Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

ST. PÖLTEN. Frauenärztin und Gynäkologin Maria Hengstberger arbeitete in den 80er-Jahren als Entwicklungshelferin in Äthiopien. Um das Wissen in der Bevölkerung rund um Verhütung, Vorbeugung von HIV und Aids, Gesundheit von Mutter und Kind sowie Familienplanung zu erhöhen, gründete sie 1989 die Aktion Regen, die sie vor kurzem bei einem Vortrag in St. Pölten vorstellte.

Maria Hengstberger erklärt die von ihr mitentwickelte Geburtenkontrollkette. Foto: Thomas Lettner
  1 / 3   Maria Hengstberger erklärt die von ihr mitentwickelte Geburtenkontrollkette. Foto: Thomas Lettner

Maria Hengstberger wurde im August 1941 in Hafnerbach geboren, wo sie das Kriegsende miterlebte. Sie hatte eine glückliche Kindheit und wurde von ihren Eltern katholisch erzogen. Dennoch kam es mit 16 Jahren zu einer Glaubenskrise. „Ich fragte mich, wie kann Gott solche Kriege zulassen“, erzählt die heute 76-jährige, noch sehr rüstige Frau. Da sie überlegte, aus der Kirche auszutreten, legte ihr die Mutter ein Gespräch mit einem Kaplan ans Herz. „Der Kaplan hat mir gesagt, dass nicht Gott für die Kriege verantwortlich ist, sondern Gott eigentlich durch uns wirkt. Dein Geist hat die Macht, die du ihm gibst. Du kannst im Positiven so viel erreichen wie Hitler im Negativen. Dieser Kaplan hat damals nicht geahnt, dass dieser Satz bei mir auf einen so fruchtbaren Boden fällt“, verrät Hengstberger.

Entwicklungsprojekt in Äthiopien

Nach dem Studium promovierte Hengstberger als Gynäkologin und arbeitete in der Brustkrebs-Vorsorge. Bei ihrer Arbeit lernte sie den Schauspieler Karlheinz Böhm kennen, der in Äthiopien ein Entwicklungsprojekt gestartet hatte. In einer Klinik wurden dort sogenannte „Health Worker“ in Gynäkologie unterrichtet. Als Hengstberger in Böhms Klinik arbeitete, bemerkte sie, dass die Frauen gar nichts über den eigenen Zyklus oder über Verhütung wussten. Um Mütter- und Kindersterblichkeit und Armut zu reduzieren sowie Frauen mehr Verantwortung zu übertragen, gründete Hengstberger darauf die Aktion Regen.

Der Zyklus-Kalender zum Umhängen

Ein wichtiges Werkzeug der Aktion ist die Geburtenkontrollkette, ein Zykluskalender zum Umhängen, den Hengstberger gemeinsam mit einheimischen Frauen entwickelte. Die Farbe Rot steht dabei für die Menstruation, Gelb für unfruchtbare und Blau für fruchtbare Tage. Ein kleiner Gummiring, der täglich weiter gezogen wird, zeigt den jeweiligen Zyklustag an. Mit den Spendengeldern, die Hengstberger bei großen Vorträgen sammelte, ließ sie vier Kliniken in Indien, Mexiko, Äthiopien und Ruanda bauen. Die Geburtenkontrollkette verbreitete sich rasch, wurde verbessert und sogar in Sibirien bekannt.

Arbeit im Ausland und mit Flüchtlingen

„Dennoch stellte ich fest, dass das Tool alleine nicht reicht und es Menschen braucht, die als Brückenbauer arbeiten“, erzählt Hengstberger. Gemeinsam mit jungen Ärztinnen bildete sie in Workshops sogenannte „Rain Worker“ aus. Das sind Multiplikatoren der Aktion, die aus den Reihen des Volkes kommen und die Botschaften der Aktion an ihre Mitmenschen verständlich weitergeben. Mittlerweile gibt es 450 Rain Worker in sieben verschiedenen Ländern, die ihr Wissen nach der Ausbildung an die Bevölkerung weitergeben. Seit neuestem arbeiten sie nicht nur im Ausland, sondern auch in der Integrationsarbeit mit Flüchtlingen.

Neues Tool Mutterschutzuhr

Die Geburtenkette blieb nicht das einzige Tool der Aktion Regen. Die Broschüre „28 Days / Girl“s Diary“ bietet jungen Mädchen die Möglichkeit, den eigenen Zyklus einer Vorlage entsprechend zu beobachten. Das Gebärmuttermodell „Little Mom“ aus Stoff zeigt die inneren Geschlechtsorgane der Frau, die Scheide, Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke. Um die Müttersterblichkeit zu reduzieren, wurde nun als neuestes Rain-Tool die Mutterschutzuhr entwickelt. Diese zeigt den Frauen die Phasen einer gesunden Mutterschaft an wie die Schwangerschaft, Geburt, die Stillphase mit Empfängnisschutz und die Phase ohne sicheren Schutz vor einer nächsten Schwangerschaft. Sie verdeutlicht auch, dass zwischen zwei Geburten ein Abstand von mindestens zwölf Monaten, besser noch 18 Monaten, eingehalten werden sollte.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Regelmäßige Treffen der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen im Hotel Graf

Regelmäßige Treffen der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen im Hotel Graf

ST. PÖLTEN. Die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs informiert im Rahmen von regelmäßigen Bezirksgruppen-Treffen ...

Tips - total regionalThomas Lettner
Ö3-Weihnachtswunder erfüllt Musikwünsche rund um die Uhr

Ö3-Weihnachtswunder erfüllt Musikwünsche rund um die Uhr

ST. PÖLTEN. Seit 3. Dezember laufen die Aufbauarbeiten für das Ö3-Weihnachtswunder am Rathausplatz. Vom 19. bis 24. Dezember senden ...

Tips - total regionalThomas Lettner
COMePASS - Schlafplatz für Jugendliche und junge Erwachsene in Krisensituationen

COMePASS - Schlafplatz für Jugendliche und junge Erwachsene in Krisensituationen

ST. PÖLTEN. Besonders in der kalten Jahreszeit ist jeder froh, ein Dach über dem Kopf zu haben und in einem warmen Bett schlafen zu ...

Tips - total regionalThomas Lettner
Mehrsprachige Kongresse der Zeugen Jehovas im November

Mehrsprachige Kongresse der Zeugen Jehovas im November

ST. PÖLTEN. Im November finden wieder an jedem Wochenende Kongresse in der Kongresshalle der Zeugen Jehovas (3100 St. Pölten, Mühlweg ...

Tips - total regionalThomas Lettner
SKN St. Pölten erhält EMAS-Preis für Umweltschutz und Nachhaltigkeit

SKN St. Pölten erhält EMAS-Preis für Umweltschutz und Nachhaltigkeit

ST. PÖLTEN/WIEN. Der SKN St. Pölten wurde als erster Sportverein in Österreich als EMAS zertifizierter Betrieb ausgezeichnet. SKN-Präsident ...

Tips - total regionalThomas Lettner
24 Stunden-Betreuung ist ein ständig steigender Markt für Anbieter

24 Stunden-Betreuung ist ein ständig steigender Markt für Anbieter

ST. PÖLTEN. Aufgrund der demographischen Entwicklung wird die 24 Stunden-Pflege immer wichtiger. Wir sprachen mit Karl Peter Giller, Geschäftsführer ...

Tips - total regionalThomas Lettner
Weitere Beiträge