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STEYR. Sie stiftet Sinn und Identität, verleiht Würde. Sie unterwirft, beutet aus und schafft Freiheit, während sie anderswo unfrei macht. Das Museum Arbeitswelt widmet den verborgenen Facetten von Arbeit seit Mai eine spannende Ausstellung.

  1 / 8   Die neue Dauerausstellung im Museum Arbeitswelt kann dieser Tage bei freiem Eintritt besucht werden. Foto: mian

Kaum eine Sache, die den Alltag von Menschen rund um den Globus mehr prägt als sie: Arbeit. Der Begriff lässt je nach Lebenswelt an Labore, Computer und Roboter denken, oder an Hallen voller Pakete, Nähmaschinen, einen Acker, eine Mine, eine Schaufel. „Das Wesentliche der Arbeit ist unsichtbar“, versichert das Museum Arbeitswelt, das in seinem neuen Ausstellungs-Coup eindrucksvoll vielfältig den Spuren von Arbeit nachspürt, wie sie sich dem Nutzer ihrer Produkte und Leistungen sonst nicht erschließt. Mehr noch: Die Schau führt manches überhaupt erstmalig ans Licht.

Arbeit ist ein Gefühl

Los geht es in den puristischen Rauminstallationen von Christoph Mayer, wo die grundsätzlichsten Bausteine des Lebens und Arbeitens in Erinnerung gerufen werden. Oder man im Dunkeln mit afrikanischer Erde unter den Füßen den Gedanken und Gefühlen von Menschen im Kongo lauscht, die tagtäglich mit bloßen Händen nach Erzen für Smartphone & Co. graben. Zahllose Stunden hat Mayer für diese Aufnahmen in einem der größten Coltan-Abbaugebiete Interviews geführt.

Einige Schritte weiter widmen sich detailschöne Miniaturwelten mit Lokalbezug den Anfängen der Industrie: Unter Glas-Kuben betrachten die Besucher historische Arbeitsszenarien vom Erzberg über Reichraming bis Steyr. Kurz darauf geht es ins alte Steyrer Arbeiterwirtshaus „Goldener Pflug“: Neben den Schauplätzen von Arbeit beleuchtet die Schau immer auch die Lohnabhängigen, die Kraft und mitunter Leben für die Arbeit einsetzen. Und die nach getanem Tagwerk im Wirtshaus nicht nur trinken, spielen, Witze erzählen, sondern auch politisieren, sich organisieren.

Macht der Produkte

Die Schau widmet sich den Arbeitsrealitäten im Werdensprozess von Produkten, blickt hinter glänzende Oberflächen und betrachtet anhand dokumentarischer Schätze den machtvollen wie dramatischen Einfluss, den so manches Erzeugnis auf die Geschichte nahm. Wen Fragen nach dem Zeitaspekt von Arbeit im Hinblick auf die Gegenwart beschäftigen, der wird Geschichten und Objekte vorfinden, die vieles buchstäblich begreifbar machen.

Und schließlich blickt die barrierefreie und auch für Kinder aufbereitete Schau voraus: Ein kleiner, humanoider Roboter hilft dabei, die Zukunft als Auswahl von Möglichkeiten zu begreifen.

Ein Besuch lohnt sich für jeden, den Arbeit betrifft: für jeden.

ARBEIT IST UNSICHTBAR

Dauerausstellung bis 23. Dezember, Museum Arbeitswelt (Di.–So., 9–17 Uhr)

Kuratiert vom deutschen Sozialpsychologen und Bestseller-Autor Harald Welzer und dem Wiener Publizisten Robert Misik. Architektur: Gerhard Abel, Waltraud Ertl; Raum- und Audioinstallationen: Christoph Mayer, Janne Busse; Dioramen und Mobile: Angelika Höcker und Gerald Moser; Grafik, Design: Katharina Höfler, Michael Atteneder


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