Vom tauben Postler bis zur Hebamme, die die Feuerwehr brachte - zwei Thomingerinnen erzählen
ST. THOMAS. Ihr ganzes Leben verbrachten Rosa Lehner und Maria Mayr in St. Thomas. Hier sind sie geboren, aufgewachsen, waren zur Arbeit hier und zum Leben. Die 87-jährige Lehner und die um acht Jahre jüngere Mayr haben die Geschichte von St. Thomas hautnah miterlebt.

Allerhand haben sie zu erzählen, die beiden Thomingerinnen, die ihr ganzes Leben in der Gemeinde verbrachten. Das waren noch Zeiten, in den 40er Jahren, als man das Eis aus dem Teich neben dem alten Feuerwehr-Depot gebrochen hat und mit der Pferdekutsche in einen Keller brachte. „Damit wurden das ganze Jahr über die Getränke gekühlt, erinnert sich Maria Mayr. „Das war immer ein Hallo im Ort wenn es zum Eisbrechen wurde“.
Der taube Postler
An einen besonderen Mann erinnern sich die beiden Frauen auch noch gut. An den Postler. Dieser habe früher immer von Waizenkirchen die Briefe geholt. „Manchmal haben wir ihm auch etwas angeschafft, das er in Waizenkirchen kaufen soll“, erzählt Mayr. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde der Postler plötzlich komplett taub. Man hätte seinen Namen noch so laut rufen können, der Briefträger hörte einfach nichts mehr, erzählen die beiden. Diese Taubheit hielt bis 1945, zum Kriegsende an. „Er wollte nichts hören, um nicht in den Krieg eingezogen zu werden“, erzählt Lehner.
Eine dunkle Zeit - auch in St. Thomas
Der Zweite Weltkrieg war auch für St. Thomas eine schockierende Zeit. Rosa Lehner erinnert sich noch gut als 1,5 Kilometer außerhalb des Orts neun Bomben fielen oder die Gefangenen durch den Ort getrieben wurden. Auch erinnert sich Lehner daran: „Beim Einmarsch 1938 haben wir aus unserem Haus müssen, denn es wurde von deutschen Soldaten beschlagnahmt. „Sie haben alles benutzt und das Haus verwüstet. Es hat danach ausgeschaut, unglaublich“, erinnert sich die 87-jährige. Die Familie selbst kroch in dieser Zeit in einem kleinen Raum zusammen und harrte aus bis die Soldaten das Haus am nächsten Tag wieder verließen. „In der letzten Kriegsnacht fiel noch eine Bombe über St. Thomas“, erzählt Lehner und dann war der Krieg vorbei.
Ins Theater nach Michaelnbach - zu Fuß
Nach dem Zweiten Weltkrieg erholte sich die Gemeinde langsam wieder. Es wurde eifrig gebaut in der Gemeinde „Fast alle Häuser sind neu“, meint Lehner und erinnert sich gemeinsam mit Maria Mayr, als man noch ins Theater nach Michaelnbach oder ins Kino nach Waizenkirchen - zu Fuß - ging. Oder als der Ort noch eine gemeinschaftliche Tiefkühlanlage mit 20 Kühlfächern hatte. Das war von den 50er bis Ende der 70er Jahre. „Da hieß es dann immer „in d“Gfriartruah geh““ sagt Mayr schmunzelnd. „Man hat nie viel gehabt früher, aber es war trotzdem schön“, meint Lehner und Mayr erinnert sich an ihr erstes exotisches Erlebnis: „Eine Freundin von mir ging in Linz zur Schule und schwärmte mir von einer Banane vor. Eine Banane, dachte ich mir, wie wird die wohl sein und kaufte mir auch eine. Die hat mir ja überhaupt nicht geschmeckt“, erinnert sich Mayr und lacht.
Mit dem FF-Auto die Hebamme geholt
In einer Zeit als zwar noch in jedem Haus eine Kuh oder eine Ziege für die Selbstversorgung gehalten wurde, wo es im ganzen Dorf nur einen Fernseher gab, der um 17 Uhr von den Kindern beschlagnahmt wurde, um den Kasperl zu schauen, oder als der Pfarrer, der Wirt und die Post sowie das Lagerhaus als einzige ein Telefon hatten, gab es ein Fahrzeug, das für die Thominger von großer Bedeutung war. Das Feuerwehrauto. Es hatte einen Allrad-Antrieb und stand daher viel im Einsatz. Da wurde dann schon mal die Hebamme mit dem FF- Auto geholt oder der Sautrog angehängt um im Winter die Straßen freizubekommen.Maria Mayr meint: „So viel wie wir in unserem Leben an Veränderung und Fortschritt erfahren haben, wird wohl keine andere Generation mehr erleben“.


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