„Man muss kein Gandhi oder Mandela sein, um etwas zu verändern“
ST. PÖLTEN/DEN HAAG. Die 18-jährige Bakip-Schülerin Hanna Hölzl aus St. Pölten nahm Ende Juni beim EF Global Student Leader Summit in der niederländischen Hauptstadt Den Haag teil. Bei dem internationalen Schülertreffen hielten unter anderem die Enkel von Mahatma Gandhi und Nelson Mandela Reden über Ausbeutung und Menschenrechte.

Das Gipfeltreffen wurde von EF Sprachreisen initiiert, einem Anbieter für Sprachreisen und interkulturellen Austausch, der seinen Hauptsitz in der Schweiz hat. Als Voraussetzung für die Reise nach Den Haag verbrachte Hölzl ein Austauschjahr auf einer High School in Alabama (USA), von dem sie im Dezember 2015 zurückkehrte. Am ersten Tag des insgesamt viertägigen Aufenthalts stand ein Abendessen in einer Kirche sowie eine Schnitzeljagd durch Den Haag am Programm. Dabei wurden die aus verschiedenen Ländern stammenden Schüler aufgeteilt. „Ich war mit sieben Amerikanern und einem Niederländer in einer Gruppe. Gemeinsam hatten wir verschiedene Aufgaben zu erledigen, um uns und die Stadt besser kennen zu lernen“, erzählt Hölzl. Am nächsten Morgen ging es schon zeitig in der Früh per Bus in die Multifunktionshalle World Forum, wo Reden stattfanden und Workshops abgehalten wurden. Hölzl entschied sich für einen Workshop, der das Thema Flüchtlingskrise zum Thema hatte. Bei diesem nahmen auch zwei syrische und ein irakischer Flüchtlinge teil, die von ihrem Leben vor und nach dem Krieg erzählten. „Die Berichte waren sehr emotional“, erzählt Hölzl. „Es war auch ein 13-jähriges Mädchen dabei, das zu weinen begonnen hat. Überraschend für mich war nur, dass die amerikanischen Teilnehmer relativ wenig über die Krise gewusst haben, obwohl es bei uns so ein großes Thema ist.“
Am Nachmittag bekamen die Schüler-Gruppen verschiedene Aufgaben mit karitativem Hintergrund, deren Lösungen am Ende des zweiten Tages präsentiert wurden. Hölzls Gruppe entschied sich wieder für das Thema Flüchtlingsproblematik. Die Schüler sollten in ihrem Beispiel einem Iraker eine Hilfestellung bieten, der in seinem Heimatland eine Ausbildung machen will, um ins Ausland zu flüchten und seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen. „Es war schwierig, eine Lösung dafür zu finden, denn wenn es eine gäbe, hätte sie schon jemand gefunden. Aber es war sehr interessant, sich darüber Gedanken zu machen“, erzählt die 18-Jährige, die später einmal Mathematik und Englisch auf Lehramt studieren will.
Im World Forum lauschte Hanna Hölzl auch den Reden von Arun Gandhi und Ndaba Mandela, den Enkeln der beiden weltberühmten Friedensaktivisten und Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi und Nelson Mandela. Arun Gandhi, der einige Jahre mit seinem Großvater lebte, griff das Thema Gewaltlosigkeit auf und sprach darüber, Gewalt nicht zu erwidern, sondern ihr gelassen und ruhig gegenüber zu treten. Ndaba Mandelas Vortrag drehte sich um Afrika und um die Ausbeutung durch westliche Industrieländer. Am meisten beeindruckte Hölzl aber der Vortrag einer 18-jährigen Afrikanerin, die als Kind mehrmals vergewaltigt wurde und sich für Frauenrechte und die Gleichstellung von Frauen einsetzt. „Wenn man das hört, schätzt man sich glücklich, in Österreich geboren zu sein. Trotz ihrer schlechten Voraussetzungen schaffen es die Leute dort, sich einzusetzen“, sagt Hölzl bewundernd, die weiß, was sie sich aus dem Aufenthalt in Den Haag mitnimmt: „Es muss nicht jeder ein Gandhi oder ein Mandela sein, das geht einfach nicht. Aber jeder kann schon von sich aus im Kleinen etwas verändern.“


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