Politische Günstlinge, Ahnungslosigkeit, Unwille und Eigennützigkeit sind gehörige Barrieren in der institutionalisierten Integrationsarbeit in NÖ und österreichweit. Gemeinden und öffentliche Einrichtungen machten sich die Beschäftigung von Integrationsmitarbeitern oft sehr leicht, so eine, die es wissen muss: die türkischstämmige P3TV-Redakteurin Yurdagül Sener. Wichtigstes Kriterium für die Beschäftigung von Integrationsarbeitern: zwei Sprachen - alles andere sei zweitrangig.
Yurdagül Sener, von ihren Freunden auch kurz „Gül“ gerufen, ist eine begeisterte Journalistin mit viel Feuer und Herzblut, das man bei manchen alteingesessenen Kollegen oft vermisst. Natürlich: Manchmal, wenn sie der Feuereifer packt und das südländische Temperament überschäumt, muss sie Sender-Chef Rudi Vajda auch schon einmal stoppen.
Keine Scheu vor Kritik Nach der Ankunft in Österreich 1998 hat Gül viele Stationen durchschritten. Als in Österreich ausgebildete diplomierte Sozialarbeiterin ist sie immer wieder tätig als Dolmetscherin und Beraterin für Behörden, begleitet Flüchtlinge und wird in Konfliktsituationen, etwa vom Frauenhaus (Amstetten), angefragt. Ihre Kenntnisse bringt sie seit 2012 auch als Redakteurin beim regionalen Sender P3TV ein. Von Zeit zu Zeit fährt sie auch in ihre alte Heimat in der Türkei und scheucht dort mit ihren kritischen Fragen selbstzufriedene Patriarchen auf. Das hat ihr gerade in der türkischen Community auch in Österreich nicht nur Freunde gebracht. Denn auch hier nimmt sich die 29-Jährige kein Blatt vor den Mund. Etwa wenn sie Integrationsunwilligkeit kritisiert und die Unterdrückung türkischer Frauen durch den männerdominierten Islam.
Politiker oft „ahnungslos“ Eines ärgert sie aber besonders. Nämlich dass das „System Integration“ von vielen ausgenützt wird. Damit meint sie nicht nur von ehemaligen und neuen Ankömmlingen aus anderen Ländern, sondern auch von der Politik. Denn: „Genaugenommen haben gerade die Politiker, die sich gern mit Integration schmücken, wenig Ahnung wovon sie reden“. Außerdem werde still und heimlich verschwiegen, dass etwa Länder wie die Türkei und Syrien hohe Geldbeträge an Österreich für Integrationsarbeit bezahlten. Aber was noch viel schwerwiegender sei, so Gül, „dass für die Integrationsarbeit oft völlig inkompetente Leute angestellt werden“. Von Gemeinden und öffentlichen Institutionen. „Viele Gemeinden nehmen Kräfte für den Integrationsbereich nur auf, weil sie als Qualifikation zwei Sprachen anführen“.
Günstlinge im System Sie habe Integrationsmitarbeiter kennengelernt, „die nicht einmal ihre eigene Sprache richtig beherrschen, selbst nicht integriert und völlig unbeleckt in pädagogischen Belangen seien. Besonders auffallend sei dies im Bereich der „Interkulturellen Mitarbeiter“ (IK) in Kindergärten. Oft werde Geld für Integrationsbemühungen gesteckt, „die überhaupt nichts bringen“. Davon profitierten nicht selten politische Günstlinge. „Integration ist zum Teil eine unglaubliche Geldvernichtungs- und Versorgungsmaschinerie auf Kosten der Steuerzahler“. Eigentlich, so Gül, gehörten jene Interkulturellen Mitarbeiter, die jetzt in Kindergärten tätig sind, in die Volksschulen, denn „dafür wurden sie auch ausgebildet“. __________________________________________
TIPS ST. PÖLTEN Printausgabe und OnlineWerner Pelz, Tel.: 0664 815 77 75, Meinungen an Mail:
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