent im Bereich Flucht/Asyl und sieht sich ebenfalls in der Pflicht etwas zu unternehmen: “Wie lange muss man in einem Land überleben, damit es als sicher gilt? - 3 Monate? 6 Monate? Ein Jahr? Ich weiß nicht genau, wie lange ein Rückkehrer nach Afghanistan überleben kann. Mit Glück vielleicht sogar zwei Jahre. Aber: Afghanistan ist nicht sicher. Und ich will – als Staatsbürger von Österreich und als Europäer – nicht mitschuldig sein am Tod dieser Menschen. Ich lege mich nicht gern um 6 Uhr morgens auf den Asphalt, aber es ist besser als in drei Jahren in den Spiegel zu schauen und mir sagen zu müssen: An dem Tod dieser hunderten Menschen bist du mitschuldig. Denn du hättest es gewusst und hast nichts getan.“
Programm am Nachmittag
Nachmittags beteiligten sich der Verein „für mich und du“ und der Arbeitskreis Integration der Gemeinde Luftenberg beim Umbrella Talk´s der Plattform Solidarität in Linz auf der Landstraße. Die Botschaft bei ihrer Station lautete: „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 3: Sie haben ein Recht auf ein Leben in Freiheit und Sicherheit. Amir aus Afghanistan auch!?“


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