„Jeder Tag ist für mich wertvoll“
STEYR. Besatzungskind, Verbrechensopfer, Selbstmordversuch: Alfred Thaller musste in seinem Leben viele Rückschläge einstecken. „Jetzt ist es an der Zeit, dass ich auch einmal Glück habe.“

Aus seiner Vergangenheit zu erzählen, fällt Alfred Thaller beim Besuch von Tips sichtlich schwer. In Linz aufgewachsen, erfuhr er erst als junger Erwachsener, dass sein leiblicher Vater aus Russland stammt. Der Wolgadeutsche Viktor Gabelko wurde mit 16 Jahren aus der damaligen Sowjetunion nach Linz verschleppt und als Zwangsarbeiter eingesetzt. Nach Ende des Krieges arbeitete Gabelko in der Tabakfabrik. „Dort verliebte er sich in meine Mutter“, erzählt Alfred Thaller, der 1946 zur Welt kam. Seinen Vater lernte er nie wissentlich kennen. „Ihm wurde eine Verbrechenstat angelastet, die er als Linkshänder nicht begangen haben kann, 1949 wurde er deswegen in Garsten inhaftiert“, sagt Thaller. 1959 wurde sein Vater freigelassen, er nützte die Gelegenheit, nach Russland heimzukehren.
TV-Show in Moskau
Erst 2008 wurde Alfred Thaller mitgeteilt, dass sein Vater 1964 im Alter von 36 Jahren verstorben ist. „Das war im Rahmen einer Fernsehsendung über Besatzungskinder in Moskau“, erzählt der heute 71-jährige Steyrer. In Russlands Hauptstadt erfuhr er auch, dass er eine Halbschwester hat. „Olga und ich sind uns in die Arme gefallen und haben beide geweint. Seitdem haben wir mindestens einmal in der Woche Kontakt über Skype und besuchen uns einmal im Jahr.“ Am liebsten würde er seine Halbschwester nach Steyr holen. „Olgas Mann ist bereits verstorben, sie würde gerne nach Österreich kommen. Leider ist meine Pension dafür aber zu gering“, erklärt Thaller.
Schwer verletzt
Dass die Pension so gering ist liegt daran, dass Thaller 1981 brutal zusammengeschlagen wurde und schwerste Verletzungen erlitt. Seinen Beruf als leitender Angestellter musste er aufgeben. Zwei Jahre später wollte er sich das Leben nehmen. „Ich habe alle Tabletten, die ich hatte, auf einmal genommen. Ein Freund hat mich letztlich gerettet“, so Thaller. „Mittlerweile ist jeder Tag für mich wertvoll und es war an der Zeit, dass ich auch einmal Glück habe.“ Dieses Glück fand er mit seiner zweiten Ehefrau Magda, vor zwei Jahren haben sie geheiratet. Obwohl es finanziell schwierig ist, kommen die beiden über die Runden. „Leider ist mir jetzt auch noch das Pflegegeld von Stufe zwei auf Stufe eins gekürzt worden, obwohl sich mein Gesundheitszustand nicht verbessert hat“, sagt Thaller.


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