Die neuen Rechten sind auffällig unauffällig

„Die neuen Rechten sind auffällig unauffällig“

Martina Gahleitner Martina Gahleitner, Tips Redaktion, 20.05.2019 08:20 Uhr

ST. MARTIN. Hinhören, hinschauen, wissen wie die Szene funktioniert: Um zu sensibilisieren und aufzuklären, luden die neu gegründeten Grünen in St. Martin zu einem Vortrag mit Historiker Ludmilla Leitner. Sie sprach über den Rechtsextremismus, der wieder erstarkt.

„Das Thema ist leider auch in unserer Region ein brisantes. Denn Identitäre gibt es auch im Bezirk Rohrbach“, zeigte Grüne-Bezirkssprecherin LAbg. Ulrike Schwarz auf und betonte: „Was einmal war, darf nie wieder passieren.“

Allerdings sind „die Geister der Vergangenheit, die man glaubte überwunden zu haben, stärker denn je“, sagte Ludmilla Leitner. „Sie kommen in neuem, trügerischen Gewand – die dahinterstehende Ideologie ist aber dieselbe wie vor 80 Jahren.“ Da geht es um Rassismus und Nationalismus, Feindbilder werden aufgebaut und Sündenböcke gesucht und der Wunsch nach einem starken Führer keimt wieder auf.

Kein Jugend- oder Unterschichtphänomen

Heute reicht der Rechtsextremismus weit in die Mitte der Gesellschaft, „das ist kein Jugend- oder Unterschichten-Phänomen“, betonte die Kennerin der Szene. Die neuen Rechten sind auffällig unauffällig, sprachlich gemäßigt, adrett und setzen auf neue Zielgruppen, wie Studenten oder Akademiker.

Einstieg mit Musik und Mode

Mit verstörenden Bildern und Songtexten und aufwühlenden Fakten bekamen die Besucher im vollbesetzten Pfarrsaal in St. Martin einen Einblick in die rechte Szene in Österreich und Deutschland. Gerade die Musik ist für viele eine Einstiegsdroge. „Mit menschenverachtenden, gewaltverherrlichenden Texten werden sie mit den Ideologien vertraut gemacht. Diese Konzerte sind brandgefährlich und die rechte Musikszene ist unüberschaubar groß“, warnte die Referentin.

Rechte Straftaten nehmen zu

Tatsache ist, dass vor allem seit der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 rechtsextreme, fremdenfeindliche oder rassistische Tathandlungen zunehmen. Laut Innenministerium kam es 2018 in ganz Österreich zu 1.075 rechtsextremen Tathandlungen. Wie eine Aufstellung der Anzeigen zu rechtsextremen Vorfällen aus dem Jahr 2016 zeigt, liegt der Bezirk Rohrbach mit 30 dokumentierten Anzeigen an dritter Stelle in Oberösterreich.

Die Grünen Bezirk Rohrbach fordern daher, dass diese erschreckende Entwicklung nicht länger ignoriert und totgeschwiegen wird. „Es bedarf stärkerer Beobachtung der rechtsextremen Szene seitens der Exekutive, Aufklärungsarbeit an den Schulen und ein klares Bekenntnis zum Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus seitens aller politisch Verantwortlicher“, betonen Schwarz und Michael Wöss von den Grünen in St. Martin. Ihm macht das große Interesse am Thema Mut und Hoffnung, „das zeigt, dass die Bürger sensibel sind für die bedenklichen Entwicklungen.“

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