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STEYR. Die Steyrtal-Museumsbahn ist ein Motiv der Literaturverfilmung von Robert Seethalers Bestseller „Der Trafikant“. Größen des österreichischen Filmes schlugen dafür zwei Tage lang ihre Zelte in Steyr auf, darunter Jungstar Simon Morzé (“Schnell ermittelt“) und der mehrfach preisgekrönte Schauspieler Johannes Krisch (“Jack“ u.a.).

  1 / 4   „Der Trafikant"-Regisseur Nikolaus Leytner mit Hauptdarsteller Simon Morzé. Zu den Drehorten gehört neben Südtirol und Wien auch die Steyrtal-Museumsbahn. Foto: Epo Film/Filmstills/P. Domenigg

„Es wird gedreht – Ruhe bitte“, sagt jemand mit verkabeltem Ohr. Aufwendige Technik trifft Vergangenheit mitten am Steyrer Lokalbahnhof. Letzteres nicht nur wegen der historischen Waggons auf den Gleisen, auch sich nebenan tummelnde oder geduldig in Stühlen ausharrende Damen und Herren wirken wie der Zeitmaschine entstiegen. Der Tonfall ist leise – ein lautes Wort könnte an den Drehort, dem kleinen Beisl im Lokalbahnhof, durchdringen.

Es ist der zweite Drehtag der Literaturverfilmung „Der Trafikant“ in Steyr, etliche Komparsen warten auf ihren Einsatz. Wann der genau sein wird, ist für den Steyrer Michael Pascher zu diesem Zeitpunkt noch ungewiss. Er gibt einen Kellner im Wiener Wirtshaus „Wilder Mann“. Motiv dafür ist eben die Räumlichkeit im Steyrer Lokalbahnhof. „Bisher bin ich in einer Szene dabei, eine weitere geplante ist gestrichen worden“, so der junge Mann, der sich dafür extra Urlaub genommen hat.

Junges Schicksal

„Den freien Tag braucht man schon, weil man viel Wartezeit hat“, bestätigt Anna Krug aus Dorf an der Enns. Ihr Part: Gast im Wirtshaus. Alles an ihr – von der Frisur bis zu den Schuhen – ist der Filmzeit 1937/1938 perfekt angepasst. „Im echten Leben schaue ich doch jünger aus“, lacht sie.

„Der Trafikant“, der neben Steyr u.a. in Wien, Südtirol und München gedreht wird, erzählt die Geschichte des 17-jährigen Franz Huchel zur Zeit des Anschlusses. Die Mutter ist Kellnerin im ländlichen Dorf am Attersee und hat den Buben allein aufgezogen – nach dem Tod ihres Gönners schickt sie ihn aus Geldnot nach Wien. Dort soll er bei einem Bekannten arbeiten, dem Trafikanten Otto Trsnjek – gespielt von Charakterdarsteller Johannes Krisch.

Der junge Franz soll in der großen Stadt erwachsen werden. Er lernt Sigmund Freud (gemimt vom vielfach ausgezeichneten Bruno Ganz) kennen und seine erste Liebe, eine Varietétänzerin. Zugleich spitzt sich die politische Lage zu.

Inspirierende Museumsbahn

Acht Szenen wurden in Steyr gedreht, mehrere davon in der Museumsbahn selbst. Das historische Kleinod bringt den jungen Franz im Film nach Wien. Hauptdarsteller Simon Morzé, der u.a. als Seriensohn von TV-Ermittlerin Angelika Schnell bekannt ist, schwärmt vom Drehort: „Die wahnsinnig schönen historischen Motive hier machen es einem leicht, sich in eine andere Zeit zu versetzen“, so der 21-jährige Wiener.

Der Inhalt des Filmes wird aus der sehr subjektiven Sicht des naiven, aber auch mutigen Franz geschildert. In einer weiteren in Steyr gedrehten Szene im Wirtshaus schreibt Franz seiner Mutter eine Ansichtskarte. Im Hintergrund gehen die Wogen zwischen politisch unterschiedlich Gesinnten hoch.

Franz“ Mutter spielt Regina Fritsch, am Burgtheater derzeit u.a. in „Ludwig II.“ nach dem Film von Luchino Visconti zu sehen. „Margarete Huchel ist ein vom Schicksal geprägter, aber sehr warmherziger Mensch“, umreißt sie den Charakter ihrer Rolle. Im Innenbereich am Steyrer Lokalbahnhof entstand u.a. auch jene Szene, in der sie Franz in einem Tagtraum erscheint. Mit Regisseur Nikolaus Leytner ist Fritsch ein eingespieltes Team: „Wir haben schon bei mehreren Filmen zusammengearbeitet“, sagt sie.

Poesie trotzt Dramatik

Der renommierte Film- und TV-Regisseur Leytner verspricht mit seinem derzeitigen Projekt eine etwas andere Sicht auf die Vergangenheit: „Was ich an der literarischen Vorlage so besonders finde, ist, dass die Erzählung in einer so brutalen Zeit spielt, der Ton aber keineswegs schwermütig ist. Bei aller Dramatik rund um Franz ist noch Platz für Poesie, etwas Wienerisches“, erklärt er.

Der Film soll im Herbst 2018 in die Kinos kommen. In weiteren Rollen zu sehen sind Emma Drogunova, Gerti Drassl, Rainer Doppler, Erni Mangold, Karoline Eichhorn und viele andere.


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