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ST. PÖLTEN. Anlässlich des Dialogforums lud die Arbeiterkammer zu einer Pressekonferenz. AK-NÖ-Präsident Markus Wieser und Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) forderten einmal mehr „Wege und Perspektiven für den Arbeitsmarkt der Zukunft“.

Minister Alois Stöger (mitte) mit Arbeiterkammer-Präsident Markus Wieser (rechts) und Steffen Lehndorff Foto: Hebe

Die Arbeitslosenzahlen in Österreich steigen weiter, in Niederösterreich waren Ende Mai 54.196 Personen ohne Job. Das sind um 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) und AK-Präsident Markus Wieser sprachen sich heute wieder einmal für eine aktive Arbeitsmarktpolitik und für mehr Investitionen durch die öffentliche Hand aus. „Wir können es nicht akzeptieren, dass Menschen nicht an der Gesellschaft teilnehmen können, daher können wir Arbeitslosigkeit einfach nicht akzeptieren“, so das Eingangs-Statement von Arbeitsminister Alois Stöger. „Fragen des Arbeitsrechts, der Organisation von Arbeitsbedingungen, der Arbeitszeit und der Freizeit sowie der breiten solidarischen Finanzierung des Sozialsystems gehören gestellt und müssen ohne Tabus diskutiert werden können“, sagt der Minister. „Es braucht eine faire Verteilung von Arbeit“, fordert AKNÖ-Präsident Markus Wieser.

Für Stöger liegt ein zentrales Element der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in einer aktiven Arbeitsmarktpolitik. Die entsprechenden Maßnahmen wurden laut Stöger gerade seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise stark ausgebaut. „Wir dürfen die hohe Arbeitslosigkeit nicht hinnehmen, das wäre eine Bankrotterklärung der Politik. Deshalb baut Österreich auf eine aktive Arbeitsmarktpolitik“, so Stöger. Erfreut zeigte sich der Minister auch über den jüngsten Verhandlungserfolg im Zuge der Budgetverhandlungen, bei dem die AMS-Mittel bis zum Jahr 2020 um insgesamt 1,5 Milliarden Euro erhöht wurden. Qualifizierung als Motor für Beschäftigung und Wirtschaft Qualifizierung ist für Stöger der Schlüssel für Beschäftigung und Wirtschaftswachstum. In diesem Sinne verweist er auch auf die eben erst im Ministerrat beschlossene Ausbildungspflicht bis 18 Jahre. Für Stöger ein arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Meilenstein. „Wer keinen Pflichtschulabschluss hat, wird dreimal leichter arbeitslos und viermal öfter Hilfsarbeiter. Mit dem neuen Gesetz stellen wir sicher, dass sich Jugendliche nicht aus dem Bildungs- und Ausbildungssystem zurückziehen“, so der Sozialminister.

Die Zukunft der Arbeit

Angesichts der zunehmenden Urbanisierung, Globalisierung und Digitalisierung ist es für Stöger notwendig, einen breiten Diskurs über neue Rahmenbedingungen für die Arbeitswelt der Zukunft zu führen. „Die Menschen dürfen beim wirtschaftlichen Fortschritt nicht auf der Strecke bleiben. Fragen des Arbeitsrechts, der Organisation von Arbeitsbedingungen, der Arbeitszeit und der Freizeit sowie der breiten solidarischen Finanzierung des Sozialsystems gehören gestellt und müssen ohne Tabus diskutiert werden können“, erklärt Stöger. „Es braucht eine faire Verteilung von Arbeit“, sagt AK Niederösterreich-Präsident Markus Wieser. Österreich ist Überstundenweltmeister, bei der Arbeitsdauer der Vollzeitbeschäftigten liegt Österreich mit 41,5 Stunden auf Rang drei in der EU. Hierzulande werden mehr als eine Viertel Milliarde Überstunden verrichtet, davon 20 Prozent unbezahlt. Allein diese 20 Prozent ergeben für Niederösterreich 6.000 Vollzeitstellen. Die Arbeiterkammer fordert daher ein Modell der Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich sowie Investitionen im Bereich der öffentlichen und sozialen Dienstleistungen sowie der Infrastruktur, um dadurch mehr Beschäftigung zu schaffen. Wissenschaftliche Untersuchungen zu den Erfahrungen mit einer Arbeitszeitverkürzung zeigen, dass diese unter bestimmten Voraussetzungen zusätzliche Arbeitsplätze bringen kann. „Wichtige Beispiele sind die Reduktion der Arbeitszeit in mehreren Branchen in Deutschland und vor allem die Einführung der gesetzlichen 35-Stundenwoche in Frankreich“, sagt Steffen Lehndorff vom Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen.


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