Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

STEYR. Lieferengpässe bei Pfeffersprays, hochschnellende Waffenverkäufe, ausgebuchte Selbstverteidigungskurse. Parallel zu den Medienberichten über sexuelle Übergriffe, Terror und Raubüberfälle, floriert das Geschäft mit dem Selbstschutz, auch in Steyr.

Symbolfoto: vowe
Symbolfoto: vowe

In der mit der Waffenproduktion historisch so traditionsreich verbundenen Stadt Steyr gibt es einen neuen Trend: die Ausstattung für die persönliche Sicherheit. „Pfeffersprays und sämtliche andere Dinge, die mit dem Thema Sicherheit zu tun haben, werden seit einigen Monaten bei uns deutlich verstärkt gekauft“, sagt Oskar Simmer vom Army Shop in Steyr. Er betreibt auch Filialen in Linz und Wels. „Mit den Vorfällen in Köln hat das Ganze einen neuen Höhepunkt erreicht.“

Während sich laut Simmer der Verkauf von Pfefferspray in seiner Welser Filiale locker verfünffacht hat, hat er sich in Steyr immerhin verdoppelt. „Die Lager unserer Großhändler in Deutschland sind zum Teil leer. Erst beim vierten sind wir fündig geworden.“

Dass die Nachfrage regelrecht explodiert ist, erklärt sich der Army-Shop-Gründer als Reaktion auf die Medienberichte. „Nur die wenigsten haben schon eine echte Bedrohung erlebt. Aber die Leute sehen in den Nachrichten Dinge, die sie so bislang nicht für möglich gehalten haben und überlegen, was sie zu ihrem Schutz tun können.“ Nicht zuletzt die Bilder der Flüchtlingswelle hätten Unsicherheit und Sorge in der Bevölkerung befeuert.

Waffen aller Art gefragt

Ein Steyrer Waffenhändler bestätigt die aktuell rege Nachfrage nach Waffen aller Art. „Der Wunsch, sich ein subjektives Sicherheitsgefühl zu verschaffen, ist seit Oktober stark spürbar und dieser Trend hält nach wie vor an“, sagt er.

Ebenso vermehrt auf der alltäglichen Bildfläche erscheinen die sogenannten „Prepper“, befindet Army-Shop-Geschäftsführer Simmer, dessen Unternehmen es bereits seit 34 Jahren gibt. „Prepper“ nennt man Menschen, die sich auf Notfälle wie ein Blackout-Szenario oder mögliche Unruhen mit Essensvorräten, Schutzkleidung etc. vorbereiten. „Heute treffe ich wöchentlich soviele wie früher im ganzen Jahr“, so Simmer. Er vermutet, dass generell das Vertrauen in die staatlichen Organe schwindet.

„Die steigenden Waffenkäufe sind uns bekannt, und zwar seit Mitte des letzten Jahres“, sagt Stadtpolizeikommandant Christian Moser, der den Zusammenhang mit Berichten über die Flüchtlingslage, Einbruchsserien etc. betont. „Steyr ist eine relativ sichere Stadt, aber fast jeder kennt jemanden, bei dem schon eingebrochen wurde. Das verunsichert und man glaubt, sich mit Waffen zweckmäßig verteidigen zu können.“

In Steyr und Umgebung gebe es keine wesentliche Steigerung von Überfällen. Auch schlimmere Schäden an Personen seien nicht zu beklagen. „Wir hatten in jüngerer Zeit drei Raubüberfälle. Jenen auf das Wettlokal und die Vorfälle, wo ein 15-jähriger Steyrer mit einer Softgun hantierte. Das sind aber Ausreißer, wir haben Monate, wo es keinen Raub gibt“, so Moser.

Damit umgehen

Dass Angst unbegründet ist, wenn z. B. beim Nachbarn eingebrochen wurde, will er damit aber nicht sagen. Die Frage sei, wie der Einzelne damit umgeht. Beim Waffenkauf appelliert der Stadtpolizeikommandant an die Besonnenheit. „Die Frage ist doch: Wer ist wirklich in der Lage, eine Schusswaffe im Ernstfall zu handhaben?“ Der Pfefferspray sei da durchaus zu bevorzugen: „Wenn der Gegner den in die Hände bekommt, droht mir im schlimmsten Fall, selbst besprüht zu werden und ich komme nicht ums Leben.“

Weil aber auch der Spray täglich gewartet (aufgeschüttelt) und in der Notfallsituation richtig angewendet werden will, empfiehlt der Polizei-Chef alternativ z.B. den sogenannten „Schlüsselalarm“: Er wird an den Gürtel geklipst und gibt bei Betätigung einen ohrenbetäubenden Alarm ab. „Für den Normalbürger ist das Nichteingreifen, also der Alarm, das Sicherste.“

Selbstverteidigung

In Sachen Selbstverteidigung rät Moser, sich genau anzuschauen, welches Angebot man wahrnimmt: Selbstverteidigung zu erlernen ist an sich nicht schlecht. In wenigen Stunden erlangt man aber meist nur ein trügerisches Gefühl von Sicherheit. Ein Überfall ist nunmal eine ganz andere Situation als im Turnsaal mit einem Trainer. Griffe, die man nicht regelmäßig trainiert, beherrscht man nicht.“ Immerhin würden Frauen aber lernen, ihre Grenzen auszutesten und bei Bedrohung zu schreien und zuzuhauen.

In Steyr gibt es kaum Anzeigen von Frauen wegen sexueller Belästigung. „Wir glauben aber, dass das durch die aktuelle Berichterstattung anders werden könnte. Wenn bisher ein Grapscher in die Flucht geschlagen wurde, erfolgte zumeist keine Anzeige. Vielleicht trauen sich künftig mehr Frauen zur Polizei zu gehen. So etwas gehört gemeldet“, so Moser.

Was im Übrigen die Flüchtlingsfrage anbelangt, erklärt er, dass es bislang keinen Vorfall gab. „Ich bin sowohl mit der Politik als auch mit Betreuungsorganisationen im Gespräch, es liegt nichts vor. Ich glaube wir haben in Steyr Glück, dass wir Flüchtlinge in kleinen Gruppen beherbergen, es soweit keinen Lagerkoller gibt und die Betreuung vorbildlich funktioniert.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden