Schauspielerin Julia Saarinen bringt Schülern die Welt der Gehörlosen näher
ST. PÖLTEN. Schauspielerin und Sprecherin Julia Saarinen, die Ehefrau des gehörlosen finnischen Regisseurs Juho Saarinen, veranstaltete in der Franz Jonas Volksschule vor kurzem ihren 500. Gebärdenworkshop. Diese sollen den Schülern die Themen Gehörlosigkeit und Gebärdensprache sowie den Umgang mit gehörlosen Menschen näherbringen.

Saarinen setzt sich seit 15 Jahren intensiv mit dem Thema Gebärdensprache und Gehörlosigkeit auseinander. „Die Workshops bieten den Kindern nicht nur einen Zugang zur Welt der Gehörlosen, sondern nehmen ihnen auch die Berührungsängste“, sagt die Schauspielerin, die mit dem Künstlernamen Julia von Juni auftritt. In der VS Franz Jonas erzählte Saarinen die Geschichte des jungen Hasen Olaf Hoppel, der riesige Ohren hat, gleichzeitig aber gehörlos ist und deshalb von einem Mitschüler beleidigt wird. Mit der Zeit gewinnt Olaf in der Klasse immer mehr Freunde und seine Gebärden werden zu einer beliebten Geheimsprache der Schüler.
Richtiger Umgang mit gehörlosen Menschen
Nach der Geschichte erzählte Saarinen den Kindern viel Wissenswertes über die Welt der Gehörlosen. Sie lernten beispielsweise, dass das Wort „taubstumm“ sehr negativ behaftet ist und deshalb lieber taub oder am besten gehörlos verwendet werden sollte. Die Schüler erfuhren auch, worauf man im Umgang mit gehörlosen Menschen achten muss. Wichtig sei es, langsam zu sprechen, damit sie von den Lippen ablesen können, oder Zettel zu schreiben. Saarinen informierte die Kinder auch über die Hilfsmittel, mit denen Gehörlose ihren Alltag bewältigen wie eine Lichtglocke, ein Blitzlichtwecker oder eine vibrierende Armbanduhr. Auch das Fingeralphabet, wichtige Gebärden wie „Hallo“, „Entschuldigung“, „Mein Name ist“ oder „Spielen“ sowie Lippenlesen wurden geübt.
Mehr Verständnis für Gehörlose
„Da es nicht für alle Kinder immer möglich ist, empathisches Denken und Verhalten innerhalb der Familie zu lernen oder zu erleben, liegt es häufig an der Schule die Vermittlung zu übernehmen. Die Workshops von Julia von Juni sind eine wunderbare Unterstützung beim Gelingen dieser Aufgabe. Die Kinder und auch wir Lehrer können durch Julias eindrucksvolle Erzählung der Geschichte von „Olaf Hoppel“ empfinden, wie es dem „armen Hasen“ geht. Dadurch gelingt es, sich in gehörlose Menschen hinein zu fühlen und mehr Verständnis für Menschen mit diesem besonderen Bedürfnis aufzubringen“, zeigt sich Ingrid Rehak, die Direktorin der Franz-Jonas-Schule begeistert.


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