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STEYR. Wer vor zwei Jahren „Die Fledermaus“ sah, ließ sich wohl von der großen Tenorstimme betören: Vincent Schirrmacher steht heuer in der Rolle des Balduin Graf Zedlau auf der Open-Air-Bühne des Musikfestivals Steyr. Tips traf den Volksopern-Sänger mit chinesischen Wurzeln vorab.

Vincent Schirrmacher gibt Balduin Graf Zedlau, Martina Dorak dessen Frau Gabriele. Foto: Kainrath
Vincent Schirrmacher gibt Balduin Graf Zedlau, Martina Dorak dessen Frau Gabriele. Foto: Kainrath

Obwohl Vincent Schirrmacher heuer erst zum zweiten Mal im Schlossgraben in eine Rolle schlüpft, ist er schon ein fortgeschrittener Steyrer. Seit seinem Debüt in der Romantikstadt 2014 verbringt er viel Zeit hier, nennt Steyr neben Wien sogar schon seine zweite Heimat in Österreich. „Ich fühle mich bei der Familie, wo ich untergebracht bin, so wohl, dass ich auch das übrige Jahr ganz oft zu Besuch komme.“

In London aufgewachsen, wollte der Sänger als Kind eigentlich Pianist werden. „Ich war sehr introvertiert, stotterte“, erzählt er. Nach dem Studium für Musikpädagogik (u.a. New York) reiste er aus purer Neugier in das Ursprungsland seines Nachnamens. Und wurde dort mit den Worten „Deine Stimme klingt nach Geld“ entdeckt. Es folgten ein Gesangsstudium in Köln sowie viele große Erfolge bei Gesangswettbewerben.

Seit 2010 ist Schirrmacher festes Ensemblemitglied der Volksoper Wien. Dass er in „Wiener Blut“ die Hauptrolle übernimmt, ist dem geschickten Händchen von Musikfestival-Intendant Karl-Michael Ebner zu verdanken. Selbst Ensemblemitglied der Volksoper, hält er immerzu Ausschau nach Stücken und Darstellern für Steyr. „Er, Regisseurin Susanne Sommer und die Hauptdarsteller, wir arbeiten auch in Wien viel zusammen, sind ein eingespieltes Team. Das ermöglicht für Steyr eine Personenregie, eine Stückerarbeitung nach Eigencharakter“, erklärt Schirrmacher.

Wenn es um die diesjährige Inszenierung im Schlossgraben geht, schwärmt der Tenor von der familiären Atmosphäre und der „Zauberhand“ von Regisseurin Susanne Sommer, die mit den vorhandenen Mitteln Großes bewirkt. „Es steckt viel Kreativität in der Regiearbeit“, verrät Schirrmacher. Das Publikum erwartet eine Strauss-Operette, die der Tradition weitgehend treu bleibt, auf eine moderne Prise dürfe man aber vertrauen. Auch das Bühnenbild - heuer mit einer riesigen rosaroten Torte - und die historischen Kostüme, geliehen vom Burgtheater, treffen ganz den Geschmack des Hauptdarstellers.

Gemeinsamkeiten

Mit Graf Zedlau feiert Schirrmacher ein Rollendebüt. So mancher Charakterzug des Lebemanns ist ihm aber keineswegs fern: „Er ist eine elegante, modebewusste Person. Ich lebe auch gerne eine glamouröse Seite.“ Auch für den Umstand, dass der Graf mit Vorliebe feiert, findet Schirrmacher augenzwinkernd Verständnis. Wenngleich der Sänger mit den wachsenden beruflichen Aufgaben mittlerweile privat zurückgezogener lebe als früher.

Zedlau spielt im Stück zur Zeit des Wiener Kongresses ein Spiel mit drei Frauen, überfordert sich aber schon bald damit - seine Lüge kommt ans Tageslicht. In der Handlung regiert der Wiener Schmäh. Gute Laune sei dem Publikum also versichert, so Schirrmacher, der auch das Einstudieren des Stücks als erholsame Zeit beschreibt. Derzeit übt er noch fleißig seinen Text - ob beim Ribiselpflücken oder Kuchenbacken mit seiner Gastfamilie. Steyr bedeute ein Gefühl von Urlaub für ihn: „Das ist eine Stadt für Musik, das spüre ich sehr stark in dem Umfeld, in dem ich mich hier bewege.“

Die große Wertschätzung des Publikums für Oper und Operette sei nicht selbstverständlich. Der Premiere blickt Schirrmacher freudig entgegen: „Für mich ist jeder Moment - jedes Duett und Ensemble, jede Arie - etwas ganz Besonderes. Das wird eine musikalische Sternstunde.“

Musikfestival-OPEN AIR 2016

Die Operette „Wiener Blut“ mit 31 Melodien von Johann Strauss Sohn feiert am Do., 28. Juli, Premiere im Schlossgraben von Schloss Lamberg. Weitere Aufführungen folgen am 29. und 30. Juli sowie 4., 5., 6., 11., 12. und 13. August, jeweils 20.30 Uhr. Das Stück wird für Bläser neu arrangiert. Regie führt Susanne Sommer, Georg Lindorfer zeichnet für das Bühnenbild verantwortlich. Bei Schlechtwetter wird im Stadttheater eine halbkonzertante Aufführung gespielt. Tickets: Oeticket, Tourismusverband Steyr, Tel. 07252/53229-0 sowie unter

www.musikfestivalsteyr.at


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