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Thema: Jägerstätter und Flüchtlinge
ST. RADEGUND. Die Katholische Männerbewegung Österreich lud zur ersten grenzüberschreitenden Sternwallfahrt nach St. Radegund zum Gedenken an den selig gesprochenen Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter und seiner Frau Franziska. Eines der zentralen Themen war dabei der Umgang mit Flüchtlingen – haben doch Jägerstätter und viele Asylwerber ein ähnliches Schicksal.

Ob mit der Bahn, zu Fuß oder mit dem Fahrrad – Wallfahrer von Vorarlberg bis Burgenland sowie von Deutschland bis Syrien trafen am 16. Mai beim Haus von Franz Jägerstätter in St. Radegund ein. Sie alle kamen über die Aktualität Jägerstätters, der seine Kriegsdienstverweigerung während des Zweiten Weltkrieges mit dem Tod bezahlte, ins Gespräch. Erinnerungskultur, Neoliberalismus und Flüchtlingspolitik waren dabei die drei Hauptthemen. Der Fairtrade Arbeitskreis Ostermiething hatte gemeinsam mit Asylgästen, die in der Gemeinde untergebracht sind, für alle Ankommenden eine orientalisch-innviertlerische Stärkung vorbereitet. Und mit ihren Statements unterstrichen Anas Tissawi und Mohammas al Awad eindrucksvoll, dass sich kein Flüchtling grundlos auf den lebensgefährlichen Weg aus der Heimat macht. „Wir wollen in Frieden und in Sicherheit leben. Es tut sehr weh zu wissen, dass ich meine Familie zurücklassen musste, aber ich kann nicht für das Assad-Regime kämpfen“, erklärte Tissawi. Da mag es nicht verwundern, dass sich die Asylgäste im Deutschunterricht sofort mit dem Schicksal Jägerstätters identifizieren können. Der Impuls des Historikers und Jägerstätter-Experten Thomas Schlager-Weidinger gipfelte in einem aufrüttelnden Appell: „Trotz Abwehr, Verdrängung und Verleugnung muss die NS-Zeit Teil unseres Erinnerns und Gedenkens bleiben. Werden Sie aktiv. Stöbern Sie in ihrer eigenen Familiengeschichte nach – nicht um zu verstecken, sondern um zu verstehen.“ Zudem schlug Schlager-Weidinger vor, sich mit Jägerstätter in der aktuellen Flüchtlingsdebatte auf die Seite Menschlichkeit zu stellen. Ein menschenverachtendes Wirtschaftssystem des Neoliberalismus, das „den Menschen auf das Faktum der Humanressource reduziert“, dürfe nicht Maßstab für ein christlich-soziales Handeln sein.


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