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STEEGEN/TAISKIRCHEN. Elena Kappler aus Taiskirchen (Bezirk Ried) schloss die Höhere Technische Lehranstalt für Grafik und Design in Linz ab, bevor sie sich für ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) in der Caritas Einrichtung St. Pius in der Gemeinde Steegen entschied. Von 1. Oktober 2019 bis 31. Juli 2020 ist sie dort im Einsatz. Mit Tips hat die 19-Jährige über ihre Erfahrungen und über das Lernen fürs Leben gesprochen.

Elena Kappler hat sich für ein freiwilliges soziales Jahr entschieden. Foto: Anabelle Moghadam
Elena Kappler hat sich für ein freiwilliges soziales Jahr entschieden. Foto: Anabelle Moghadam

 Warum haben Sie sich für ein freiwilliges soziales Jahr entschieden?

Elena Kappler: Die letzten beiden Schuljahre waren nicht einfach und stressig. Danach wollte ich etwas tun, ohne Laptop und Abgabetermine. Das FSJ bietet mir die Möglichkeit, in den Sozialbereich zu schnuppern – was für Menschen, die sich nicht in einem sozialpädagogischen Studium befinden oder eine andere Ausbildung haben, nicht einfach ist.

Das Jahr absolvieren Sie in St. Pius in der Gemeinde Steegen, wie kam es dazu?

Nach dem Bewerbungsgespräch – dort haben wir über unsere Wünsche, Befürchtungen, Erwartungen zum FSJ gesprochen und in welchem Bereich wir eingesetzt werden wollen. Nach einem Schnuppertag in der Kinder-/Jugendgruppe Happy Hippos in St.Pius habe ich zugesagt.

Was sind Ihre Aufgaben?

Ich begleite vier Jungen zwischen elf und 14 Jahren bei Freizeitbeschäftigungen sowie bei der Pflege. Auch helfe ich im Haushalt mit oder erledige Botendienste zusammen mit den Bewohnern.

Bitte skizzieren Sie einen typischen Tagesablauf.

An Schultagen haben wir, wenn ich um halb sieben gekommen bin, gemeinsam gefrühstückt, um die Kinder danach in die heilpädagogische Schule zu bringen. Dann wurden mit Kollegen ein paar Räume der Wohngruppe geputzt. Dann habe ich ein paar Stunden frei. Nach dem Mittagessen gibt es eine Pause, wo die Kinder sich selbst beschäftigen, schlafen oder Musik hören. Vor Corona verbrachten wir die Nachmittage am Spielplatz, mit Fußball oder GoKarts, am Trampolin, im Schwimmbecken oder mit einem Spaziergang. Auch begleitete ich die Kinder zur Ergo- oder Logotherapie. Nach dem Abendessen haben die Kinder unterschiedliche Abendrituale. Während ein Junge noch fernschaut und ein anderer am Tablet Volksmusik und Ohrwurm-Kinderlieder hört, lese ich einem Kind oft noch eine Gute-Nacht-Geschichte vor. Am liebsten aber bringe ich einen bestimmten Jungen zu Bett – auch wenn ich zwar sehr falsch singe, will er trotzdem meist das Lied „Bruder Jakob“ hören.

Was macht Ihnen an der Arbeit besondere Freude?

Es ist besonders, wenn sich ein Kind, das zu viel Nähe im Alltag meidet, in bestimmten Situationen von einem berühren lässt. Oder wenn die Kids nach mir fragen, wenn ich länger keinen Dienst hatte. In der Arbeit mit Menschen und gerade in der Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung bekomme ich Freude und auch Zuneigung sehr unmittelbar zurück.

Was sind die Herausforderungen?

Ich bekomme genauso ihre Wut, ihre Frustration oder ihre Überforderung mit einer Situation zu spüren. Neben der Unterstützung der Schüler im Meistern des Alltags mit ihrer Beeinträchtigung, geht es im Kinder-und Jugendbereich auch um Erziehung. Gerade am Anfang wurde ich recht ausgetestet. Oft musste ich meinem Umfeld erklären, warum ich ein freiwilliges Jahr mache und „ein Jahr verlieren“ will und „wann ich dann endlich was mache, wofür ich auch angemessen bezahlt werde.“ Ich denke aber, dass ich an Erfahrung, Selbstbewusstsein und Freundschaften gewinne. Es ist eben kein Jahr, wo ich viel Geld anspare oder auf eine Karriere hinarbeite, aber diese Auszeit tut mir gut.

Was können Sie aus der Arbeit im FSJ fürs Leben mitnehmen?

Die Arbeit fordert Präsenz. Und da es um Menschen geht, hat eine ungeschickte Entscheidung oder Reaktion sofort eine Auswirkung. Gleichzeitig bekomme ich immer die Unterstützung des Teams und bin eben „nur“ FSJ. Ich darf jederzeit sagen, wenn ich etwas noch nicht oder nicht machen möchte. Auch habe ich die FSJ-Organisation hinter meinen Rücken, die sich darum kümmert, ob es mir in der Einsatzstelle gut geht. Ich darf viele neue Erfahrungen sammeln und lerne eben auch durch diese Herausforderungen und durchs Ausprobieren. Zum Beispiel auch, dass ich selbst nicht perfekt bin und auch nicht sein muss. Wenn ein Junge beispielsweise wütend ist, kann ich ihn manchmal beruhigen und manchmal funktionieren genau dieselben Strategien nicht, und ich probiere ihn zum Lachen zu bringen.

In einem FSJ bekommt man nur wenig Entlohnung. Wie händelt man das im Alltag mit den Ausgaben?

Von der Einsatzstelle bekomme ich Unterkunft, OÖVV-Ticket und neben den Mahlzeiten innerhalb der Dienstzeit auch einige Lebensmittel von der Küche. Während dem Corona-Lockdown minimieren sich die Ausgaben, da viele Freizeitaktivitäten wegfallen, auf Nahrungsmittel – dafür haben wir einen höheren Konsum an Schokolade. Manchmal ist es schon ein klein wenig frustrierend, dass wir nur etwa die Hälfte an Entlohnung der Zivildiener, die wie wir in der Einrichtung arbeiten, bekommen. Aber es geht sich gut aus. Und viele Erlebnisse kann man gar nicht bezahlen.

Weitere Infos unter www.fsj.at


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