Die Aktion Regen klärt Frauen über Schwangerschaft und Verhütung auf
ST. PÖLTEN. Frauenärztin und Gynäkologin Maria Hengstberger arbeitete in den 80er-Jahren als Entwicklungshelferin in Äthiopien. Um das Wissen in der Bevölkerung rund um Verhütung, Vorbeugung von HIV und Aids, Gesundheit von Mutter und Kind sowie Familienplanung zu erhöhen, gründete sie 1989 die Aktion Regen, die sie vor kurzem bei einem Vortrag in St. Pölten vorstellte.

Maria Hengstberger wurde im August 1941 in Hafnerbach geboren, wo sie das Kriegsende miterlebte. Sie hatte eine glückliche Kindheit und wurde von ihren Eltern katholisch erzogen. Dennoch kam es mit 16 Jahren zu einer Glaubenskrise. „Ich fragte mich, wie kann Gott solche Kriege zulassen“, erzählt die heute 76-jährige, noch sehr rüstige Frau. Da sie überlegte, aus der Kirche auszutreten, legte ihr die Mutter ein Gespräch mit einem Kaplan ans Herz. „Der Kaplan hat mir gesagt, dass nicht Gott für die Kriege verantwortlich ist, sondern Gott eigentlich durch uns wirkt. Dein Geist hat die Macht, die du ihm gibst. Du kannst im Positiven so viel erreichen wie Hitler im Negativen. Dieser Kaplan hat damals nicht geahnt, dass dieser Satz bei mir auf einen so fruchtbaren Boden fällt“, verrät Hengstberger.
Entwicklungsprojekt in Äthiopien
Nach dem Studium promovierte Hengstberger als Gynäkologin und arbeitete in der Brustkrebs-Vorsorge. Bei ihrer Arbeit lernte sie den Schauspieler Karlheinz Böhm kennen, der in Äthiopien ein Entwicklungsprojekt gestartet hatte. In einer Klinik wurden dort sogenannte „Health Worker“ in Gynäkologie unterrichtet. Als Hengstberger in Böhms Klinik arbeitete, bemerkte sie, dass die Frauen gar nichts über den eigenen Zyklus oder über Verhütung wussten. Um Mütter- und Kindersterblichkeit und Armut zu reduzieren sowie Frauen mehr Verantwortung zu übertragen, gründete Hengstberger darauf die Aktion Regen.
Der Zyklus-Kalender zum Umhängen
Ein wichtiges Werkzeug der Aktion ist die Geburtenkontrollkette, ein Zykluskalender zum Umhängen, den Hengstberger gemeinsam mit einheimischen Frauen entwickelte. Die Farbe Rot steht dabei für die Menstruation, Gelb für unfruchtbare und Blau für fruchtbare Tage. Ein kleiner Gummiring, der täglich weiter gezogen wird, zeigt den jeweiligen Zyklustag an. Mit den Spendengeldern, die Hengstberger bei großen Vorträgen sammelte, ließ sie vier Kliniken in Indien, Mexiko, Äthiopien und Ruanda bauen. Die Geburtenkontrollkette verbreitete sich rasch, wurde verbessert und sogar in Sibirien bekannt.
Arbeit im Ausland und mit Flüchtlingen
„Dennoch stellte ich fest, dass das Tool alleine nicht reicht und es Menschen braucht, die als Brückenbauer arbeiten“, erzählt Hengstberger. Gemeinsam mit jungen Ärztinnen bildete sie in Workshops sogenannte „Rain Worker“ aus. Das sind Multiplikatoren der Aktion, die aus den Reihen des Volkes kommen und die Botschaften der Aktion an ihre Mitmenschen verständlich weitergeben. Mittlerweile gibt es 450 Rain Worker in sieben verschiedenen Ländern, die ihr Wissen nach der Ausbildung an die Bevölkerung weitergeben. Seit neuestem arbeiten sie nicht nur im Ausland, sondern auch in der Integrationsarbeit mit Flüchtlingen.
Neues Tool Mutterschutzuhr
Die Geburtenkette blieb nicht das einzige Tool der Aktion Regen. Die Broschüre „28 Days / Girl“s Diary“ bietet jungen Mädchen die Möglichkeit, den eigenen Zyklus einer Vorlage entsprechend zu beobachten. Das Gebärmuttermodell „Little Mom“ aus Stoff zeigt die inneren Geschlechtsorgane der Frau, die Scheide, Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke. Um die Müttersterblichkeit zu reduzieren, wurde nun als neuestes Rain-Tool die Mutterschutzuhr entwickelt. Diese zeigt den Frauen die Phasen einer gesunden Mutterschaft an wie die Schwangerschaft, Geburt, die Stillphase mit Empfängnisschutz und die Phase ohne sicheren Schutz vor einer nächsten Schwangerschaft. Sie verdeutlicht auch, dass zwischen zwei Geburten ein Abstand von mindestens zwölf Monaten, besser noch 18 Monaten, eingehalten werden sollte.


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